Systemisch-lösungsorientierte Beratung als effektive Hilfe

Beratung als Hilfe zur Selbsthilfe - Rainer Sturm  / pixelio.de
Beratung als Hilfe zur Selbsthilfe - Rainer Sturm / pixelio.de
Eine Problemlösung bedarf oft einer Änderung des Betrachtungswinkels. Anstatt auf das Problem fokussiert zu sein, wird der Blick auf Stärken gerichtet.

In der lösungsorientierten Beratung wird davon ausgegangen, dass der Ratsuchende selbst Experte für sein Problem ist, allerdings noch Unterstützung benötigt, um eine Lösung entwickeln und umzusetzen zu können. Es wird versucht, den Blick vom Problem weg in Richtung von Lösungsmöglichkeiten zu lenken. Dieser Beratungsansatz zählt zu der sogenannten horizontal-symmetrischen Beratung, oft auch als Prozessberatung bezeichnet. Berater und Ratsuchender befinden sich auf derselben Stufe und entwickeln gemeinsam Ideen von möglichen Lösungen. Diese Form ist bei vielen Problemkreisen effektiver als eine reine Expertenberatung von einer Fachperson zum Klienten. Vorteil dieses Ansatzes ist, dass die Mitgestaltung und die Suche nach Lösungen an den Ratsuchenden zurückgegeben wird, wodurch dessen Eigenverantwortung gefördert wird. Der Ratsuchende erlebt seinen eigenen Einfluss auf seine Probleme, es findet eine Hilfe zur Selbsthilfe statt. Gleichzeitig erfährt er sich selbst als aktiv und problemlösefähig, was sein Selbstwertgefühl ansteigen lässt und sein Vertrauen, auch zukünftige Probleme eigenständig angehen zu können.

Welche Grundannahmen liegen der systemisch-lösungsorientierten Beratung zugrunde?

„Systemisch“ bezieht sich auf die Betrachtung des gesamten sozialen Systems, in dem sich jeder Mensch bewegt. Im Leben jedes Menschen existieren unterschiedliche Systeme, zum Beispiel Familie, Berufsumfeld, Sportverein und andere, wobei in jedem System und Untersystem typische Interaktions- und Verhaltensmuster auftreten, die zu wechselseitigen Reaktionen unter den Mitgliedern führen. Um eine Hilfestellung anbieten zu können, beurteilt eine Beratungsperson das Problem in dem gesamten Kontext. Das bedingt, dass innere und äussere Bedingungen rund um die Problematik und den Ratsuchenden erfragt werden müssen. Hierzu gehört auch eine weitere wichtige Komponente dieses Beratungsansatzes: die Ressourcen-Orientierung. Die Sichtweise des Ratsuchenden wird dementsprechend auf seine Stärken und Fähigkeiten gerichtet.

Ein weiterer Grundsatz dieser Beratung lautet: Jede Person konstruiert sich ihre eigene Wirklichkeit. Eine objektive Wahrheit existiert dementsprechend nicht. Alles ist abhängig von der Position des Betrachters. Da die menschliche Sprache massgeblich an der Konstruktion dieser Wirklichkeit beteiligt ist, werden Probleme auch sprachlich erzeugt. Mit anderen Worten: Erst wenn ein Verhalten, unter bestimmten Bedingungen, von jemandem als Problem definiert wird, worauf eine auf dieses Problem ausgerichtete Kommunikation stattfindet, ist daraus ein sog. Problemsystem geworden. Folglich lässt sich ableiten, dass für eine Lösung nicht das Problemsystem verändert werden muss, sondern die Kommunikation um das Problem.

Wie verläuft eine systemisch-lösungsorientierte Beratung?

Ganz zu Beginn einer lösungsorientierten Beratung wird der Berater zusammen mit dem Aufsuchenden eine Auftragsklärung durchführen. Der Berater erfragt den Überweisungskontext und die Erwartungen an die Beratung. Der Klient soll einen konkreten Auftrag formulieren, was er von der gemeinsamen Beratungsarbeit erhofft. Dazu muss der Ratsuchende das Ziel in positiver Weise beschreiben und benennen, was genau verändert werden soll. Dieses Ziel wird in konkrete Verhaltensschritte aufgeteilt. Eine solche intensive Auseinandersetzung lenkt den Blick des Klienten bereits in diesem frühen Stadium etwas vom Problem weg, hin zu einer Lösung. Die Eigenverantwortung für die Zielerreichung wird ausserdem entsprechend betont.

Es folgt das eigentliche Gespräch über das Problem, wobei dem Berater verschiedene Gesprächsführungstechniken und zusätzliche Methoden zur Verfügung stehen. Der Berater muss ganz genau und interessiert zuhören und darauf achten, wie der Klient die Inhalte erzählt. Er muss zusehen, welche Gestik, Mimik und Körperhaltung gezeigt werden und er versucht, mitzufühlen. Der Erzählende wird nicht unterbrochen. Erst wenn dieser aufhört zu sprechen, stellt der Berater offene W-Fragen, also wie, wann, wo oder wer, um ihm noch weitere Informationen zu entlocken. Das Nachfragen signalisiert dem Klienten, dass sich der Berater mit ihm auseinandersetzt und bemüht ist, sich in ihn hineinzuversetzen. Dem Ratsuchenden wird das Gefühl vermittelt, dass die beratende Person sein Problem auch wirklich verstanden hat. Von einer guten Beratungsbeziehung hängt grösstenteils der weitere Verlauf der Beratung ab.

Worin besteht die konkrete Hilfe eines lösungsorientierten Beraters?

Es ist sehr wichtig, dass der Berater immer wieder Feedback gibt, um für sich zu erkennen, ob er die Angaben des Ratsuchenden verstanden und das Problem richtig wahrgenommen hat. Bei den Rückmeldungen spricht der Berater mehrheitlich in der Ich-Form und verwendet Konjunktiv-Formen. Er gibt ohne Wertung in beschreibender Weise das wider, was er auch wirklich gehört, gesehen oder gefühlt hat. Mit entsprechenden Fragetechniken wird das Problem also zunächst näher differenziert und konkretisiert. Durch diesen Prozess kann es eingegrenzt werden, und wird leichter bearbeitbar. Die Grundtechnik der systemisch-lösungsorientierten Beratung ist das zirkuläre Fragen. Dabei wird der Kontext rund um das Problem und die kreisförmigen Kommunikationsprozesse der Beteiligten, die sich wechselseitig beeinflussen, erfragt. Indem der Ratsuchende erzählt, was er denkt, wie andere über das Problem denken, gibt er Auskunft darüber, wie er das Problem für sich und in Kommunikation mit anderen versteht. Aus all diesen wichtigen Informationen wird ein Prozess im Klienten angestossen, der ihn allmählich eine Lösung für seine Schwierigkeiten bewusst erkennen lässt.

Literatur und Quellen:

  • Schlippe, A.v., Schweitzer, J. (2000, 7. Aufl.): Lehrbuch der systemischen Therapie und Beratung. Vandenhoeck u. Ruprecht: Göttingen.
  • Steiner, Th. (2000): Beratung nach dem lösungs- und entwicklungsorientierten Modell: Beratung von Kindern, Jugendlichen und Eltern im Rahmen ambulanter Hilfen. In: Spiess, Walter (Hrsg.), Dortmund.

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