Das Sommertheater um den Stresstest, der der Bahn von Heiner Geißler aufgebrummt wurde, um das Projekt Stuttgart 21 auf seine Tauglichkeit zu überprüfen, ist in vollem Gange. Derzeit ist es mehr Komödie als Tragödie, haute man sich doch gerade gegenseitig Vorwürfe um die Ohren, wer nun was zu früh preisgab, denn das offizielle Ergebnis steht noch gar nicht fest. Die Bahn hat den Stresstest, eine aufwändige Computer-Simulation, zwar beendet, doch die Bewertung liegt nicht in ihren Händen, sondern in jenen des schweizer Unternehmens SMA. Am 14. Juli soll öffentlich werden, wie die SMA den Stresstest beurteilt. Was aber ist das für ein Unternehmen?
Der Stresstest
Nachdem der ehemalige baden-württembergische Ministerpräsident Stefan Mappus Heiner Geißler als Schlichter im Streit um Stuttgart 21 vorgeschlagen hatte, wurde erst einmal diskutiert und am Ende entschieden, mittels einer Computersimulation zu testen, ob der gewünschte Bahnhof tatsächlich die behauptete Leistungsfähigkeit erreicht und in der Hauptverkehrszeit 30 Prozent mehr Züge abfertigen kann als der Kopfbahnhof. Damit war das Projekt Stresstest geboren, das die Bahn selbst durchführen und dann von einer unabhängigen Institution auf seine Richtigkeit überprüfen lassen sollte. Auserkoren wurde das schweizer Unternehmen SMA und Partner AG mit Sitz in Zürich. Dabei prüft die SMA das Testergebnis nicht nur: Den Informationen auf ihrer Website zufolge begleitete sie bereits die Konzeption des zu simulierenden Fahrplans und überwachte die von der Bahn durchgeführte Simulation. Die Bewertung und Testierung des Ganzen ist nun die dritte Stufe. Zusätzlich vergleicht die SMA den heutigen Fahrplan mit dem zu simulierenden Fahrplan durch eine Reisezeitanalyse.
Dass das Unternehmen dazu grundsätzlich befähigt ist, geht aus dem Firmenprofil hervor. Gegründet 1987, wurde es nach den Anfangsbuchstaben seiner drei Gründer Stohler, Meister, Akermann kurz und bündig SMA genannt. Nach eigenen Angaben beschäftigt die SMA mehr als 50 Ingenieure, Verkehrsplaner und IT-Experten, die Verkehrsunternehmen, hauptsächlich sind es Eisenbahnunternehmen, durch Beratungs- und Ingenieursdienstleistungen dabei helfen, den Verkehr zu optimieren. In erster Linie gelten die Mitarbeiter der AG als Experten für Taktfahrpläne, bei denen Züge immer zu bestimmten Zeiten ein- und abfahren und auch die Anschlussverbindungen darauf abgestimmt sind, wofür die IT-Spezialisten des Unternehmens inzwischen auch eine eigene Software mit Namen Viriato entwickelten, die nicht nur im eigenen Hause sondern auch von vielen Kunden angewandt wird.
Enge Kontakte zur Deutschen Bahn
Nachdem es dem Verkehrsberatungsunternehmen gelungen war, sich in der Schweiz einen Namen zu machen, wurde man auch im übrigen Europa auf die Schweizer aufmerksam, vor allem auch in Deutschland, wo sie zahlreichen Bundesländern, darunter auch Baden-Württemberg, bei der Entwicklung von Taktfahrplänen im Schienenpersonennahverkehr zur Seite standen. Die Deutsche Bahn gehört der Firmenwebsite zufolge seit 1995 ununterbrochen zu den wichtigsten Auftraggebern der SMA. Da dem Unternehmen jedoch ein guter Ruf vorauseilt, hätte es einiges zu verlieren, erstellte es eine Gefälligkeitstestierung für den langjährigen Auftraggeber. Deshalb ist der Kontext-Wochenzeitung zufolge Interimschef Werner Stohler, bald nachdem Winfried Hermann Verkehrsminister geworden war, nach Stuttgart gefahren, um Hermann zu versichern, man erstelle keine Gefälligkeitszertifizierung, sondern fühle sich dem Schlichtungsergebnis verpflichtet. Ob dieses wirklich am 14. Juli verkündet werden wird, ist allerdings neuesten Medienberichten, darunter Spiegel-online, zufolge nicht mehr so sicher.
Quellen: SMA und Partner AG, Spiegel-online, Kontext-Wochenzeitung.
