
- Super Mario in a Box (Teague-Lab) - Teague-Lab
Fast dreißig Jahre ist es her, da wurde ein kleiner, schnauzbärtiger Klempner in blauer Latzhose zum Weltstar auf der Mattscheibe. Zumindest, wenn an den Fernseher eine Videospielkonsole angeschlossen war. Mit „Mario Bros.“ schuf Nintendo die bislang erfolgreichste Spielfigur der Welt. Zugleich begründete der japanische Konzern damit das Jump and Run-Genre. Die grafisch aufgepeppte Nachfolgeversion „Super Mario“ brachte eine weitere Neuerung ins Rollen – das sogenannte Side-Scrolling. Der Bildschirminhalt wanderte im Spielverlauf von rechts nach links, während der Held über Hindernisse sprang und Punkte sammelte.
Für das Scrolling sorgt ein Servomotor
Genau dasselbe Prinzip haben jetzt auch die Hightech-Bastler vom Teague-Lab aus Seattle beherzigt. Mit einem wichtigen Unterschied allerdings: der Bildschirm ihrer „Super Mario“-Adaption ist aus Papier. Für das „Scrolling“ sorgt ein kleiner Elektromotor, der über zwei Rollen eine Endlosschleife zum Laufen bringt. Auch Super Mario selbst ist ein Pappkamerad. Mit einem kleinen Servo-Arm wird er auf und ab bewegt und kann so den Hindernissen ausweichen. Akustisch begleitet wird der analoge Spaß durch die originale Düdelmusik aus einem kleinen Lautsprecher. Hat man das Ende eines Levels erreicht, geht alles wieder von vorne los – nur dreht sich die Endlosschleife etwas schneller. Stellen die magnetischen Sensoren im Hintergrund dagegen eine Kollision fest, heißt es „Game Over“. Allerdings auf altmodisch-mechanische Weise. Ein weiterer Servomotor schließt ganz einfach den Deckel des Super Mario-Kartons.
Pappe, Klebestreifen, Teagueduino-Chip
Hundert Prozent analog ist das, was da vom findigen Industriedesigner-Team um Adam Kumpf zusammengebaut wurde, natürlich nicht. Sondern eher eine hybride Mischung aus bunter Pappe, Klebestreifen, Strohhalmen und durchaus aktueller Chip-Technologie. Im Innersten des kartonierten Gadgets schaltet und waltet der vom Teague-Lab entwickelte „Teagueduino“, eine einfach zu programmierende Open Source-Hardware-Plattform, benannt nach dem quelloffenen Arduino-Standard. Über simple Steckkontakte können Sensoren, Schalter, Leuchtdioden oder kleine Motoren angeschlossen werden – sozusagen Fischertechnik für das 21. Jahrhundert. Über eine leicht verständliche Skript-Sprache kann man via Laptop oder Desktop die einzelnen Input- und Output-Elemente miteinander verknüpfen.
Super Mario als Machbarkeitsstudie
Die Super Mario-Box ist letztlich nur eine besonders gut gelungene Machbarkeitsstudie, die das Potential von Teagueduino zeigen soll. Möglich sind auch ganz andere Basteleien, ob lichtgesteuerte Wecker, temperatursensible Beleuchtungsanlagen, digitale Echtzeit-Wasseruhren etc. Ein normales Teagueduino-Kit zum Preis von derzeit 160 Dollar enthält neben der Steuerungseinheit bereits eine Anzahl von Kabeln, Schaltelementen, Lasern, magnetischen Feldsensoren und Servomotoren. Bastelanleitungen sowie Programmskripte sind kostenlos im Netz erhältlich.
Per Crowdfunding zum nächsten Level
Kaufen kann man Teagueduino zwar noch nicht, vorbestellen aber schon. Zur Finanzierung des Projekts setzen die Macher nämlich auf ein Pre-Order-Modell, das seit einigen Wochen auf der amerikanischen Crowdfunding-Plattform Kickstarter läuft. Das Spendenziel betrug satte 22.000 Dollar. Mit Super Mario als Maskottchen konnte dieses monetäre Hindernis aber spielend überwunden werden. Mittlerweile haben die Open-Hardware-Bastler aus Seattle bereits mehr als das Doppelte eingesammelt.
