Surrogates – Bruce Willis bekämpft Verschwörer

John Mostows ("Terminator 3") SF-Streifen mit Total-Recall-Anleihen

"Total Recall" und "Blade Runner" standen für John Mostows SF-Film sichtlich Pate: In "Surrogates" deckt Bruce Willis eine Verschwörung gegen Besitzer von Avataren auf.

Die Verfilmung des fünfbändigen Comics „The Surrogates“ von Robert Venditti und Brett Weldele erweist sich selber als Surrogat. Deutliche Anleihen bei den Science-Fiction-Meisterwerken „Blade Runner“ und „Total Recall“ können nicht über die mehr als dürftige und zudem gänzlich spannungsfreie Handlung hinwegtäuschen.

Regisseur John Mostow kann wie schon bei dem kommerziell erfolgreichen, von der Kritik aber völlig verrissenen „Terminator 3 – Rebellion der Maschinen“ nicht überzeugen. Dabei waren alle Zutaten vorhanden, um aus der fesselnden Comicvorlage einen nicht minder packenden SF-Thriller mit sozialkritischen Untertönen zu formen.

„Surrogates“: Schöne neue Scheinwelt

In nicht allzu ferner Zukunft haben es die Menschen nicht mehr nötig, ihre Wohnungen zu verlassen. Dank künstlicher Nachbildungen, den Surrogaten, können sie sämtliche Aufgaben des Alltags via Online-Fernsteuerung wahrnehmen. Verbrechen sind in dieser schönen neuen Scheinwelt praktisch unbekannt, weshalb der Mord an Jarod (James Ginty), dem Sohn des Erfinders und Entwicklers der Surrogate Lionel Canter (James Cromwell) für Aufsehen sorgt. Eine neuartige Waffe ist offenbar in der Lage, nicht nur das Surrogat zu zerstören, sondern den mit ihm online verbundenen Besitzer zu töten.

Die FBI-Agenten Greer (Bruce Willis) und Peters (Radha Mitchell) werden auf den Fall angesetzt und verfolgen schon bald eine heiße Spur zum Attentäter Strickland (Jack Noseworthy). Dieser flüchtet in eine ausschließlich von Menschen besiedelte Zone, in der Surrogaten der Zutritt nicht gestattet ist. Greer missachtet die Regeln und bezahlt einen hohen Preis: Sein Avatar wird zerstört, er selber erleidet Verletzungen und wird zu allem Überfluss vom Dienst suspendiert. Doch auch ohne Surrogat gibt er nicht auf und stellt Nachforschungen an. Diese deuten auf eine Verschwörung gigantischen Ausmaßes hin, die die Menschheit gefährden könnte …

„Avatar“ Light

Auch wenn es nur eine zufällige thematische Überschneidung war: Wenige Wochen ehe James Camerons Blockbuster „Avatar“ die Kinos im Sturm eroberte, erblickte mit „The Surrogates“ (so der Originaltitel) ein weiterer Streifen das glorreiche Licht der Leinwand, in dessen Mittelpunkt der Konflikt zwischen „Avataren“ und Menschen stand. Freilich: Während sich „Avatar“ zum überwältigenden Megahit entwickelte, floppte das Bruce-Willis-Vehikel an den US-Kinokassen gnadenlos.

Der Gründe hierfür gibt es mehrere. Zum einen wurden mit den Trailern Erwartungen geweckt, die schon angesichts der Lauflänge von nicht einmal 90 Minuten einfach nicht erfüllt werden konnten. Zum anderen wirkt der Science-Fiction-Streifen uninspiriert, wirft viel zu viele Handlungsstränge auf, die letztendlich kaum oder gar nicht verwoben werden, und hinterlässt den Zuschauer eher ratlos.

Mostow scheitert wie schon bei „Terminator 3“ im großen Stil

Die Schuld für das Zelluloid-Desaster muss wohl erneut bei Regisseur John Mostow gesucht werden. Dabei begann dessen Filmkarriere 1997 viel versprechend: „Breakdown“ mit Kurt Russell in der Hauptrolle war ein kleiner, fieser Thriller, der enormes Potenzial hinter Mostow andeutete. Doch sowohl der historische Fakten verdrehende Weltkriegsthriller „U-571“, als auch der von Millionen Fans heiß ersehnte dritte Teil der „Terminator“-Reihe erwiesen sich als Enttäuschungen.

„Surrogates“ bildet in Mostows Negativbilanz keine Ausnahme. Im Gegenteil: Wie bei „Terminator 3 – Rebellion der Maschinen“ scheitert er im großen Stil. Trotz eines üppigen Budgets von 80 Millionen Dollar erinnert die Optik des Filmes durchgehend an TV-Formate. Da helfen auch ständige Anleihen bei Ridley Scotts legendärem „Blade Runner“ wenig.

Zu viel gewollt ist auch vorbei

Dem Zuschauer ergeht es ähnlich Bruce Willis, der meist mit ratloser Mimik durch die ganz und gar nicht futuristische Welt stakst. Die überraschend wenigen Actionszenen erhöhen die Spannung nicht im Geringsten und erschöpfen sich meist in unspektakulären Autoverfolgungsjagden, die im 21. Jahrhundert niemanden mehr vom Hocker, respektive Kinostuhl reißen.

Die Ansätze zu einem mitreißenden SF-Thriller blitzen zwar auf – traumatische Vergangenheit des Protagonisten, der Hass einiger Menschen auf die Avatare, moralische Fragen rund um die Technologisierung, etc. –, doch wird ihnen nicht der nötige Raum zur Entfaltung eingeräumt. Stakkatoartig werden durchaus interessante Gedankengänge oder Problematiken im Umgang mit Technik gestreift und wenige Minuten später wieder komplett fallen gelassen.

Keine Konkurrenz für „Total Recall“

Wer sich von „Surrogates“ einen sowohl actiongeladenen, als auch nachdenklich stimmenden Unterhaltungsfilm im Stile von „Total Recall“ erhoffte, wird gnadenlos enttäuscht. Schon nach wenigen Minuten schleichen sich ob der geradlinigen Inszenierung Langeweile und die Frage ein, ob John Mostow den Streifen einfach nur rasch hinter sich bringen wollte oder schlichtweg außerstande war, aus der grandiosen Vorlage einen halbwegs genießbaren Film herauszuholen.

Fazit nach nicht einmal 90 Minuten: „Surrogates“ stellt nicht nur den bisherigen Tiefpunkt in Mostows Regiekarriere dar, sondern zudem die erste ganz große Enttäuschung des Filmjahres 2010. Vor dem nächsten Film des US-Amerikaners darf man sich wohl jetzt schon fürchten …

Originaltitel: „The Surrogates“

Regie: John Mostow

Produktionsland und -jahr: USA, 2009

Filmlänge: ca. 88 Minuten

Verleih: Walt Disney

Deutscher Kinostart: 21.01.2010

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