Tagesausflug durch Schleswig Holstein

Landschaft, Kunst, Kultur und viel Geschichte

Man muss nicht wirklich weit reisen oder lange unterwegs sein, um zum einen zu entspannen, aber auch Kunst und Kultur zu erleben - in Schleswig-Holstein.

Um sich ein wenig zu erholen, sich von Natur oder Kultur inspirieren zu lassen, muss man nicht ins Ausland reisen. Ein Tag in Schleswig-Holstein, verschiedene Landschaften, Höfe, Güter, Geschichte, Galerien, Denkmäler, Künstler und Museen erscheint erholsamer als eine Woche in der glühenden Sonne im Süden Europas. Der Ausflug beginnt im Norden Hamburgs auf der B 75 über Bargteheide, Sülfeld, über die B 404 an Bad Segeberg vorbei Richtung Plön, Preetz, nach Laboe.

Das Kloster Preetz

Preetz wurde als Kloster 1211 vom Grafen Albrecht v. Orlamünde für Benediktinerinnen gestiftet. 1240 verlegte es seinen Sitz nach Lutterbek und endgültig 1260 an die Schwentine unterhalb des Kirchdorfes Poreze. Im Laufe der Zeit erlangte es eine gewisse Bedeutung, erfreute sich der Gunst des holsteinischen Adels und der Lübecker Bürgerschaft und besaß zuletzt Anfang des 16. Jahrhunderts zwischen Lankersee und der inneren Kieler Förde mehr als 40 Dörfer. Bekannt ist Preetz, das erst 1870 die Stadtrechte erhielt, durch seine Handwerksbetriebe, insbesondere durch die Vielzahl seiner Schuster. Mitte des 19. Jahrhunderts bildeten die Schuster mit über 100 Meistern die größte Handwerksinnung.

Das Kriegerdenkmal in Laboe

Laboe, der nächste größere Halt, wurde 1240 als Luboden, Lubodne (slaw. Schwanen Bucht) urkundlich als Dorf genannt. Während des dänisch-schwedischen Krieges wurde Laboe 1644 völlig durch Feuer zerstört. Anfang des 20. Jahrhunderts wurde Laboe zum Seebad, bekam 1910 eine eigene Kirche und beherbergt das Marine-Ehrendenkmal, das Wahrzeichen von Laboe. Dieses Ehrenmal wurde 1929 nach dem Entwurf des damals in Düsseldorf lebenden Architekten Munzer gebaut und mit Spenden der Marinevereine finanziert.

Diese Denkmalanlage erinnert an das Marinegeschehen der beiden Weltkriege, beherbergt einen Kuppelsaal, geschmückt mit Flaggen verschiedener Marineeinheiten und zeigt u.a. eine Ausstellung mit Schiffsmodellen. Insbesondere aber gewährt es dem Besucher mit seinem Aussichtsturm, der einer Welle nachempfunden ist, einen Blick über die Bucht und das Umland.

Das Gut Panker

Die Fahrt geht weiter über den sehenswerten Badeort Schönberg mit seinem ausgedehnten Ostseestrand zum Gut(shof) Panker, das um 1700 vom Landgrafen von Hessen erbaut, heute von dessen Nachfahren bewirtschaftet wird, und in dem ein Hotel- und Gaststättenbereich ebenso beheimatet ist wie auch eine Pferdezucht; denn noch heute werden hier die Trakehner, die Nachkommen der berühmten ostpreußischen Rasse gezüchtet. Während eines Besuches kann es sein, dass gerade junge Fohlen begutachtet und danach mit einem Brandzeichen versehen werden. Das eher herrschaftliche Gut, das in eine wunderschöne Landschaft eingebettet ist, bietet neben der Gastronomie und der Pferdezucht auch Keramik, Kunsthandwerk und im prächtigen Haupthaus eine Galerie für Gegenwartskunst und die Klassische Moderne mit wechselnden Ausstellungen. Eine Besichtigung ist an den Wochenenden oder nach Absprache möglich.

Lohnend ist der Abstecher zum nahe gelegenen Hessenstein, einer vom Landgrafen von Hessen erstellten kleinen Kapelle mit einem Aussichtstürmchen.

Über Lütjenburg und Lensahn in Cismar angekommen, gelingt es, ohne vorherige Anmeldung den Keramiker Jan Kollwitz in seinem Domizil, einem alten Pastorat, in dem er mit seiner Familie wohnt und auch sein Atelier untergebracht hat, zu besuchen.

Cismar, ein ehemaliges Kloster

Cismar wurde als Kloster auf dem Besitz Sicima 1238 erbaut. 1245 siedelte das vom Erzbischof von Bremen bereits 1231 straf verlegte Lübecker Benediktinerkloster dorthin um. Trotz aller möglichen weiteren Streitigkeiten, zuletzt noch mit Papst Innozenz IV., wurde das Kloster durch eine gefundene und später geheiligte Quelle zum Wallfahrtsort und gewann Reichtum und Bedeutung. Es besaß große Ländereien, 1325 bereits 25 Dörfer, 7 Mühlen und die Einkünfte mehrerer Kirchen. Der Landbesitz des heute kaum noch im ursprünglichen Zustand erhaltenen Klosters fiel 1544 an das Haus Gottorf. Das Kloster selbst wurde 1560 aufgehoben. Bekanntlich wird es heute vom Schleswig-Holsteinischen Landesmuseum Schloss Gottorf mitverwaltet. Es finden dort von Zeit zu Zeit interessante Ausstellungen statt.

Der Keramiker Jan Kollwitz

Der Keramiker Jan Kollwitz unterscheidet sich von anderen seines Berufsstandes, als dass seine Arbeiten in traditioneller japanischer Technik entstehen. Im Anschluss an seine dreijährige Ausbildung war Jan Kollwitz zwei Jahre als Schüler von Yukata Nakamura in Japan. Hier erlernte er die traditionellen Techniken der Gefäßherstellung der Echizen-Keramik. In Deutschland, an seinem heutigen Wohnort, entstand 1988 neben der Werkstatt der "anagama". Die Brennweise des Ofens wurde auf Shigaraki- und Iga-Technik abgestimmt und beruht auf den Erfahrungen japanischer Keramiker der letzten vierhundert Jahre.

Die angama-Ofen Technik

Typisch für den angama-Ofen ist, dass Brand und Feuerung in einer gemeinsamen Kammer stattfinden. Die Keramiken werden unglasiert in den Brennofen eingesetzt und dann vier Tage lang gebrannt. Rund um die Uhr wird ca. alle 3 Minuten Holz in den Ofen geworfen. Bei Temperaturen um 1300 Grad verschmilzt die Flugasche mit dem Ton zu einer natürlichen Glasur, die je nach Standort des Gefäßes im Ofen von einem tiefen, klaren Grün bis zu einem hellen, matten Beige variiert. Rauch und Flammen hinterlassen rote und graue Färbungen auf den Gefäßen, an manchen Stellen im Ofen entsteht ein tiefes Blau. Die Gefäße und deren klare Formen von Jan Kollwitz strahlen nicht nur eine ganz besondere Ruhe aus, sondern fügen sich gestellt, manches mit Obst, Blumen oder Ästen dekoriert, in jedes Ambiente ein.

François Maher Presley, Foto: David Eschrich, Fançois Maher Presley

Francois Maher Presley - François Maher Presley kam in Kuwait/pers. Golf zur Welt und lebte seit seinem sechsten Lebensjahr in Hamburg. Der Autor und ...

rss