Wer ohne Abitur studieren möchte, braucht in der Regel eine abgeschlossene Ausbildung in einem anerkannten Ausbildungsberuf und überdies oft mehrjährige Berufserfahrung. Einige Universitäten verlangen eine Hochschulzugangsberechtigung, andere eine Fortbildungsprüfung nach der Berufsausbildung, wieder andere verlangen ein Probestudium. In einer Übersicht können sich die interessierten, beruflich qualifizierten Bewerber ohne schulische Hochschulzugangsberechtigung über die Studienvoraussetzungen in den einzelnen Bundesländern informieren. Statistisch gesehen ist das Studium ohne Abitur mit unter zwei Prozent eher selten. Nur wenige nehmen dieses Angebot in Anspruch. Wer es tut, bewältigt sein Studium allerdings mindestens genauso erfolgreich wie die Kommilitonen mit Abitur.

Ansätze zur Vereinheitlichung der Regelung

Das unübersichtliche und uneinheitliche Dickicht verschiedener Regelungen der Bundesländer wurde schon häufiger kritisiert. Die Hochschulrektorenkonferenz (HRK) forderte 2008 von den Ländern in ihrem Papier die Vereinheitlichung der Regelungen, um unnötige Barrieren im Bildungssystem abzubauen. Die HRK ist ein freiwilliger Zusammenschluss fast aller staatlichen und staatlich anerkannten Hochschulen Deutschlands. Unterstützt wurden sie in ihrer Forderung von dem Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK).

Die Vorschläge der HRK sehen den Zugang zu einem Studiengang für beruflich Qualifizierte vor. Das Zugangsverfahren, welches mit Bezug zum angestrebten Studienfach gestaltet sein soll, wird offen gelassen: Hochschulzugangsprüfung oder Probestudium. Allerdings fordert die HRK, dass die Wahl des Studienfachs auch ohne Bezug zur fachlichen Orientierung der beruflichen Erstausbildung möglich sein soll, da vor allem die Eignung und Neigung des Einzelnen für ein bestimmtes Studium im Vordergrund stehen sollen. Solche Kriterien wie Alter, Wohnsitz oder die Anzahl von Berufsjahren sollten dagegen keine Rolle spielen. Auch die Kultusministerkonferenz hatte 2009 in einem Beschluss Vorschläge erarbeitet.

Diesen nach sollen Bewerber mit einer abgeschlossenen, mindestens zweijährigen Berufsausbildung (BBiG/HwO) und einer mindestens dreijährigen Berufserfahrung eine Studienzulassung bekommen – allerdings in einem Studiengang, welcher zur Berufsausbildung und Praxis einen Bezug aufweisen sollte. Für Stipendiaten des Aufstiegsstipendienprogrammes sollten schon zwei Jahre Berufserfahrung ausreichend sein. Beide Gruppen erhalten damit nur eine fachgebundene Hochschulzugangsberechtigung.

Eine fachgebundene Hochschulzugangsberechtigung sollen überdies auch Kandidaten erhalten, welche ein Eignungsfeststellungsverfahren erfolgreich durchlaufen sind. Dieses kann durch eine Hochschule oder staatliche Stelle auf Grundlage einer Prüfungsverordnung durchgeführt werden und kann durch ein erfolgreich absolviertes Probestudium von mindestens einem Jahr ersetzt werden. Eine allgemeine Hochschulzugangsberechtigung sollen dagegen Inhaber folgender Abschlüsse der beruflichen Aufstiegsfortbildung erhalten:

  • Meister im Handwerk nach §§45,51a, 122 Handwerksordnung (HwO);
  • Inhaber von Fortbildungsabschlüssen, für die Prüfungsregelungen nach §§ 53, 54 Berufsbildungsgesetz (BBiG), §§ 42, 42a HwO bestehen, sofern Lehrgänge mindestens 400 Unterrichtsstunden umfassen;
  • Inhaber von Abschlüssen von Fachschulen entsprechend der "Rahmenvereinbarung über Fachschulen" der Kultusministerkonferenz in der jeweils geltenden Fassung;
  • Inhaber von Abschlüssen vergleichbarer landesrechtlicher Fortbildungsregelungen für Berufe im Gesundheitswesen sowie im Bereich der sozialpflegerischen und sozialpädagogischen Berufe.
Die erzielte Einigung stellt eine Harmonisierung beim Hochschulzugang dar. Damit haben die Länder eine gemeinsame Basis zur gegenseitigen Anerkennung der Hochschulzugangsberechtigung für beruflich Qualifizierte gefunden, die an die Erfüllung bestimmter Voraussetzungen gebunden ist, ohne länderspezifische Ausprägungen auszuschließen.

Begabtenstipendien

Besonders begabte Absolventen einer Berufsausbildung mit mindestens zweijähriger Berufserfahrung haben die Möglichkeit, sich für ein Aufstiegsstipendium zu bewerben. Im Auftrag des Bundesministeriums für Bildung und Forschung vergibt die Stiftung Begabtenförderung solche Stipendien. Es richtet sich an Fachkräfte mit mehrjähriger Berufserfahrung, beispielsweise auch an solche, die ihre besondere fachliche Begabung durch eine Begabtenprüfung, Eignungsprüfung, einen Techniker- oder Meisterabschluss erworben haben.

Nachholen von Schulabschlüssen

Überdies besteht in Deutschland immer die Möglichkeit den benötigten Schulabschluss auf dem zweiten Bildungsweg nachzuholen: in Abendschule oder Kolleg. Informationen dazu stellt das Online-Modul "durchstarten" auf den Seiten der Bundesagentur für Arbeit und der Deutsche Bildungsserver bereit.

Quellen und weitere Informationen:

Wege ins Studium