Taliban: Diskriminierung von Frauen und ethnischen Minderheiten

Die Taliban nahmen 1996 Kabul, die Hauptstadt Afghanistans ein. Hier litten die Frauen besonders unter ihrem strengen Regime.

Seit 1994 befanden sich die Taliban in Afghanistan auf dem Vormarsch. Zunächst sorgten sie weitgehend für eine Schlichtung der bestehenden Streitigkeiten unter den verschiedenen ethnischen Gruppen, sie entwaffneten zu diesem Zweck die Bevölkerung. Doch mit zunehmendem Machtgewinn lösten die Taliban auch Angst und Schrecken aus. Die Unterdrückung von Frauen und ethnischen Minderheiten missfiel der Bevölkerung.

Strenge Richtlinien für Mädchen in Afghanistan

Die Taliban nahmen Ende 1996 Afghanistans Hauptstadt Kabul ein und verhängten auch dort ihre strenge Auslegung der Schari’a, des islamischen Gesetzes. War der Schulbesuch bis dato zwar weitgehend ein Privileg der Männer, so stagnierte die Zahl der weiblichen Schulbesucherinnen mit dem Einmarsch der sowjetischen Truppen. Mitte der neunziger Jahre konnten über 90 Prozent der Mädchen nicht lesen und schreiben, bei den Jungen waren es „nur“ 60 Prozent. Doch die Taliban änderten diesen Umstand nicht. Sie schlossen sogar einige Mädchenschulen oder funktionierten sie zu Schulen für Jungen um.

Strenge Richtlinien für erwerbstätige Frauen

Im Dezember 1996 wurde Frauen schließlich die Erwerbstätigkeit untersagt. Internationale Proteste sorgten dafür, dass wenigstens Krankenhausmitarbeiterinnen (unter strenger Trennung von den männlichen Mitarbeitern) weiter arbeiten durften. Zudem durften Frauen nicht allein in öffentlichen Verkehrsmitteln fahren. So schrecklich dies alles klingt, betraf es jedoch nur einen Bruchteil der Gesellschaft. Frauen in ländlichen Gebieten, die innerhalb eines Stammes lebten, sahen keine Einschränkungen für sich in ihrer Aufgabe, für Kinder und Familie zu sorgen.

Der Grund für die Diskriminierung von Frauen in Afghanistan

Die Frau ist für das Wohl der Familie im Haus verantwortlich, der Mann für die finanzielle Versorgung. Um der Familie erhalten zu bleiben, sollten Frauen keine Gelegenheit haben, die Aufmerksamkeit von Leuten auf sich zu ziehen, die ihr nichts Gutes wollen. Aus diesem Grund soll die Frau zu Hause bleiben. Sollte sie einmal hinaus müssen, so soll sie sich Schari’a-konform bedecken. Dies beinhaltet in der Auslegung der Taliban, dass sich Frauen mit der Burka zu kleiden haben und keine kosmetischen Artikel benutzen dürfen.

Die Taliban wollten einen islamischen Staat errichten. Ohne ihre strengen Gesetze befürchteten sie einen moralischen Verfall der Gesellschaft nach dem Vorbild des Westens. Allerdings können ihre strengen Auslegungen, gerade was Frauen betrifft, auch den Schutz dieser bezwecken: Die Frau ist einerseits der Stolz der Männer, der diesen nach jahrelangem Krieg und Entbehrungen noch geblieben ist. So soll sie unberührt von anderen bleiben. Andererseits ist es auch denkbar, dass die Taliban Übergriffe von Soldaten auf Frauen befürchteten, die unverschleiert „ihre Reize zeigen“, sodass die Gebote der Verschleierung als Schutz der Frauen gelten.

Allerdings führte die strenge Frauenpolitik in erster Linie dazu, dass die Taliban sich sowohl innen- als auch außenpolitisch aus Freunden Feinde machten, sodass sie die von ihnen erhofften politischen Ziele nie erreichen konnten.

Weitere Regeln der Taliban in Afghanistan

Die Taliban verboten die Abbildung von Menschen und Tieren in Bildern oder Fotos, da dies als „unislamisch“ gilt. Sie vernichteten zudem Hunderte Musik- und Videokassetten mit der Begründung, dass solche Unterhaltungsmedien von der Pflicht des Betens ablenken.

Auch für Männer gab es Gebote: Innerhalb von sechs Wochen hatten sie kurze Haare und einen Vollbart zu tragen. Einige Ethnien, wie zum Beispiel die Hazaras, haben mit nur spärlichem Bartwuchs zu kämpfen. Auf den Straßen standen Religionspolizisten, die lange Haare abschnitten und Übeltäter ohne Bart oder mit langen Haaren verprügelten.

Quelle:

Olumi, Yama: Die Taliban 1994 – 1998. Der Stellenwert von Ethnizität im afghanischen Bürgerkrieg, Verlag für Wissenschaft und Forschung, Berlin 2002, S. 93 – 96.

Schreiben, Celestina Warbeck

Celestina Warbeck - - Studium der Islamwissenschaft und Skandinavistik - Sprachen: Deutsch, Englisch, Arabisch, Türkisch, Schwedisch, Dänisch, ...

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