
- Sukhoi Superjet 100 - Sukhoi Civil Aircraft
Nach der Absolvierung eines umfangreichen Testprogramms erhielt der russische Sukhoi Superjet 100 am 3. Februar in Moskau weniger als zwei Jahre nach seinem Jungfernflug die Verkehrszulassung durch die russische Luftfahrtbehörde. Noch in diesem Jahr soll auch die Zulassung der europäischen Luftfahrtbehörde EASA folgen. Damit wird das neue russische Regionalflugzeug auch an europäischen Flughäfen zukünftig zu sehen sein.
Der Sukhoi Superjet 100 absolvierte ein umfangreiches Testprogramm
Um die strengen Auflagen der us-amerikanischen, europäischen und russischen Luftfahrtbehörden zu erreichen, durchliefen insgesamt sechs Prototypen in den vergangenen Jahren ein umfangreiches Testprogramm, darunter alleine etwa 200 strukturelle Festigkeits- und Ermüdungstests. Zwei Prototypen standen dabei ausschließlich für simulierte Belastungstests zur Verfügung, vier Prototypen sammelten insgesamt über 2.500 Flugstunden auf mehr als 1.000 Flügen in Russland, den GUS-Staaten und Europa. Auch Piloten der EASA nahmen an den Testflügen teil.
Ein Teil des Testprogramms wurde in Italien unter Mitwirkung von Alenia Aeronautica absolviert, die etwa zu einem Viertel an dem Flugzeugprojekt beteiligt ist. Bei den Tests in Italien wurden vor allem die Funktionsweise von Bordsystemen und Elektronik überprüft und den geforderten Standards gemäß eingestellt.
Mit dem Superjet 100 greift Sukhoi auf dem Markt für Regionaljets ein
Der Sukhoi Superjet 100 ist eines von mehreren in den letzten Jahren angestrengten Flugzeugprojekten, die auf dem lukrativen Markt für Regionaljets den etablierten Herstellern Konkurrenz machen wollen. Nun ist mit der Verkehrszulassung ein großer letzter Schritt erreicht worden, den die anderen Hersteller noch vor sich haben. Neben Sukhoi entwickeln derzeit auch der japanische Mitsubishi-Konzern, die chinesische COMAC und das ebenfalls russische Konsortium Irkut Regionalflugzeuge für bis zu 100 Passagiere.
Angegriffen werden hier vor allem der kanadische Flugzeughersteller Bombardier und der brasilianische Embraer-Konzern, die in diesem Flugzeug-Segment bereits seit Jahren etabliert sind. Aber auch Airbus gehört vor allem mit den kleinen A320-Ausführungen A318 und A319 zu den direkten Konkurrenten.
Der Sukhoi Superjet 100 soll durch Komfort, Technik und Umweltverträglichkeit überzeugen
Punkten möchte der Sukhoi Superjet 100 vor allem durch innovative Technik, mehr Passagierkomfort und große Umweltverträglichkeit – eine neben der Wirtschaftlichkeit immer mehr geforderte Eigenschaft. Von Beginn an war der Superjet deswegen mit einem deutlich breiteren Rumpf konzipiert, wodurch vor allem mehr Platz in der Kabine erreicht werden konnte. Neben den geringeren Anschaffungskosten soll der Superjet 100 zudem nach Herstellerangaben bis zu 8% geringere Betriebskosten als der Embraer 195 verursachen.
Wie zu erwarten wird die erste Maschine in diesem Jahr an Aeroflot ausgeliefert. Neben zahlreichen russischen und asiatischen Interessenten sind auch aus Europa erste Bestellungen eingegangen, unter anderem von der ungarischen Fluggesellschaft Malev.
Viele Nationen sind am Sukhoi Superjet 100 beteiligt
Entwickelt und hergestellt wird der Sukhoi Superjet 100 von Sukhoi Civil Aircraft, einem Ableger der russischen Sukhoi Holding, die einen Anteil von knapp 75% hält. Die restlichen 25% (plus eine Aktie) gehören der italienischen Alenia Aeronautica, die auch an der Entwicklung der ATR beteiligt ist und in diesem Rahmen vor allem über Kompetenzen im weltweiten Bereitstellen von Kundenlösungen verfügt.
Darüber hinaus ist vor allem die Beteiligung von Boeing im Vermarktungs- und Beratungsbereich ein spektakulärer Erfolg für Sukhoi. Bedingung für die erfahrene us-amerikanische Unterstützung ist allerdings eine Vereinbarung, die wesentlich größere Versionen des Superjets ausschließt, damit dieser nicht in Konkurrenz zu den kleinen Boeing 737-Modellen tritt. Auch französische Unternehmen leisten ihren Anteil: Die Triebwerke werden von dem französischen Konsortium Snecma hergestellt und die Thales Group entwickelt die Cockpit- und Softwaresysteme. Auch in Deutschland werden teile der belüftung und Steuerungssysteme hergestellt. So ist durchaus zu erwarten, dass dieses russisch-internationale Projekt zu einem weltweiten Erfolg wird.
Fotonachweis: Sukhoi Civil Aircraft
