
- Suse Jank - Claudia Zundel
Mehr als 20 Jahre nach dem Fall der Berliner Mauer gründeten die Ost-Berliner Sängerin, Suse Jank und der West-Berliner Jazzpianist, Clemens Süssenbach eine neue Band "Ostpoesie". Kompositionen von ehemaligen DDR-Musikern und Bands wie Silly, Klaus Renft Combo, Manfred Krug oder Veronika Fischer begannen sie neu zu auszulegen. Die beiden Musiker wiederholen nicht etwa das Alte. Ganz im Gegenteil: sie kreieren die Musik aus eigener, charmanter Perspektive mit viel Witz und Humor neu. Durch die intime Darstellung der poetischen Texte und Melodien präsentiert das Duo ihre verjazzte Popmusik in verführerischer Schnörkellosigkeit und Direktheit. Eine neue künstlerische Ausdrucksform.
Die 27-Jährige ist in Ost-Berlin geboren, noch nach dem Fall der Mauer ließen ihre Eltern im Wohnzimmer DDR-Schlager laufen – von Bands und Künstlern wie Veronika Fischer, Silly, Lift oder eben Petra Zieger. Suse Jank will den alten Songs neues Leben einhauchen: „Ostpoesie“ heißt ihr Projekt, das sie gemeinsam mit ihrem Pianisten und Arrangeur Clemens Süssenbach vorantreibt.
Clemens Süssenbach, in Zehlendorf aufgewachsen – in den 90ern noch mit eigener Band, dem "Clemens Süßenbach Quartett", im Quasimodo und A-Trane bekannt – hatte bisher wie beinahe alle Westberliner jener Generation, wenig Interesse an der Musik aus dem Osten. Immerhin von der Band "City", hatte er schon gehört, bevor er mit Suse Jank auf Songsuche ging. Auch City-Lieder interpretiert das Duo neu, dazu haben sie Kompositionen von Manfred Krug und Renft im Repertoire. Suse Jank, die in Berlin und Weimar Schulmusik mit den Schwerpunkten Gesang, Klavier und Schlagzeug studiert hat findet die Lieder wünderschön, das mit ostalgischen Gefühlen ihr Projekt nichts zu tun habe.
Besonders für Clemens Süssenbach war es ein Abenteuer, die unbekannten Songs zu entdecken und sich anzueignen. Einige brachte Jank von zu Hause mit, andere holten sie aus dem Archiv für DDR-Rockgeschichte der Universität Potsdam, das von Birgit Jank, Mutter der Sängerin und Musikprofessorin, angelegt wurde. So hörten sie sich gemeinsam durch die gesamte Rock- und Pop-Geschichte der DDR. Suse Jank legte bei der Song-Auswahl viel Wert auf die Texte: z.B. von Manfred Krug. Da heißt es etwa: „Wachst du endlich auf, seh ich in die Tiefe deiner Augen, und mir ist, als riefe es wie Gesang von Glück und Seeligkeit zu mir herauf.“
Von Anfang an legten sie großen Wert darauf, die alten Songs ins Heute zu transportieren und ihre eigenen Interpretationen der Lieder in den Mittelpunkt zu rücken. »Wir versuchen, uns einen eigenen Sound aufzubauen, die eigene Identität spielt eine ganz entscheidende Rolle«, so die 25-Jährige, die Musik in Weimar und Berlin studierte.
Die Bühne hat den Charme eines gutbürgerlichen Wohnzimmers. Doch wenn Suse Jank diese betritt, startet eine emotionale Traumreise. Ganz bezaubernd swingt und philosophiert die Berlinerin - kein Thema zu weich, kein Text zu seicht. Suse findet mit ihrem Improvisationstalent stets den richtigen Ton. So schickte sie den geneigten Zuhörer im Landgasthof zu Schlepzig auch gestern Abend in ihr persönliches Kopfkino mit Wohlfühl-Garantie. Poetisch beschwingt und federleicht summte sie sich durch die Jazz-Pop-Nummern ihres aktuellen Albums "SUSE JANK & BAND: OSTPOESIE". Zusammen mit ihren fünf gut gekleideten Begleitern – schwedischer, italienischer und armenischer Herkunft - von "Ostpoesie" gaben sie einem für den Moment das Gefühl von Freiheit und Sorglosigkeit.
Alle Plätze waren besetzt – doch selbst im Stand lauschen zu dürfen, wurde von den Gästen gerne in Kauf genomen.
Man merkt, sie wollen neue musikalische Wege und Erprobungen im Hier und Heute überliefern. Mit modernen Stilmitteln des Jazz, Folk und Pop gelingen der jungen, kurz vor dem Fall der Mauer geborenen Sängerin und dem Jazzpianisten, der zu jener Zeit im Alter Suses war, eine Reinkarnation des Ost-Rocks als stimmungsvolle romantische, aktuelle Jazz- und Popmusik.
Durch die intime Darstellung der poetischen Texte und Melodien präsentierte das Duo ihre Musik in bezaubernder Einfachheit und Unmittelbarkeit.
Eine junge Künstlerin aus der Jazzecke führt bei Weitem mit "Ostpoesie light" den deutschen PopJazz an. Suse Jank, 27, die "Jazzpop-Prinzessin", betört mit Songs, die uns unwiderstehlich ins Ohr flüstern. Der sinnliche Jazzpop ist die schönste Gegenbewegung zu den gecasteten "Superstars".
Und so war jede Minute des zweistündigen Konzerts von einem feinen Sound durchsetzt, der – ohne zu übertreiben – in die Spitzenliga heutiger Jazz-Popmusik gehört. So überraschte es nicht, dass das Publikum gebannt horchend, am Ende des Konzerts in der vollbesetzten Spreewaldbrauerei Schlepzig leidenschaftlich applaudierte.
Einem der ersten vereinigten Musikprojekte der Nachwendegeneration so hautnah zu spüren, versetzte selbst eine lauschende West-Berlinerin in einen Rauschzustand.
