
- Google räumt unter Content-Farmen auf - Seroundtable.com
„Panda“ nennt der Suchmaschinenriese Google seinen Bannfluch, den er im Frühsommer 2011 über sämtliche großen Internetportale verhängte, die bislang ein gutes Geschäft mit billig erstelltem Content gemacht hatten: Wer sich durch das Bereitstellen beliebiger Inhalte auszeichnete, um damit möglichst hohe Klickraten und Werbeeinnahmen zu erzielen, wurde geschlachtet.
Google lässt Klickzahlen abstürzen
Hinter dem niedlichen Bärennamen verbirgt sich ein gut durchdachter Suchalgorithmus, der das Googeln im Web über Nacht nachhaltig veränderte und sofort deutlich messbare Konsequenzen zeigte. Vor allem Suite101, eine mit deutschem Mehrheitskapital betriebene Plattform mit Sitz in Kanada, erlebte durch die auch „Farmer-Update“ genannte Kriegserklärung einen unglaublichen Einbruch der Abrufzahlen und stürzte ins Bodenlose.
In Kanada und den USA wurde von Sistrix 94 Prozent Rückgang der sogenannten Google-Sichtbarkeit gemessen. Auch Europa ist inzwischen betroffen: Searchmetrics ermittelte allein für Großbritannien einen Einbruch von 95,39 Prozent beim Abruf von Suite101-Artikeln via Google. Seitdem „Panda“ seit August 2011 auch für für den deutschsprachigen Raum gilt, zittern Autoren der deutschsprachigen Suite101.de um ihre Klickergebnisse und die damit verbundenen Tantiemen, denn Google ist auch hier die führende Suchmaschine.
Zusammenbruch des Geschäftsmodells
Für die weltweit rund 5.000 aktiven Schreiber der sich selbst als „Autorennetzwerk“ bezeichnenden Plattform Suite101 bedeutet das Farmer-Update den kompletten Zusammenbruch ihres bisherigen Geschäftsmodells. Sie sind über eine bescheidene Umsatzbeteiligung an den Klickzahlen auf die Werbeeinblendungen in ihren Artikeln am Erfolg beteiligt. Diese neigt sich jetzt noch stärker als bisher in den Cent-Bereich.
Suite101-Autoren, die mit dem System ein Honorar im dreistelligen Euro-Bereich erlösen wollten, bereiteten dazu ihre Beiträge so auf, dass sie möglichst oft von Suchmaschinen gefunden und abgerufen werden. Dabei spielt das Verhalten von Google die wichtigste Rolle. Dies wiederum führte zu einer unkontrollierbaren Fließbandproduktion von bisweilen hingeschluderten Artikeln, deren teils mangelhafte Rechtschreibung von zwölf freiberuflichen Redakteuren, die sich im Extremfall dafür sogar beschimpfen lassen mussten, ausgemerzt wurden.
Unverändert: Kampf um hohe Klickzahlen
Suite101-Chefmanager Peter Berger setzt dagegen weiter auf das Klickzahlenroulette. Es gehe darum, Nischenthemen zu finden und entsprechende Inhalte zu liefern. Das Name des Spiels um hohe Klickzahlen laute „Suchmaschinenoptimierung (SEO)“, so Berger, das Schreiben von „Inhalt, den Suchmaschinen ihren Lesern anbieten möchte“.
Dazu sollen die Autoren künftig besser geschult werden. Deshalb wird seit dem 22 Juni auch jedem der rund tausend Autoren im deutschsprachigen Portal ein komplexes Suchmaschinenresultat der auf seine Beiträge treffenden Klicks serviert. Am 29. Juni 2011 wurde ein Relaunch (Neustart) der Einstiegsseiten des Portals durchgeführt, der im englischsprachigen Raum bereits Monate zuvor verwirklicht worden war. Schließlich wird rationalisiert. Chefredakteur Dirk Westphal, der Suite101.de mit großem Engagement in vierjähriger Arbeit aufbaute, warf zum Sommer 2011 das Handtuch in den Ring und schlug weithin vernehmbar die Tür zu. Ein Nachfolger wird fieberhaft gesucht. Dieser müsste gegebenenfalls dann auch die Entlassung der zwölf freien Redakteure (Kündigungsfrist: 14 Tage) exekutieren.
Spürbar: Unruhe unter Suite101-Autoren
Die Autoren von Suite101 reagieren unruhig auf die Entwicklungen. Nachdem sich einige nahezu vollständig zurückgezogen haben, diskutieren andere lebhaft im Forum des Portals, was zu tun sei. Knapp einhundert Autoren der deutschsprachigen Seite haben sich darüber hinaus inzwischen in einer geschlossenen Facebook-Gruppe zusammengetan, um ihr Vorgehen abzustimmen.
Allgemeiner Tenor ist tiefe Unzufriedenheit über die unzureichende Kommunikation zwischen Mitarbeitern und Geschäftsführung im fernen Vancouver. Einige der aktivsten Autoren denken dabei laut über einen Streik nach.
Antworten auf Googles Farmer-Update
Googles „Farmer-Update“ kann positiv als eine Leserantwort auf die McDonaldisierung des Web gesehen werden. Denn wer eine Suchmaschine bemüht, um relevante Beiträge zu finden, möchte sich nicht erst durch im Fließbandverfahren erstellte oberflächliche Aufsätze wühlen, die Suchalgorithmen übertölpelt haben, bis er endlich auf Lesenswertes stößt. Gesucht werden vielmehr hochwertige, fundierte und möglichst auf eigenem Mist gewachsene Inhalte, die unterhaltsam aufbereitet sind.
Aus dem ureigenen Bedürfnis der Leserschaft resultiert auch die einzig sinnvolle Antwort auf Googles Großreinigung: Autoren müssen auch im Web wieder zu ihren eigentlichen Stärken zurückfinden. Nur so können selbst aus zusammenbrechenden Content-Farmen Eliteunternehmen wachsen, die mit hoher Qualität gutes Geld verdienen.
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