
- KGB-Funkstation im Sokos Hotel Viru, Tallinn - Sokos Hotel Viru/Peeter Langovits, Postimees
Funkgeräte, Kabel und jede Menge Papier auf dem Schreibtisch: Was bis 1991 eine streng geheime Funkstation des sowjetischen Geheimdienstes KGB war, können Besucher ab sofort als Museum besichtigen – im Sokos Hotel Viru in Tallinn. Die estnische Hauptstadt ist die Kulturhauptstadt Europas 2011. Bis vor 20 Jahren gehörte Tallinn zum sowjetischen Machtbereich. Doch dann brach die Sowjetunion auseinander, Estland wurde wieder unabhängig – und die KGB-Agenten verschwanden. „Alles hier ist so, wie es die KGB-Agenten 1991 eines Nachts zurückgelassen haben“, erklärt Hotelsprecher Peep Ehasalu im ehemaligen Funkraum. Das Viru wurde 1972 gebaut – ein Hochhaus mit 23 Etagen. Die staatliche sowjetische Reiseagentur Intourist buchte dort bevorzugt Westgäste ein, gewissermaßen als Arbeitserleichterung für den KGB.
Geheimagenten belauschten Gäste
In den Zimmern 307 und 315 hockten damals etwa zehn KGB-Agenten, sagt Peep Ehasalu. Sie hörten zum Beispiel mit, worüber Hotelgäste am Telefon sprachen – vor allem ausländische Geschäftsreisende, Journalisten und Diplomaten erfreuten sich ihres Interesses. Darüber hinaus analysierten sie die Berichte der Touristenführer, die Westgästen die Gassen und mittelalterlichen Stadttürme von Tallinn zeigten. Der technische Leiter des Hotels Viru, Enn Palmets, kann sich gut an die Sowjetzeit erinnern. Er arbeitet seit der Eröffnung des Hotels Viru in dem 4-Sterne-Haus. Die meisten Viru-Mitarbeiter hätten zwar gewusst, dass das Hotel mit Abhöranlagen verwanzt gewesen sei, sagt Palmets. Aber Details hätten sie natürlich nicht gekannt. Tatsächlich seien in 60 der damals 423 Zimmer Abhörgeräte versteckt gewesen.
Funkkontakt mit der Sowjetbotschaft
Die Funkstation in der 23. Etage hielt vor allem den Kontakt mit der Sowjetischen Botschaft in Finnlands Hauptstadt Helsinki, 70 Kilometer jenseits der Ostsee gelegen. Richtig viel zu tun hatten die Agenten im Hotel Viru im Jahre 1975. Damals verhandelten prominente Politiker aus Ost und West in Helsinki – es war die Schlussrunde der Konferenz für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (KSZE). Fünf Jahre später war Tallinn noch einmal hochinteressant für sowjetische Geheimagenten: 1980 kämpften dort Seglerinnen und Segler anlässlich der Olympischen Spiele von Moskau um Medaillen.
Nach der Wende wurde das Hotel Viru modernisiert. Heute gehört es zur finnischen Sokos-Hotelkette. Es hat jetzt 516 Zimmer, davon 362 Zimmer für Nichtraucher und 40 Familienzimmer. Das Viru ist weiterhin das größte Hotel und das größte Konferenzzentrum Estlands. Außerdem hat es das größte Bankettrestaurant des baltischen Landes. Die Sowjetzeit ist in Tallinn, in Estland zwar seit 20 Jahren Geschichte. Aber eine Stunde im KGB-Museum mache nun die ganze Ära verständlich und greifbar, heißt es auf der Website des Sokos Hotels Viru in Tallinn.
