
- James Bond hält nicht viel vom Produktionsstopp - Metro-Goldwyn-Mayer (MGM)
Eigentlich sollte Daniel Craig alias 007-Agent James Bond bereits in diesem Winter, spätestens aber im Winter 2011 wieder im Auftrag Ihrer Majestät ermitteln. Die Drehbuchautoren standen bereits fest, die Produzenten hatten einen klaren Arbeitsplan ausgearbeitet. Um so überraschender kam am Montag, den 19. April 2010, die Nachricht, dass MGM seine Prestige-Filmserie vorerst auf Eis lege. Die erdrückende Schuldenlast des Filmstudios von rund 3,7 Milliarden Euro sei Schuld.
Bond 23: Daniel Craig muss sich im Warten üben
So wie Superagent James Bond abhängig von den Entscheidungen der britischen Regierung ist, so sind auch die Darsteller, allen voran Daniel Craig als schneidiger Geheimagent und Dame Judi Dench als seine Vorgesetzte „M“, von den Entscheidungen ihres Filmstudios abhängig. Unglücklicherweise hat dieses den finanziellen Bankrott erklärt. Die langjährigen Bond-Film-Produzenten Barbara Broccoli und Michael G. Wilson sagten gegenüber dem amerikanischen Branchenblatt Variety, dass sie vorerst alle Pläne für den neuen Bond-Film auf Eis gelegt hätten. „Auf Grund der unsicheren Zukunft von MGM und dem gescheiterten Versuch einen Studioverkauf abzuschließen, haben wir die Produktion von 'Bond 23' auf unbestimmte Zeit verschoben.“ Weiterhin erklärten sie: „Wir wissen nicht, wann die Produktion wieder aufgenommen wird und haben keinen Termin für den Kinostart.“
Für viele kam die Bekanntgabe des Produktionsstopps überraschend, hatten doch die beiden vorherigen Bond-Filme mit Daniel Craig rund 1,2 Milliarden US-Dollar eingespielt, ein veritables Ergebnis und mit Abstand die erfolgreichsten Bond-Filme der langjährigen Reihe. Vergangenen Sommer hatten Broccoli und Wilson noch die Drehbuchautoren für das neue Bond-Spektakel bekanntgegeben. Peter Morgan (“Frost/Nixon”), sowie Neal Purvis und Robert Wade, die bereits für die beiden Vorgänger “Casino Royale” und “Ein Quantum Trost” geschrieben hatten, wurden als Autoren gehandelt. Als Regisseur sollte Sam Mendes (“American Beauty”, “Zeiten des Aufruhrs”) verpflichtet werden – ein Deal, der vorerst nicht zu Stande kommen wird.
Filmstudio MGM: Der lange Abstieg
Metro-Goldwyn-Mayer (MGM), das Filmstudio mit markantem Löwenkopf, glänzte im Goldenen Zeitalter der Filmindustrie mit diversen Kinohits und populären Ikonen Hollywoods und galt in den 1940er Jahren als das erfolgreichste Filmstudio Nordamerikas. Aber auch in den 1950er und 60er Jahren war der Erfolg ungebrochen. Erinnert sei an dieser Stelle nur an Charlton Heston im Sandalenepos „Ben Hur“ (1959), Marlon Brando im Seeabenteuer „Meuterei auf der Bounty“ (1962) und Omar Sharif in der Literaturverfilmung „Doktor Schiwago“ (1965). Aber spätestens seit den 1970er Jahren gelang es dem Studio nicht mehr, der Konkurrenz aus dem Fernsehen und den großen Rivalen Disney, Warner Brothers und Paramount Herr zu werden. Erst in den 1990er Jahren stieg MGM im großen Stil in den Fernsehmarkt ein und etablierte sich dort vor allem mit dem erfolgreichen Science-Fiction-Franchise „Stargate“. Sinkende Zahlen auf dem DVD-Markt sowie das weitgehende Ausleiben großer Kinohits außerhalb der Bond-Reihe führte das Studio trotz aller Bemühungen in seine schwerste Krise. Nun gilt es die hohe Schuldenlast von 3,7 Milliarden Euro schnellstmöglich auszugleichen.
Ein Drehstart noch in diesem Jahr ist ungeachtet der schweren Krise nicht chancenlos. Sollte MGM nicht verkauft werden und keinen Finanzierungsplan vorlegen können, bleibt Broccoli und Wilson die Option, sich und die Bond-Serie an ein anderes Filmstudio zu verkaufen. Mag der nächste Bond-Streifen eine Weile auf sich warten lassen, dem geneigten Fan bleibt letztlich ein Quantum Trost, kann er doch die von 20th Century Fox herausgegebene DVD-Sammlung aller bisherigen Bond-Filme im Heimkino genießen.
