
- Harvard - Constance Bönsch
Im Jahre 1607 wurde die erste Kolonie auf dem Boden der heutigen USA gegründet. Die Siedler kamen aus England, wo Colleges und Universitäten einen wichtigen Teil ihres Lebens bestimmten. Somit begannen sie die selben Institutionen wie in ihrer Heimat aufzubauen.
Amerikanische Hochschulen zur Kolonialzeit
Da viele Siedler kamen, um ihre Religion frei auszuüben, verwundert es nicht, dass 1636 das erste College (Harvard) von den Puritanern gegründet wurde, um dort junge Männer zu Klerikern auszubilden. Bis 1775 wurden acht weitere kirchliche Colleges gegründet.
Nach der Unabhängigkeitserklärung 1776 und der darauf folgenden Gründung der USA verlangten die Gründer für alle Bürger mehr Bildung. In einem Kongressentscheid entschieden sich die Amerikaner dafür, dass die Bildungsentscheidungen von jedem Bundesstaat selbst getroffen werden. Damit entstand das föderalistische Bildungssystem in den USA.
Gründung neuer Colleges und Wandel zur Universität im 19. Jahrhundert
Im 19. Jahrhundert setzte eine Immigrationswelle von Europa in die neue Welt ein. Viele von diesen neuen Siedlern wanderten innerhalb der USA weiter nach Westen. Wie die Pioniere gründeten sie Städte und damit auch Colleges. Die Colleges vermehrten sich schnell. Das lag zum einen an dem starken Anwachsen der Bevölkerung und zum anderen an dem Urteil vom obersten Gerichtshof im Dartmouth College Fall von 1819, der privaten Colleges garantierte, dass sie keiner staatlichen Lenkung unterliegen. Vor diesem Urteil gab es keine Trennung in private und staatliche Colleges und alle Colleges unterlagen der staatlichen Aufsicht.
Als 1828 Andrew Jackson zum Präsidenten gewählt wurde, brach das Zeitalter des gewöhnlichen Mannes an. Die Bürger sahen nicht ein, warum sie Steuern für eine Tertiäre Bildung zahlen sollten, deren Nutznießer allein die Reichen waren. Damit stellte der Staat seine Transfers an die privaten Colleges ein.
Einen Umbruch in der Hochschulgeschichte bedeutete der im Jahre 1862 vom amerikanische Kongress verabschiedete Land-Grand Act. Mit diesem Gesetz stellte der Bund jedem Einzelstaat 12.000 Hektar Land zur Verfügung, um staatliche Colleges zu fördern. Die Staaten verkauften das Land und errichteten mit dem so gewonnenen Geld Colleges. Diese neuen Colleges verfolgten nun auch das Ziel der Forschung. Um konkurrenzfähig zu bleiben, widmeten sich auch die bereits bestehenden Colleges fortan der Forschung. Sie wandelten sich zu Universitäten. Gleichzeitig erschwerten diese neuen Universitäten die Zugangsbedingungen und führten Graduiertenprogramme ein. Bis dahin durften nur weiße Männer an einer Universität studieren.
Öffnung der Hochschulen im 19. Jahrhundert
Zur gleichen Zeit wie der Land-Grand-Act vollzog sich eine weitere Entwicklung. Von 1861 bis 1865 fanden die Sezessionskriege statt, die zur Befreiung der schwarzen Sklaven führten. Während des Krieges waren die Männer eher damit beschäftigt zu kämpfen als ein College zu besuchen. Dadurch bekamen die Colleges finanzielle Probleme. Somit ließen die meisten Colleges nun auch Frauen zum Studium zu.
Nach dem Krieg galten die Schwarzen den Weißen als gleichberechtigt. Damit konnte man ihnen nicht mehr eine Bildung versagen. Trotzdem waren sie an den weißen Institutionen nicht gern gesehen. Dadurch beschloss der Kongress einen zweiten Land-Grant Act, um separate Land-Grant Colleges für Schwarze zu gründen. Diese zeichneten sich jedoch durch weniger finanzielle Mittel und eine qualitativ niedrigere Lehre als die Colleges für Weiße aus. Trotz all dieser Veränderungen im 19. Jahrhundert sahen die Amerikaner in Collegebildung eher ein Luxusgut als eine Notwendigkeit für ihr Leben.
Mit der Wende zum 20. Jahrhundert wurde Hochschulbildung im Zuge der Urbanisierung und Industrialisierung in Amerika immer wichtiger. Dennoch nahmen lediglich 15 Prozent der Amerikaner im hochschulfähigen Alter an Collegekursen teil, da vielen die finanziellen Mittel dafür fehlten. Somit war Hochschulbildung noch immer ein elitäres Gut.
Bildung für alle – die Entwicklung seit dem Zweiten Weltkrieg
Im Jahre 1944 verabschiedete der amerikanische Kongress das Servicemen's Readjustment Gesetz (auch GI Bill of Rights genannt), in dem man Kriegsveteranen finanzielle Hilfe – auch für Hochschulbildung – zusicherte. Als der Zweite Weltkrieg ein Jahr später endete, rechnete man mit 600.000 Veteranen, die dieses Programm in Anspruch nehmen würden. Bis 1955 waren es jedoch schon 2.000.000. Viele dieser Veteranen kamen aus armen Familien, die sich zuvor nie eine Hochschulbildung hätten leisten können. Die Hochschulen stellten sich darauf ein. Sie boten Auffrischungskurse an und manche änderten sogar ihre Satzungen dahingehend, dass selbst Veteranen ohne High-School-Abschluss studieren konnten. Der Erfolg dieses Programmes zwang jeden dazu, den Zweck und die Ziele der Hochschulbildung zu überdenken. Innerhalb weniger Jahre änderten die Veteranen das Bild des typischen Collegestudenten.
Von diesem Gesetz profitierten in erster Linie weiße Männer. Frauen profitierten nicht, weil sie nicht in den Krieg gezogen waren und Schwarze nicht, weil sie meist an nicht-akkreditierten Hochschulen studierten, die durch die GI Bill of Rights ausgeschlossen wurden.
Die amerikanische Regierung hatte es sich unter Kennedy zur Aufgabe gemacht, die Rassendiskriminierung zu beenden. Sein Nachfolger Johnson setzte diese Politik fort und der Kongress erließ unter seiner Regierung 1964 das Bürgerrechtsgesetz, in dem stand, dass nur noch die Hochschulen von der GI Bill of Rights profitieren sollen, die keine Diskriminierung bezüglich der Rasse, der Religion, des Geschlechts oder der Nationalität bei der Immatrikulation vornahmen.
Daraufhin riefen die Hochschulen spezielle Pläne und Programme für Minderheiten ins Leben. Manche setzten Quoten. Gegen Quoten hat die Öffentlichkeit protestiert (auch die Minderheiten), da dies eine andere Form von Diskriminierung darstellt. Das Problem wurde gelöst, indem man vor allem darauf achtet, Programme zu kreieren, die für alle Bevölkerungsschichten zugänglich sind, so dass alle an einer Hochschulbildung teilhaben können, ohne dass Quoten gesetzt werden müssen. Heute existieren vielfach auch Stipendienprogramme der Regierung für Minderheiten.
