Stundenhotels in Brasilien

Tummelplätze für ungestörte Lust, Liebe und Leidenschaft

Man geht zum Sex ins Hotel - das ist nichts Ungewöhnliches. Es gibt Motels für jede Geldbörse, einfache und luxuriösere wie das "Love Time Hotel" in Rio de Janeiro.

Wenn es der Name nicht verrät, dann die getönten Fensterscheiben und die Zufahrt in die hauseigene Tiefgarage: Motels sind in Brasilien weit verbreitet und beliebt. Es sind Hotels, die ihre Zimmer stundenweise vermieten – und mit ihrem Konzept vor allem Prostituierte mit Freiern und Liebespärchen anziehen.

Im aktuellen Telefonbuch von Rio de Janeiro kann der Lustvolle unter 124 verschiedenen Motels entscheiden. Sie sind in der ganzen Stadt verstreut und heißen „Hotel Ibiza“, „Hotel Emoções“ (Hotel Emotionen), oder ganz niedlich: „Panda Hotel". Eingetragen sind hier freilich nur die luxuriöseren Unterkünfte, viele kleine Stundenhotels befinden sich etwa im Stadtteil Lapa. Es ist der Bezirk, der an den Wochenenden erst nach Mitternacht zum Leben erwacht. Es ist auch der Stadtteil mit der größten Dichte an Bars, Lokalen und geschlechtsreifem Jungvolk.

Bescheidene Stundenhotels in Lapa

Die Ansprüche der Jungen sind so bescheiden wir ihre Geldbörse, eigentlich reicht ein Bett. Und das ist, für ein paar Stunden, schon für 20 Reais (7 Euro) zu haben, mancherorts wahrscheinlich für noch weniger. Ein ungestörtes Stelldichein mit der neuen Flamme ist in Brasilien nicht so leicht zu arrangieren. Traditionell lebt der Nachwuchs so lange bei seiner Familie, bis er eine eigene gründet – und da können am Geburtstagskuchen schon mal mehr als 30 Kerzchen brennen.

Teure Motels bieten Diskretion und Komfort

Fünf-Sterne Hotels wie das „Itaoka“ oder Mittelklasse-Hotels wie das „Love Time Hotel“ im Stadtteil Gloria setzen auf Komfort und auf Diskretion. Denn hier steigen nicht Studenten ab sondern Touristen und betuchte Brasilianer - und die wollen in der Regel unbekannt bleiben. Das System dieser Hotels erinnert ein bisschen an den McDrive: der Fahrer fährt in die Hotel eigene Tiefgarage und stoppt dabei beim Rezeptionisten, er gibt seine Vorstellungen bezüglich Zimmer und Zeit durch, zuckt die Kreditkarte, fährt in die Tiefgarage und parkt in jener Nische des Parkplatzes, die direkt seinem Zimmer zugeordnet ist. Von dort sind es nur mehr ein paar Treppen, die in den Raum des Vergnügens führen.

Die klassische Grundausstattung: Zimmer, Badezimmer, Vorzimmer

Die Grundausstattung eines Mittelklasse-Motels umfasst in der Regel:

  • ein Zimmer mit großer (überzogener) Plastik-Matratze, mit einem Telefon und einem Fernseher mit einschlägiger Programm-Wahl, an einer Wand und an der Decke sind Spiegel angebracht
  • ein geräumiges Badezimmer mit einer Dusche und einem Waschbecken
  • ein seperates Vorzimmer.

Das Vorzimmer liegt meistens auf der gegenüberliegenden Seite des Zugangs zur Tiefgarage, eine Tür separiert das Vorzimmer vom Hauptzimmer, eine zweite führt vom Vorzimmer zum Gang. Diesen Eingang nutzt das Personal, wenn es mit Brötchen, warmen Speisen, Caipirinhas, Mineralwasser oder dergleichen knurrende Mägen bzw. trockene Münder beruhigt: Die Tabletts werden im Vorzimmer abgestellt, die Tür zum Hauptzimmer bleibt verschlossen. Jede Art der face-to-face Kommunikation ist somit überflüssig.

Der Preis des Vergnügens

Im „Love Time Hotel“ im Stadtteil Glória sind für Trieb und Lust mindestens vier, maximal zwölf Stunden vorgesehen. Abgerechnet wird im zwei Stunden Takt. Vier Stunden im einfachsten Zimmer kosten 49 Reais (19 Euro), sechs Stunden 58 (22 Euro), zwölf Stunden 80 Reais (31 Euro), Frühstück inkludiert. Wer seine Liebesspiele in einen Whirlpool verlagern möchte, der muss für vier Stunden 64 Reais (24 Euro) bezahlen. Die „Master Suite“ verfügt zudem über eine Sauna und eine Tanzfläche, alles für 135 Reais (51 Euro). Zwölf Stunden Luxus in der Mastersuite kosten 337 Reais (130 Euro).

"Love Time Hotel", Rua da Catete 63, Glória, Cep. 22211-140, Rio de Janeiro. Tel.: 2558-1911.

Gerit Gönitzer - Den Großteil meines Lebens verbrachte ich in Wien. Dort studierte ich auch Sozial- und Kulturanthropologie, Publizistik und ...

rss