
- Windkraft und Urbanes - Tom Köhler, Hamburg
Auf der zweiten Fachtagung des Bundesverbandes Windenergie e.V. in Hamburg trafen sich am 5. und 6. Mai 2010 Vertreter der Gemeinden, Betreiber und Projektierungsgesellschaften sowie der Hersteller. Die starke Resonanz auf umweltpolitische Belange in der Gesellschaft führt auch an den Windenergieanlagen (WEA), volkstümlich Spargel genannt, nicht vorbei. Die WEA sind Umweltsünde (durch ihre Anwesenheit) und Umweltschutz (durch saubere Energie) zugleich.
Um Ihre Stückzahl auf den zugewiesenen Flächen zu reduzieren, sind die Hersteller bemüht, die Effizienz der WEA zu erhöhen. "Mehr Ertrag auf gleicher Fläche bei weniger Anlagen" so Hermann Albers "erhöht den Naturschutz und die Akzeptanz in der Bevölkerung". Der Präsident des Bundesverbandes engagiert sich für seine Mitglieder und die neuen WEA. "Wir können mehr, man muß uns nur lassen!"
Beeindruckende Entwicklung
Die neuen Anlagen sind atemraubend in ihren Ausmaßen. Bei einer Nabenhöhe von bis zu 135 Metern dreht sich der Rotor mit einem Durchmesser von 126 Metern. Zum Vergleich: Die Spannweite des Airbus A380 beträgt knapp 80 Meter. Diese WEA mit einer projektierten Leistung von fünf bis sechs Kilowatt (KW) ersetzen also fünf 1.000-KW-Anlagen. Oder mehr, wenn die älteren mit einer Leistung von 250 beziehungsweise 600 ersetzt werden. Die Nabenhöhe der älteren Anlagen reichte von 30 bis 80 Meter. Die Größe der neuen WEA hat zwei Vorteile: In dieser Höhe sind die Windgeschwindigkeiten mehr als doppelt so hoch, als bei älteren, kleineren Anlagen. Der Rotordurchmesser kann steigen, sorgt für mehr Leistung bei geringerer Rotation.
Auch Windräder haben ihre zwei Seiten
Die Größe hat ihren Nachteil: Die WEA werden immer mehr zum Risiko für den Flugverkehr. Die Befeuerung, sprich die Beleuchtung in den Nachtstunden, ist weithin sichtbar und birgt so Akzeptanzprobleme bei Anwohnern. Der Bundesverband, so Hermann Albers, bemüht sich durch Pilotprojekte eine verträgliche Lösung zu finden. Eine radargesteuerte Befeuerung, die nur bei Annäherung eines Flugzeuges oder Hubschraubers arbeitet, oder eine Abschirmung nach unten.
Hemmnisse beim Aufbau der WEA
Die Höhe, mancherorts behördlich begrenzt, und die Abstandsregelung sind die Widrigkeiten, gegen die Betreiber angehen. Eine starre Regelung bei beiden Kriterien verhindert ein Aufräumen der Landschaft. Weniger ist in diesem Fall wirklich mehr. Weniger Anlagen mit mehr Leistung bedeuten für die Anwohner und Touristen eine Verbesserung der Aussicht. Als Beispiel nannte Albers den Windpark Brassens in Niedersachsen, in dem aus 34 WEA vier moderne WEA wurden. Gemeinden können über eine Repowering-Börse Kontakt mit Fachleuten aufnehmen, die sie dazu beraten.
Ökologie oder Ordnungspolitik
Die Debatte darf sich nicht mehr nur um Optik und Verwaltungsvorschiften drehen. Bernd Neddermann vom Deutschen Windenergie Institut (DEWI) forderte eine Effizienzdebatte. Restriktive Regelungen verhindern enormes Potential und einen Rückbau vieler veralteter Anlagen. Die Leistungserhöhung bringt eine Flächenausweitung (bedingt durch die Abstandsregelung), aber gleichzeitig eine weniger dichte Belegung.
Norbert Portz vom Deutschen Städte- u. Gemeindebund Bonn wurde dazu befragt. Portz: "Wir unterstützen das Ziel, die erneuerbaren Energien weiter auszubauen" und "Einer Verspargelung der Landschaft wollen wir entgegenwirken". Doch das sich die Raumordnung vor die Interessen der Gemeinden stellt, die bereit sind, effizientere Anlagen aufzustellen, bestätigte auch er. Gibt es also Flächenpläne oder Höhenbegrenzungen, kann nicht "entspargelt" werden, und die Schaffung effizienter Anlagen verzögert sich weiter.
Planungen für die Zukunft
Bei Planungen der Investitionen befindet sich mancher Betreiber schon im Jahr 2012 oder noch weiter. Die Anzahl der Anlagen steigt nicht mehr in so exorbitantem Ausmaß wie in den 1990er Jahren. 1989 gab es 6.300 Anlagen mit 2.900 MW Leistung. 2008 standen 20.300 Anlagen mit 24 MW Leistung in Deutschland. Der Ersatz der veralteten Anlagen führt zu einem Rückbau der WEA nach Zahlen. Die Leistung steigt aber weiter kontinuierlich an. Die Politik in Bund und Ländern sei gefordert, entsprechende Bedingungen zu schaffen. Dass diese Anlagen sogar noch Werte enthalten, beweist der Export gebrauchter Anlagen in andere Länder.
