Sylt im 15. Jahrhundert und zu Zeiten des Reichspräsidenten

Friesenflagge mit Wappentier - scapaflow
Friesenflagge mit Wappentier - scapaflow
Sylt heute kennen wohl viele. Doch wie sah die friesische Insel früher aus, zu Zeiten der Inselbahn und dem Bau des Hindenburgdamms?

Sylt - woher die „Perle“ unter den nordfriesischen Inseln ihren Namen hat, ist nicht ganz klar definiert. Ob es nun vom friesischen Wort „Sööl“ abstammt, welches soviel wie Sohle bedeutet, dem „Siland“, was wörtlich übersetzt Seeland heißt oder ob es doch höchstwahrscheinlich von dem dänischen Hering „silt“ stammt, welcher das Wappentier der Friesischen Flagge darstellt - daran differenzieren sich hierüber die Meinungen.

Da ab dem 15. Jahrhundert vor Sylt ein großes Fischvorkommen des Herings verzeichnet wurde, erlebte die Insel schnell einen enormen wirtschaftlichen Aufschwung. Zu dieser Zeit kannte man noch keine modernisierten Fischkutter, denn mit den meist seeuntauglichen Booten verzeichneten viele Friesenfamilien Opfer von Stürmen und haushohen Wellen. Und selbst beim Wal- und Robbenfang kamen viele Seeleute ums Leben.

Traditionelles Biikebrennen ist ein alter Brauch der Friesen

Immer wenn das alte Jahr vorüber ging und der Frühling auch auf Sylt einkehren wollte, luden die Friesen zu einer alte Tradition: Das Biikebrennen, welches in der winterlichen Zeit am Abend des 21. Februars seit frühester Zeit stattfand. Der jeweilige Bürgermeister hält zur Begrüßung eine friesische Ansprache und gemeinsam stimmen die Gemeinde, sowie Gäste und Besucher das Friesenlied „Üüs Söl´ring Lön“ an. Heutzutage werden meist eher all die von der Freiwilligen Feuerwehr eingesammelten Tannenbäume des vergangenen Weihnachtsfestes zu einem großen Haufen zusammengetragen, doch damals sah dies noch etwas anders aus. Stroh und Strandgut wurden gesammelt und somit konnte das namensgebende „Baken-Feuerzeichen“, die Biike, angezündet werden und man erlaubte den letzten Schulklassen das Rauchen. Ein mittig platzierter Pfahl, der obenauf eine mit Teer gefüllte Tonne trug, sollte den Winter symbolisieren. Neuzeitlich wurde die Teertonne durch eine Strohpuppe ersetzt, die jedes Jahr nun von den Sylter Schulkindern gestaltet wird. Da am nächsten Tag, dem „Petri-Tag“, schulfrei ist, wird die ganze Nacht hindurch gefeiert und reichhaltig Grünkohl und Schweinebraten aufgetischt. Eine Biikewache der Jugendfeuerwehr wird jährlich organisiert, da es schon vorkam, dass das Biikefeuer bereits vorher vorsätzlich angezündet wurde – jedes Dorf wollte wohl die größte Biike haben.

Der Hindenburgdamm

Im Jahr 1923 wurde ein gut 11 Kilometer langer Damm gebaut, der das Festland mit der Insel zusammenführte. Zur damaligen Zeit galt es als höchst beschwerliche Arbeit, denn die Bauutensilien mussten entweder zu Fuß oder zu See beschafft werden, was sich als gewaltiges Unternehmen zeigte. Zu dem Eröffnungszeremoniell reiste sogar der Reichspräsident Paul von Hindenburg persönlich an. Besucher, Reisende oder aber auch die Insulaner konnten nun mühelos die komfortable Art des Reisens nutzen, wodurch Sylt unweigerlich zur Attraktion wurde. Als der Hindenburgdamm noch nicht vorhanden war, mussten die vielen Feriengäste mit einer aufwendigen Fahrt per Fährschiff, ausgehend von Husum oder der Hoyer-Schleuse des dänischen Festlandes, vorlieb nehmen und im Munkmarscher Hafen anlegen.

Die Sylter Inselbahn „Rasende Emma“

Erstmals im Jahre 1888 fuhr die Inselbahn mit ihrer kleinen Dampflok durch die Sylter Dünenlandschaft. Dort, wo heutzutage das Gelände des inseleigenen Flugplatzes liegt, verlief die östliche Schmalspurtrasse entlang der Ausflugsgaststätte „Friesenhain“, während noch weitere Strecken mit kleinen Bahnhöfen später ausgebaut wurden.

Die Sylter Inselbahn fuhr noch bis nach dem Ende des zweiten Weltkrieges, wobei die Dampflok einer umgebauten Borgward-Zugmaschine weichen musste, die nun die Wagons zog. Doch die verbauten Holzschwellen aus Eiche vermoderten zunehmend und fingen an zu wackeln. Eine Erneuerung rentierte sich jedoch für dieses autarke Bahnunternehmen nicht und es ließ sich auch kein Investor finden. Die Sylter Friesen vermissten ihre „Rasende Emma“, wie die Inselbahn gern unter ihnen auch bezeichnet wurde, sie sollte wiederkommen.

„Während der Fahrt ist das Blumen pflücken verboten!“ erinnert sich Familie Krüger aus Wenningstedt noch gut. Diese Worte warf der zugführende Bahnangestellte während der „rasanten“ Fahrt oftmals ein - sie fuhr wirklich langsam. „Allerdings gab es in Hörnum eine Endstation, dort sei die „Rasende Emma“ einfach durchgefahren in das gegenüberliegende Appartement und so stand die Lok mitten im Wohnzimmer.“ schildert Frau Krüger.

Furcht vor Meermann Ekke Nekkepenn

Eine alte Sage hält sich hartnäckig bis heute unter den Friesen: Bei einem Sturm bat der wilde Meermann Ekke Nekkepenn eine hübsche Friesenfrau eines Kapitäns seinem gebärenden Meerweib Ran auf dem Boden des Meeres behilflich zu sein. Nachdem durch ihre Hilfe ein Meerkalb geboren wurde, beschenkte er die Kapitänsfrau mit Silber und Gold. Sie durfte zurück an die Meeresoberfläche und kam sicher mit ihrem Schiff im Rantumer Hafen an. Nach Jahrzehnten wollte er nun die schöne Friesin zur Frau nehmen, da Ran zu alt und unansehnlich geworden war. Er überredete Ran, Salz zu mahlen, damit das Schiff des Rantumer Kapitäns in den dabei sich bildenden Sog geraten und somit untergehen sollte. Sodann nahm der Meermann die Gestalt eines gut aussehenden Seefahrers an, traf nunmehr aber auf die Tochter Inge der Kapitänsfrau. Befehlend nahm Ekke Nekkepenn Inge zur Braut. Verzweifelt wollte sie gehen, doch er stellte hierfür die Bedingung, dass Inge seinen Namen erriet. Kein Inselbewohner hatte jemals von ihm gehört. Doch darauf bemerkte die Friesentochter am Hörnumer Strand den Meermann und belauschte den Gesang, in welchem er sich verriet. Als er wieder nach seinem Namen fragte, sprach sie: „Du heißt Ekke Nekkepenn und ich bleib Inge von Rantum.“ Seit je her rächt sich der Meermann an den Sylter Inselbewohnern durch kräftige Sogwellen und haushohe Stürme, welche Schiffe und die Sylter Küste zerstören sollen.

Das gegenwärtige Sylt hat sich kaum verändert, zwar ist auch hier der Wandel der Zeit eingekehrt, doch an den Bräuchen und Traditionen halten die Sylter fest.

Victoria Merkel - Ich bin ich! Mein Job als freiberufliche Journalistin besteht darin, zu informieren, zu recherchieren und ...

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