
- Tallinn/Kathedrale - Julia Strelow
Estland hat viel Leid hinter sich gebracht. Nachdem es durch Schweden, Deutschland und der Sowjetunion jahrhundertelang unterdrückt und bevormundet wurde, erreichte es 1991 endlich seine Unabhängigkeit. Seitdem geht es wirtschaftlich steil bergauf – die Wachstumsrate des Bruttoinlandproduktes betrug 2007 immerhin stolze 7,1 Prozent. Seit 2004 ist Estland auch Mitglied der EU und der NATO.
Anreise nach Tallinn
Die Hauptstadt Tallinn, mit gut 400.000 Einwohnern die drittgrößte Stadt Estlands, fliegen verschiedene Airlines an. Eine preiswerte Möglichkeit ist der Flug mit Air Baltic, mit Zwischenstopp in Riga, Lettland. Der Flughafen befindet sich nur 4 km außerhalb des Stadtzentrums, es ist ratsam, sich vor der Taxifahrt mit dem Fahrer über den Preis zu verständigen, ansonsten kann es teuer werden.
Ein Katzensprung nach Helsinki
Tallinn befindet sich im Norden Estlands, in einer Bucht des finnischen Meerbusens. Auf seiner anderen Seite liegt Helsinki, gerade mal 85 km entfernt. Auch im Winter verkehren mehrmals täglich Fähren dorthin, die Fahrt dauert circa 2 Stunden. Als bedeutender Ostseehafen gibt es ebenso Verbindungen nach St. Petersburg, Rostock und Stockholm.
Leider muss man in den Wintermonaten auf einen Ausflug auf eine der circa 1.500 Inseln verzichten.
Oberstadt und Unterstadt
Tallinns Altstadt ist zweigeteilt: Die Oberstadt befindet sich auf dem Domberg und beherbergt Parlament und Regierung Estlands. Von jeher war die Oberstadt den "besser gestellten" Einwohnern vorbehalten, heute finden sich dort außerdem viele Konsulate und Botschaften.
In der Unterstadt lebten (und leben) der Großteil der Stadtbevölkerung.
Umgeben war Tallinn von einer Stadtmauer, die nach vielen Nachbesserungen letztendlich eine Dicke von bis zu 3 Metern hatte und bis zu 16 Metern hoch war. Heute sind davon noch 1,85 Kilometer Mauer erhalten sowie 26 Türme.
Ein Streifzug durch die Altstadt bietet – vor allem mit Schnee – wunderschöne Ansichten. Einerseits sind viele Häuser verfallen und marode, andererseits beherbergen gerade nicht so ansprechende Außenfassaden oftmals erstaunlich schöne und geschmackvolle Räumlichkeiten. Architektonisch geprägt wurde Tallinn durch seine Okkupatoren. So finden sich Straßenzüge, die an Lübeck erinnern, ebenso findet sich in der Oberstadt die riesige Newski-Kathedrale, die der Zar 1894 bauen ließ. Deren russisch-orthodoxe Zwiebeltürme prägen das Stadtbild mit.
Zwischen Gestern und Heute
Gerade in den Vororten Tallinns zeigt sich ein Bild von ausgeprägter Armut. Da verwundert es doch, dass in den (teils riesigen) Supermärkten Preise wie zum Beispiel in Deutschland verlangt werden.
Gewöhnungsbedürftig ist der Umgang mit der estischen Währung, der Krone. Ein Euro entspricht etwa 15 Kronen.
Auch in den zahlreichen Tallinner Restaurants findet sich gute, europäische Küche, die aber ebenso stolze Preise abverlangt. Der Tourist muss lange suchen, um eine ganz normale Kneipe mit einfachem, preiswerten Essen zu finden, in das sich auch die Bevölkerung verirrt. Hier sei das "Hells' Kitchen" erwähnt.
Auffallend ist die hohe Handy-Dichte der Bevölkerung. Estland ist, was Internet angeht, absoluter Vorreiter in Nordosteuropa. So ist die gesamte Altstadt ein einziger "Hotspot", also eine Zone mit drahtlosem Internetzugang. Gewählt werden kann seit 2006 auch online.
