
- Unfallopfer Stefanie Jeske - Dorothea Schwabe
Der gemeinnützige Verein subvenio e.V. Unfallopfer Lobby Deutschland wurde am 14. Februar 2009 in Düsseldorf ins Leben gerufen. Bis dahin gab es keine bundesweit agierende Organisation, die sich für die Belange von unverschuldet gesundheitlich geschädigten Menschen einsetzt, denn der Weiße Ring kümmert sich nur um Opfer von Gewalttaten und dignitas nur um Verkehrsunfallopfer.
Dazwischen klafft eine Lücke, wie Vereinsgründerin Stefanie Jeske schmerzlich am eigenen Leib erfahren musste. Am 29. Dezember 2004 war die 44-jährige Webdesignerin gegen 20.30 Uhr eindeutig am falschen Ort. Wäre sie einen Meter weiter links oder rechts gestanden oder zehn Minuten später mit ihren Malteser-Mischlingen Stan und Olli Gassi gegangen, wäre ihr viel Leid erspart geblieben. So aber stand die Düsseldorferin unter einer Laterne und wurde von einem mittelgroßen Nachbarshund im Überschwang umgerannt. „Eine Haustür wurde geöffnet und schon preschte der Hund ohne Leine auf uns zu!“ erinnert sich Stefanie.
Ein unglücklicher Aufprall veränderte Stefanies Leben
Der Mischling prallte dabei so unglücklich gegen Stefanies linkes Knie, dass ihr dabei der Schienbeinkopf brach, der Außenminiskus abgerissen wurde und dadurch das Kniegelenk einbrach. „Doch das ahnte in diesem Moment noch niemand,“ erzählt Stefanie. „Ich merkte nur, dass ich bei dem Versuch, aufzustehen nicht mehr auftreten konnte.“
Alles halb so schlimm? Das war wohl die Meinung der Nachbarn, denen der Hund gehörte. Sie fingen zwar ihren Hund wieder ein, kamen aber nicht auf die Idee, Stefanie wieder aufzuhelfen. Erst als eine weitere Nachbarin es alleine nicht schaffte, packte der Nachbar mit an. Mit einem lapidaren: „Wir sind ja versichert, wenn noch etwas ist, melden Sie sich!“ verabschiedete er sich und fuhr erst einmal in den Urlaub.
Der unverschuldete Unfall und seine Folgen
Unterdessen begann für Stefanie eine Odyssee, die bis heute noch andauert. Im Krankenhaus konnte der Arzt auf dem Röntgenbild nichts erkennen und diagnostizierte eine harmlose Prellung. Doch trotz Schonen und Hochlegen wurden die Schmerzen immer schlimmer. An Silvester ging Stefanie erneut ins Krankenhaus, doch auch dieser Arzt kam zu keiner anderen Diagnose. Erst ein niedergelassener Orthopäde tippte auf einen Riss und schickt sie zum MRT.
Am 5. Januar 2005 bekam Stefanie endlich die richtige Diagnose und wurde zwei Tage später operiert. „Mir wurde ein Platte mit sieben Riesenschrauben eingesetzt und ich durfte drei Monate lang das Bein nicht belasten!“ Das Ganze ging nicht ohne Komplikationen ab. Bis heute wurde Stefanie wegen dieses Unfalls drei Mal operiert, doch noch immer hat sie Schmerzen. Nie wieder wird sie ihr linkes Bein so belasten können wie das rechte und Gutachter rechnen mit andauernden Folgeschäden. „Vermutlich brauche ich sogar schon in den nächsten Jahren ein neues Kniegelenk!“ fürchtet Stefanie.
Keiner will für die Kosten aufkommen
Unterdessen machten ihr die Hundehalter und deren Haftpflichtversicherung jeglichen finanziellen Ausgleich streitig. „Beim ersten Gerichtstermin hieß es, es hätte keine Zeugen gegeben und ich könne daher nicht beweisen, dass es der Hund war, der mich zu Fall gebracht hatte!“ Hier hatte Stefanie Glück im Unglück. Es meldete sich eine Zeugin, die am Unglücksabend alles beobachtet hatte. Stefanie konnte erneut Klage einreichen. „Leider war ich von meinem eigenen Anwalt schlecht beraten worden. Er riet zur Klage vor dem Amtsgericht, dabei ging der Streitwert längst über 5.000 Euro. Damit war das Landgericht zuständig. Die Klage wurde abgewiesen.“
Stefanie gewinnt zunächst vor dem Landgericht...
Stefanie reichte nun Klage vor dem Landgericht ein. Dort wurde ein Gutachter für Stefanie bestellt. „Doch der hatte zwei Jahre lang keine Zeit für mich! Es hieß, er leide am Burn-Out-Syndrom!“ 2008, als Stefanie wegen des unfallbedingten Verdienstausfalls und der von ihr ausgelegten Kosten bereits Schulden in fünfstelliger Höhe hatte, kam es endlich zur Verhandlung vor dem Landsgericht. „Dort wurde meine Unschuld an dem Unfall bescheinigt und mir fast alles zugesprochen, worum ich gekämpft hatte: Eine kleine Rente, um den durch die Behinderung weiter entstehenden Verdienstausfall auszugleichen und einen ausreichenden Ersatz für alle Kosten, die ich bislang hatte!“ Mit einem Schlag war Stefanie wieder schuldenfrei – wie vor ihrem Unfall.
...doch die gegnerische Versicherung geht in Berufung
Doch die gegnerische Versicherung ging in Berufung. „Es kam zu einem neuen Gerichtstermin, dieses Mal vor dem Oberlandesgericht. Mein Anwalt war denkbar schlecht vorbereitet und so verlor ich wieder alles, was mir das Landgericht zugesprochen hatte!“ Stefanie fiel in ein tiefes Loch. „Vier Jahre lang habe ich für Gerechtigkeit gekämpft und zum Schluss alles verloren!“ Ein halbes Jahr lang litt Stefanie an tiefen Depressionen. „Am schlimmsten war, wie die Nachbarn sich verhielten. Ich mache ihnen keine Vorwürfe wegen des Unfalls, aber sie hätten sich danach ja wenigstens einmal bei mir melden können – so etwas gebietet ja schon der Anstand!“
Stefanie will anderen Opfern helfen und gründet subvenio e.V.
Doch Anfang 2009 kam wieder Kraft in die attraktive Web-Designerin. Sie gründete subvenio e.V., einen Verein, der sich um unschuldige Opfer kümmert. „Das kommt aus dem Lateinischen und heißt „zu Hilfe kommen“, erklärt Stefanie. „Denn wem es so geht wie mir, der stand bislang ganz alleine da!“ Doch das soll sich jetzt mit subvenio ändern. „Wir geben Hilfestellung vom ersten Schriftsatz oder Behördengang an und vermitteln kompetente Anwälte!“ verspricht sie. „Keiner soll jemals wieder so zum Spielball von Anwälten und Versicherungen werden wie ich!“
Damit diese Menschen im Kampf um Gerechtigkeit nicht ihre Existenz verlieren, unterstützt subvenio e.V. Geschädigte auf vielfältige Weise. So werden Hilfestellungen im Umgang mit Behörden geleistet, Beratungsschecks für die kostenlose Erstberatung bei einem frei gewählten Anwalt bzw. medizinisch-psychologischen Einrichtungen ausgegeben, Begleitungen zu Gerichtsterminen angeboten und die Hilfe anderer Organisationen vermittelt. Gleichzeitig setzt sich der subvenio e.V. für die Verbesserung der rechtlichen und sozialen Situation Geschädigter und deren Angehörigen ein.
Dabei sucht Stefanie noch dringend ehrenamtliche Helfer: "Es sind alle willkommen, die ehrenamtlich Hilfe leisten wollen, egal ob Anwälte oder Hausfrauen!" sagt Stefanie. "Anfragen von Opfern gibt es jetzt schon mehr als gedacht."
