
- Tango Argentino - TangoTang
Schluss mit Ausdauertraining, das Disziplin und Motivation auf eine harte Probe stellt. Beim Tango tanzen kommen Körper und Geist in Schwung. Schummriges Licht und traurig anmutende, schwere Klänge erfüllen den Raum. Mehrere Tanzpaare bewegen sich langsam über die Fläche. Die Luft im Raum scheint zu knistern. Es ist Tango Argentino Abend. Eng aneinander geschmiegt, Kopf und Schultern gesenkt, interpretieren die Paare die melancholischen Rhythmen in individuellen Bewegungen. „Seit ich Tango tanze, verzichte ich meistens auf Laufband und Fitnessstudio. Hier komme ich mit viel Spaß und in netter Gesellschaft ins Schwitzen.“ schwärmt Agnes W.(43), seit zwei Jahren begeisterte Hobby-Tangotänzerin. Sie hat erkannt, dass Tango tanzen nicht einfach nur tanzen ist, sondern den notwendigen Ausgleich zum Alltag bietet. Regelmäßig ein- bis zweimal die Woche trifft sie sich abends mit Gleichgesinnten in ihrer Tanzschule. In angenehmem Ambiente und bei netten Gesprächen tanzt sie sich fit.
Tanzen macht glücklich und schafft Nähe
Die Verbindung von Musik und Bewegung bringt Körper und Geist in Einklang. Glückshormone werden ausgeschüttet, die psychische Balance gestärkt und die Wahrnehmung des eigenen Körpers geschärft. Durch die Nähe zum Tanzpartner, den respektvollen Umgang im Tango und das Anpassen an die Bewegungen des anderen, entsteht ein Gefühl von Zugehörigkeit. Kommunikations- und Teamfähigkeit werden trainiert. Das gute ist: Fast jeder kann Tango tanzen lernen. Ob mit oder ohne Tanzpartner, örtliche Tanzschulen und Tanzsportvereine bieten Kurse für jede Könnens-Stufe an.
Ein Tanz mit Geschichte
Keine Bewegung gleicht der anderen. Beim Tango Argentino ist Kreativität gefragt. Er gilt als Tanz der Sehnsucht. Der ursprüngliche Tango aus Buenos Aires in Argentinien hat nichts zu tun mit den abgehackten, reißenden Kopfbewegungen und dem geradlinigen Gang des klassischen Tangos. Der einzigartige Klang des Tango Argentino entstand zu Beginn des neunzehnten Jahrhunderts aus einer Mischung europäischer, lateinamerikanischer und afrikanischer Musikelemente und Rhythmen. Die Bewegungen sind eher weich und Ausdruck eines wertschätzenden Miteinanders zwischen Mann und Frau. Eine gesunde Methode, sich körperlich und geistig fit zu halten.
Mental und physisch fit - bei vollem Körpereinsatz
Durch die abwechslungsreichen Vorwärts-, Rückwärts- und Seitwärtsbewegungen des Tango Argentino, bei denen sich die Paare auf engstem Raum drehen, werden Motorik und Balance gefördert und trainiert. Stoffwechsel und Immunsystem kommen in Schwung, die Muskeln werden auf vielfältige Art schonend belastet. Im Gegensatz zum konventionellen Gesellschaftstanz ist der Tango Argentino nicht von der Einhaltung bestimmter Schrittfolgen geprägt, sondern von der emotionalen Improvisation des Tanzpaares zur Musik. Das daraus entstehende Zusammenspiel mit den Bewegungen des Partners fördert Konzentration, Merkfähigkeit und Kreativität. Einer kanadischen Studie zu Folge beuge der Tango sogar der Gehirnalterung vor. Vor allem ältere Menschen könnten ihre Denkfähigkeit länger erhalten und durch die verbesserte Koordination und Beweglichkeit Stürze vermeiden. Über die Stimulation des zentralen Nervensystems wurde eine gesteigerte Hirnaktivität beim Tango tanzen festgestellt.
Nähe, Vertrauen und Hingabe
Im Tango Argentino geht es auch um das Zusammenspiel zwischen Mann und Frau. Sie wirken selbstbewusst, haben Ausstrahlung und zeigen kein bisschen Anstrengung. Beim Tango verschmelzen die Tanzpaare in der gemeinsamen Bewegung. Leistungsdruck, Langeweile und isoliertes Schwitzen sind hier nicht gefragt. Tango ist der Tanz der italienischen, spanischen und polnischen Einwanderer in Argentinien, die fernab von ihrer Heimat ihrer Einsamkeit Ausdruck verleihen wollten. Da kann es schon mal erotisch knistern, wenn die Tanzpaare in inniger Umarmung über die Fläche schweben. Dabei geht es natürlich auch um das Vertrauen in den Tanzpartner.
Klassische Rollenverteilung
Der Mann hat die Verantwortung, die Frau zu führen. Die Frau gibt sich hin und vertraut darauf, dass er alles richtig machen wird. Eine spannende Erfahrung für beide Geschlechter. Um die wahre Hingabe zu spüren, heißt es aber auch beim Tango erst einmal üben, üben, üben. Wenn ein Gefühl für den Partner und die Musik besteht, kann ein eigener Stil entwickelt werden. Zusätzlich ist der Tango Argentino neben Hobby auch Sport und beschäftigt sich intensiv mit den vielen Facetten der eigenen Körpersprache, Körperspannung, Körperachse und dem persönlichen Ausdruck. Ein Tanz mit vielen Möglichkeiten.
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