
- Das Projekt Mediabrother - Jade Hochschule Wilhelmshaven
Generell ist die Bedienung einer Suchmaschine ziemlich einfach: Suchbegriff ins Suchfeld, einmal Enter oder OK gedrückt und dann bekommen wir die gefunden Ergebnisse. Allerdings liegt dahinter Einiges mehr: die Suchergebnisse sind immer in einer bestimmten Reihenfolge angeordnet, dem sogenannten Ranking. Das liegt an einem Algorithmus – einer Berechnungsvorschrift im Skript des Programms, das der Suche zugrunde liegt. Dieser der bestimmt, nach welchen Parametern welche Seite in welcher Rangfolge angezeigt wird.
Die Frage nach der Objektivität
Wenn wir einen Suchbegriff im Internet in eine Suchmaschine eingeben, erwarten wir Ergebnisse. Aber wir erwarten nicht, dass eine solche Vorauswahl getroffen wird. Schließlich lässt sich nicht ersehen, wovon genau es abhängt, welche Einträge auf welchem Platz landen. Dann könnte man das bei seiner Suche berücksichtigen.
Nach Google selbst – nach Aussage seines Pressesprechers Stefan Keuchel – hat Google damit nicht wirklich viel zu tun: „Die Suchresultate hängen ja immer von dem Suchbegriff ab, den der Suchende in das Suchfeld eingegeben hat. Es geht aber nicht darum Meinungsbildung zu betreiben. Ein Nutzer hat ja auch die Möglichkeit sich eben Seite 70 oder 80 noch anzugucken.“
Also lassen sie sich nicht in die Karten schauen. Aus diesem Grund hat sich das Projekt Media Brother der Jade Hochschule Wilhelmshaven genauer mit der Frage befasst, wie die Suchmaschine Google Themen auf ihre Tagesordnung setzt und welche Akteure dabei auf den ersten Rängen platziert werden.
Das Projekt Media Brother - Die Studie
Studierende des Studiengangs „Medienwirtschaft und Journalismus“ haben die Lenkung von Tagesthemen durch die Google-Suche, das sogenannte Agenda-Setting, über einen Zeitraum von 30 Tagen beobachtet. Dabei wurde verfolgt, wie sich Googles Ergebnisseiten zu ausgewählten Suchbegriffen verändern.
Die Forschenden haben die sogenannte Inhaltsanalyse benutzt. Das ist eine empirische Methode zur Analyse von unterschiedlichen Formen der Berichterstattung: Also, man reduziert eine Mitteilung auf ihre zentralen Muster – in Bezug auf Inhalt und Form. Dadurch kann man herausarbeiten, wie etwas präsentiert wird und welche Wertung dahinter steckt.
Die Studierenden haben in verschiedenen Gruppen je einen Suchbegriff auf diese Fragen hin bearbeitet: Welche Personengruppen und gesellschaftlichen Akteure tauchen auf? In welchem Zusammenhang stehen sie? Und welche Ziele verfolgen sie? Zusammenfassend ging es darum, welche Seite an welcher Stelle erscheint, mit welcher Adresse, mit welchen Schlagwörtern und in Zusammenhang mit welchen Werbeträgern.
Das Projekt Media Brother - Die Studienergebnisse
Mit der Untersuchung der Begriffe „Hartz IV“, „Alice im Wunderland“, „Atomkraft“, „Guido Westerwelle“ und „Krankenkassen“ haben die Studierenden ein vielfältiges Feld abgedeckt. Da alles in Einzelanalyse betrieben wurde, gibt es kein allumfassendes Ergebnis. Das war auch nicht das Ziel des Projektes. Jedoch lässt sich für den interessierten Suchmaschinen-Nutzer Folgendes in der Gesamtbetrachtung herausarbeiten: Google betreibt – wie alle informativen Massenmedien wie beispielsweise Fernsehen und Zeitungen – eine redaktionelle Auswahl. Dies geschieht dadurch, wie der anfangs erwähnte Algorithmus gewählt wird, der für die Rankings verantwortlich ist. Der einzige Unterschied zu den sonstigen „alltäglicheren“ Massenmedien, die wir auch eher als solche wahrnehmen, ist bei Google aber nicht klar, wie genau diese Gewichtung vorgenommen wird. Also gibt es durchaus einen individuellen menschlichen Einfluss bei Google, auch wenn dies vom Konzern selbst bestritten wird – betrachtet man die Aussage des Pressesprechers.
Quelle: Jade Hochschule Wilhelmshaven, Projekt Media Brother - Projektleiter: Prof. Dr. Andreas Schelske.
