Susan Wiggs ist bekannt für ihre anrührenden Liebesromane. Doch der vierte Band der Lakeshore Serie rund um das Camp Kioga und die Stadt Avalon ist anderes. Denn obwohl das Buch als Liebesroman eingeordnet wird, und auch eine Liebesgeschichte enthält, so liegt der eigentliche Focus nicht auf den Liebenden, sondern der Lebensgeschichte eines totkranken Manns.

„Sommer unseres Lebens“ – eine Geschichte über Abschied und Neuanfang.

Wieder wird der Leser ins Camp Kioga in den Norden des Staates New York entführt. George Bellamy zieht sich in den Resort zurück, nachdem er alle Behandlungen und lebensverlängernden Maßnahmen abgebrochen hat. Er will den Rest seines Lebens genießen und will sich nicht mehr mit Krankenhausbesuchen und Aufenthalten belasten. Im Camp Kioga möchte er sich mit seinem Bruder Charles versöhnen. Seit Jahrzehnten hatten die beiden Brüder keinen Kontakt mehr. Gleichzeitig möchte Georges seine Familie dort um sich versammeln, wo er selbst vor vielen Jahren glückliche und scherzvolle Stunden erlebt hat, und so die beiden Familienzweige wieder vereinen.

Doch Georges Entschluss, alle Behandlungen abzubrechen, stößt auf Widerstand in der Familie. Sein Enkel Ross, dem der Großvater nach dem Tod seines Vater immer sehr nahe stand, soll ihn zur Vernunft bringen und dafür sorgen, dass die private Krankenschwester Claire gekündigt wird. Doch prompt verfällt ihrem Charme, aber Claire ist auf der Flucht und nicht bereit, eine Bindung einzugehen.

„Sommer unseres Lebens“ ist anders als die Vorgänger

Leser, die die ersten Bände der Avalon-Reihe gelesen haben, erwarten eine Fortsetzung à la Lakeshore Chronicles, also eine romantische Love Story inmitten einer atemberaubenden Landschaft. Doch diesmal spielt das Liebespaar nur eine Nebenrolle. „Sommer unseres Lebens“ hat George und sein Leben, das in Rückblenden erzählt wird, als Thema. Er erlebt diesen letzten Sommer mit allen Sinnen, ganz intensiv und erfüllt sich die letzten Wünsche. Einer ist, das Ross eine Frau wie Claire findet.

Die Geschichte und das Leben Georges Bellamys fesseln den Leser an die Seiten. Susan Wiggs vermittelt das ernste Thema vom langsamen Tod feinfühlig, mit Humor und mit einem Schuss Melancholie. Wie bei den Vorgängerbänden kann man hier auch sagen: Ende gut, alles gut. Denn letztendlich führt alles zum Guten – eine Botschaft, die Menschen am Lebensabend sicher brauchen.

Ein positives und sensibles Buch, in dem Susan Wiggs wieder auf Höchstform ausläuft – allerdings in einer etwas anderen Kategorie, und das beweist, dass sie als Autorin ihr Handwerk versteht.

Susan Wiggs: Sommer unseres Lebens. Broschiert 432 Seiten. Mira- Taschenbuch 2012, 8,99€