In Deutschland findet seit 1993 im Rahmen der vom Europarat initiierten European Heritage Days einmal jährlich der Tag des offenen Denkmals statt. An diesem Tag sind bundesweit zahlreiche historische Bauten und Stätten für Besucher geöffnet, die sonst für die Öffentlichkeit nicht oder nur in Teilen zugänglich sind. Ziel des Denkmaltags ist die Sensibilisierung der Bürger für die Belange des Denkmalschutzes, der sich für den Erhalt bedrohter Kulturdenkmale als Zeugnisse der Vergangenheit und gelebter Geschichte einsetzt.

Romantik, Realismus, Revolution – das 19. Jahrhundert

Das 19. Jahrhundert war geprägt von politischen Umbrüchen, technischen Neuerungen und neuen gesellschaftlichen Ideen, die sich auch in der Architektur der Zeit widerspiegeln. Verbesserte Transportwege und Reisemöglichkeiten erleichterten den neuen Trend der Bildungsreise – Ideen und Kunststile wurden über die Landesgrenzen hinaus betrachtet und ausgetauscht.

Als Reaktion zur vorangegangenen Epoche der Aufklärung, die sich auf die Vernunft berief, trat nun die romantische Idee von Empfindung, Sehnsucht, Mysterium und Individualität in den Vordergrund. Ruinen vergangener Zeitalter betrachteten Romantiker als Symbol für die idealisierte und verklärte „heile Welt“ der Vergangenheit. In Köln beispielsweise begann aus dieser Bewegung heraus 1842 der Weiterbau des Doms, dessen Fertigstellung 1880 gefeiert wurde.

Ingenieure lösten die neuen Probleme, die Industrie, Verkehr und Großstadt ihnen stellten, und neue Baumaterialien und Technologien kamen zum Einsatz. Portlandzement, Gusseisen, Profilträger und Eisenbeton fanden Verwendung für neue Bautypen wie Markt- und Ausstellungshallen, Bahnhöfe, Brücken und Fabriken. Durch die Industrialisierung wuchs der Bedarf an Wohnraum in den Städten und neue Arbeiterquartiere wurden geschaffen.

Breit gefächertes Programm am Tag des offenen Denkmals

Die Besucher des Denkmaltags haben die Qual der Wahl. Das diesjährige Motto ermöglicht eine breit gefächerte Auswahl an Kulturdenkmälern des 19. Jahrhunderts. In Köln laden Privathäuser, Fabrikgebäude, Befestigungsanlagen, Kirchen, Brücken, Parks und öffentliche Gebäude zur Erkundung ein – die Informationen und Führungen sind kostenlos.

Welcher Kölner sich beispielsweise schon immer gefragt hat, was ein Leuchtturm im Stadtteil Ehrenfeld zu suchen hat, bekommt die Antwort, wenn er das Helios-Gelände besichtigt. Der Leuchtturm war ehemaliger Werbeträger der Helios-Elektricitäts AG, die im Ehrenfelder Werk in den Pioniertagen der Elektrotechnik als eines der ersten Unternehmen neue Erfindungen, wie Wechselstrom-Generatoren, einsetzte.

Wie die industriell gefertigten Backsteine die, durch ehemals weiße Fachwerkbauten geprägten, Dorfstrukturen veränderten, kann man im Ortsteil Lövenich bei einem Spaziergang durch den Ortskern entdecken. Die Bewohner des früheren Bauerndorfes tauschten teilweise die Arbeit als bäuerliche Tagelöhner gegen besser bezahlte Arbeitsstellen in den neu gebauten Fabriken. Moderne Arbeitersiedlungen in Backsteinbauweise entstanden.

Ein Highlight des Kölner Tags des offenen Denkmals ist sicherlich eine Führung durch den Kölner Hauptbahnhof, dessen gläserne Bahnsteighalle von 1894 die größte Stahl-Glas-Konstruktion ihrer Zeit war und seit über hundert Jahren ihre Funktion erfüllt. Auch die zum Bahnhof führende Hohenzollernbrücke kann bei einer Führung besichtigt werden.

Der Kölner Dom öffnet für Besucher die Pforten zu seinem eisernen Dachstuhl. Kaum jemand vermutet eine beeindruckende Stahlkonstruktion im gotischen Dom. Drei Jahrzehnte vor dem Bau des Eiffelturms wurde der alte hölzerne Dachstuhl durch eine neue fortschrittliche Eisenkonstruktion ersetzt.

Für manche Führungen am Tag des offenen Denkmals ist eine Anmeldung erforderlich. Das vollständige Programm ist bei der Deutschen Stiftung Denkmalschutz erhältlich.

Quelle: Deutsche Stiftung Denkmalschutz