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Summen der Bienen bald für immer verstummt?

Bienen finden nicht mehr genug Blüten - Foto: Thueringen.de
Bienen finden nicht mehr genug Blüten - Foto: Thueringen.de
Ein mysteriöser Kollaps von Bienenvölkern wird nach Berichten des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (UNEP) zu einem Problem für die Landwirtschaft.

Der katastrophale Rückgang an Bienenvölkern – ein wichtiger Vermehrungsfaktor in der Nahrungsgüterproduktion für die ständig wachsende Weltbevölkerung – droht sich weiter fortzusetzen. Laut einer am 10. März 2011 veröffentlichten Untersuchung des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (UNEP) kann diesen Trend nur ein entscheidendes Umdenken der Menschen, angefangen bei der Verwendung von Schädlingsbekämpfungsmitteln bis zur Luftverschmutzung, stoppen.

“Die Art und Weise wie die Menschheit mit ihren natürlichen Reichtümern – einschließlich der Bestäuber - haushaltet oder diese verschwendet, wird zum Teil unsere gemeinsame Zukunft im 21. Jahrhundert bestimmen”, sagte der UNEP-Exekutivdirektor Achim Steiner.

Unabhängig von der Natur existieren zu können, bleibt eine fatale Illusion

Bienenvölker gehen jedoch derzeit in vielen Teilen der Welt zugrunde und der UNO-Bericht mit dem Titel „Globale Funktionsstörungen und andere Bedrohungen für bestäubende Insekten“ nennt mehr als ein Dutzend vom Menschen verursachte Gründe dafür. Diese reichen vom Rückgang blühender Pflanzen und der Anwendung desorientierender Insektizide über die weltweite Verbreitung von Schädlingen bis zur Luftverunreinigung. Die Autoren drängen darauf, dass den Bauern Anreize geboten werden, wieder Bestäuber-freundliche Anbaumethoden einzuführen wie etwa Streifen von Blütenpflanzen in der Nähe von Getreideanbauflächen.

“Die Menschen haben sich in die Illusion verstiegen, dass sie im 21. Jahrhundert das technologische Können besitzen, unabhängig von der Natur zu existieren. Die Bienen rufen uns jedoch auf den Boden der Realität zurück, dass wir in einer Welt mit fast sieben Milliarden Bewohnern mehr als je zuvor von den Diensten der Natur abhängen“, betont Steiner und drängt darauf, die von der Umwelt gespendeten, oft unsichtbaren Multitrillionen-Dollar Schätze stets einzukalkulieren.

Mehr als ein Dutzend vom Menschen verschuldete Gründe für Bienensterben

In einer Aufzählung der Gefahrenfaktoren machen die Autoren der UNEP-Untersuchung darauf aufmerksam, dass sich jetzt extrem ansteckende Pilzerreger, die für Bienen und andere bestäubende Insekten tödlich sein können, weltweit ausbreiten. Sie gelangen mit Transporten im Rahmen des durch die Globalisierung wachsenden Handels von einem Erdteil zum anderen.

Gleichzeitig könnte mit über 20.000 Blütenpflanzenarten die Nahrungsgrundlage für viele Bienensorten in den nächsten Dekaden verloren gehen, wenn nicht größere Anstrengungen zu deren Konservierung unternommen werden. Eine englisch-niederländische Studie fand beispielsweise heraus, dass seit den 1980er Jahren die Vorkommen an bekannten Wildblütlern wie Minze, Schmetterlingsblütler und mehrjährige Kräuter zu 70 Prozent verschwunden sind.

Chemische Ertrags-Keulen steigern Risiko für Bienen 1000-fach

Parallel dazu stellte man fest, dass der zunehmende Einsatz von Chemikalien in der Landwirtschaft den Bienenvölkern schadet, indem er deren Immunsystem schwächt. So haben Laborversuche die Auswirkungen einer kombinierten Anwendung von Insekten- und Pilzbekämpfungsmitteln nachgewiesen, die 1000-fach giftiger für Bienen sein kann als für andere Insektenarten.

Auch beeinträchtigen diese Agrochemikalien den Orientierungssinn, das Erinnerungsvermögen und den Gehirnstoffwechsel der Tiere. Unkraut- und Schädlingsbekämpfungsmittel wiederum können die Verfügbarkeit von Pflanzen reduzieren, die für die Ernährung und das Larvenstadium einiger Bestäuber nötig sind.

Ebenso schmälert die Luftverschmutzung die Fähigkeit von Bienen, blühende Pflanzen zu finden, deren Duftstoffe vor 200 Jahren noch 800 Meter weit reichten, aber heute lediglich noch aus einem Viertel dieser Distanz von den Insekten wahrgenommen werden. Hinzu kommen die elektromagnetischen Felder von Überlandleitungen, die das Verhalten von Bienen verändern, weil diese winzige Hinterleibs-Kristalle besitzen, die Blei enthalten.

„Killerbienen“ als Bedrohung für die eigenen Verwandten

Eine weitere Gefahrenquelle für die Honigbienen sind Parasiten wie die Varroamilbe oder der kleine Bienenstockkäfer, die Honigwaben, gelagerten Honig und Pollen verderben. Ursprünglich heimisch im Afrika südlich der Sahara, haben sich diese Schädlinge in Nordamerika und Australien verbreitet und werden auch in Europa erwartet.

Nicht zuletzt könnten Bienen auch unter der Auseinandersetzung mit eingeschleppten Arten wie der afrikanisierten Biene in den USA und der asiatischen Hornisse leiden, die sich von europäischen Honigbienen ernähren. So haben etwa die Hornissen seit 2004 bereits halb Frankreich kolonisiert.

Über all dem schwebt wie ein Damoklesschwert auch noch der Klimawandel. Wenn auf diesen nicht eingewirkt wird, dann kann sich die Situation für die Bienen weiter verschärfen. Möglich sind veränderte Blütezeiten oder wechselnde Niederschläge, die wiederum negative Auswirkungen auf Menge und Qualität des Nektars haben.

Alarmierende Verluste an Bienenvölkern betreffen alle Kontinente

Der Niedergang der in Europa beaufsichtigten Bienenvölker reicht in die Mitte der 1960er Jahre zurück und hat sich seit 1998 besonders in Belgien, Frankreich, Deutschland, Italien, Holland, Spanien und Großbritannien beschleunigt.

In Nordamerika haben die Verluste der Bienenkolonien seit 2004 den Kontinent mit der geringsten Zahl an bewirtschafteten Beständen von Bestäubern seit 50 Jahren konfrontiert. Auch chinesische und japanische Bienenzüchter beklagten kürzlich unerklärliche und komplexe Symptome des Artensterbens.

Auch in Afrika haben ägyptische Züchter entlang des Nils von zunehmenden Zeichen kollabierender Bienenvölker berichtet, wobei es derzeit keine weiteren derartigen Beobachtungen aus anderen Teilen des Kontinents gibt.

Rio+20 Konferenz bietet Anlass, erneut über Wert der Natur nachzudenken

Gegenwärtig bereitet sich die Welt auf Rio+20 im Jahr 2012 vor, ein Treffen im brasilianischen Rio de Janeiro, das den 20. Jahrestag des bahnbrechenden globalen Rio Umweltgipfels markiert und danach strebt, die internationalen Anstrengungen für eine grüne Wirtschaft und nachhaltige Entwicklung zu forcieren. UNEP-Chef Steiner rief daher zum Investment und Re-Investment in natürliche Ressourcen von Wäldern über Trinkwasserquellen bis zu Blütenwiesen und Korallenriffen auf.

“Rio+20 ist eine Gelegenheit“, so sagte er, „über die enge Definition von Reichtum hinwegzukommen und die unsichtbaren Multitrillionen-Dollar Schätze der Natur – einschließlich Bestäubung durch Bienen oder andere Insekten - auf nationaler und globaler Ebene zu berücksichtigen“. Dazu kann auch jeder Naturfreund durch Schaffung eines bienenfreundlichen Gartens beitragen.

Der Autor an der UNO-Mission in Sierra Leone, Foto: UNIOSIL

Christian Holger Strohmann - Mehr als 20 Jahre lang habe ich für die Vereinten Nationen (United Nations Organisation - UNO) auf allen Kontinenten als Journalist, ...

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