Sympathy For The Devil von Manuel Trummer (Waxmann Verlag, 2011)

Sympathy For The Devil? von Manuel Trummer Cover 2 - Waxmann Verlag
Sympathy For The Devil? von Manuel Trummer Cover 2 - Waxmann Verlag
Manuel Trummer zeichnet in seiner Dissertation "Sympathy For The Devil?" (Waxmann Verlag, 2011) die Verwandlung der Teufelsfigur in der Rockmusik nach.

Der Teufel begleitet den Menschen wohl schon seit Anbeginn aller Zeiten. In der allgemein verbreiteten Vorstellung ist er hierbei der ewige Antagonist des göttlichen Lichts - quasi das ultimative Böse. Manuel Trummer, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Vergleichende Kulturwissenschaft an der Universität Regensburg, hat in seiner Dissertation "Sympathy For The Devil? Transformationen und Erscheinungsformen der Traditionsfigur Teufel in der Rockmusik" (Waxmann Verlag, 2011), versucht, sich der in der Rockmusik seit jeher beliebten Figur des zweifach Gehörnten, bzw. deren (Bedeutungs-)Wandel im Lauf der Jahrzehnte, wissenschaftlich-analytisch zu nähern. Gelungen ist ihm dabei ein auch für Fachfremde enorm unterhaltsam lesbares Werk.

Sprung durch die Jahrtausende - der Teufel im Schnelldurchlauf

Natürlich - eine Dissertation muss ich zunächst einmal den verwendeten Methoden, der Quellenbasis und dem Forschungsstand widmen. Hat man diese, aus der Sicht des ganz normalen Lesers betrachtet, vielleicht etwas zäh zu lesenden Seiten hinter sich gebracht, eröffnet Trummer dem Leser in einem einführenden ersten Teil einen historischen Überblick über die Geschichte des Teufels, bzw. der Genese dieser Figur über die Zeit hinweg. In der gebotenen Kürze wird der Bogen über das Teufelsbild der frühen Hochkulturen der Ägypter, der Sumerer und Babylonier, die althebräische Religion, die quasi eine Art Vorläufer des christlichen Teufels zeichnete, bis hin zur Figur des neutestamentarischen Satans, der heute noch dem allgemeinen Bild des Verführers entspricht, gespannt.

Der Teufel in der Rockmusik - ein alter Bekannter an neuen Ufern

Manuel Trummer eröffnet sein Werk mit dem titelgebenden Songtext der "Rolling Stones" - "Sympathy For The Devil" (1968). Dabei betritt der Verführer in verschiedenen Formen und Variationen bereits viel früher das Parkett der populären Musik. Zwar geht es in der Arbeit in erster Linie um Rock- und Heavy Metal-Musik, die ihren Ursprung durchaus in den 1960er-Jahren nimmt, aber dennoch gibt es lange Zeit zuvor bereits Vordenker. Als Beispiel sei nur der "teuflische" Tritonus genannt, wo die Verwendung jenes unheilverkündenden Tonabstands im Mittelalter bei Strafe verboten war, der Gründerband des Heavy Metal, "Black Sabbath" natürlich, indes als Aufhänger für die namengebende Bandhymne schlechthin diente. Doch auch in den Gospelgesängen und dem Blues der 1930er-Jahre findet sich die Teufelsfigur, mal positiv, mal negativ. Und ebenso zieht sich das mehr oder minder ernsthafte Kokettieren mit dem zweifach Gehörnten der Künstler durch die okkult-rockigen 1960er- und 1970er-Jahre (Stichworte: die Bands "Coven" und "Black Widow"), die 1980er-Jahre, mit einer vermeintlichen Radikalisierung der "teuflischen" Bands (Stichworte: die Bands "Venom", "Bathory", "Sodom"...), über die pubertär-gewalttätigen Exzesse des 1990er-Black Metal aus Skandinavien, bis hin zu aktuellen Ausprägungen von Bands wie "The Devil's Blood", "Watain" und den Untiefen des NSBM-Sumpfs (NSBM = National Socialist Black Metal; dt.: Nationalsozialistischer Black Metal) oder menschenverachtender antikosmischer Chaosphilosophie.

Sympathisierendes Kokettieren vs. blutigem Ernst

Dabei wird nicht immer ganz klar, wie ernst die jeweiligen Protagonisten ihr Spiel mit der dunklen Seite des Daseins wirklich meinen - lediglich die unmaskierten "Teufel", die Rassismus, Faschismus und politischen Extremismus predigen, disqualifizieren sich von selbst. Diese unterschiedliche Wahrnehmung beim Leser/Rezipienten mag daraus resultieren, dass diese "Teufel" eben nicht in Fantasiegebilden oder erfundenen, zumeist in der Vergangenheit liegenden Geschichten eingebunden, sondern ganz konkret im Hier und Jetzt verankert sind. Dazu kommt, dass das Gros der vermeintlich so satanischen Protagonisten in aller Regel - Ausnahmen bestätigen diese natürlich - jenseits der Bühne sympathische, friedliche und interessanterweise oftmals nach konservativ-christlichen Werten lebende Personen sind. Die Analogie zum Mörder im Film, der einfach eine Rolle spielt, muss an dieser Stelle gezogen werden.

"Sympathy For The Devil?" - Was bleibt am Ende als Fazit?

Manuel Trummer zeichnet die Entwicklung, die Veränderung und die Neuerfindung der Teufelsfigur, die es seit Jahrtausenden gibt, in seiner knapp 400 Seiten starken Dissertation unterhaltsam, gut lesbar und nicht nur für Ethnologen verständlich nach. Ganz nebenbei schafft er es, den Spätgeborenen - zu denen er als gerade mal so Mittdreißiger natürlich selbst gehört - eine kleine Geschichte der Entwicklung der Rockmusik mit an die Hand zu geben. Einziger Kritikpunkt eines insgesamt sehr lesenswerten Buches: der Bilderteil hätte durchaus ein wenig ausufernder werden dürfen, schließlich bezeichnet der Autor immer wieder die Plattencover und Bandfotos als sehr wichtige Quelle. Dies ist jedoch Jammern auf durchaus sehr hohem Niveau...

Weiterführende Informationen zu "Sympathy For The Devil?" von Manuel Trummer

Manuel Trummer: Sympathy For The Devil? Transformationen und Erscheinungsformen der Traditionsfigur Teufel in der Rockmusik. Regensburger Schriften zur Volkskunde/Vergleichenden Kulturwissenschaft, Band 22. Waxmann Verlag, Münster/New York/München/Berlin 2011. 424 Seiten, mit zahlreichen farbigen Abbildungen. ISBN-Nummer: 978-3-8309-2575-0. Preis: 34,90 Euro.

Wolfgang Weitzdörfer, Fotostudio Sabine Winkler

Wolfgang Weitzdörfer - Werdegang Abitur 1996Ausbildung zum Heilerziehungspfleger 1998-2001Berufstätigkeit 2001-20082008 - 2011: Studium BA ...

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