
- Tango/Show - César Coelho
Herkunft des Tango argentino
Darüber herrscht noch immer keine absolute Gewißheit - ganz gewiß stammt er aus Südamerika. Die einen sehen seinen Ursprung in Uruguay, die anderen in Buenos Aires. Mitte des 19. Jahrhunderts trafen dort verschiedenste Kulturen und Völker aufeinander. Zwischen 1880 und 1930 kamen, getrieben durch wirtschaftliche Not in ihren Heimatländern und angelockt durch ein groß angelegtes Einwanderungsprogramm der argentinischen Regierung, ca. 6 Millionen Neuankömmlinge in Buenos Aires an.
In der zweiten Hälfte des 19.Jahrhunderts tanzten Einwanderer wie Kreolen und Schwarze in den Tanzsälen, Kneipen und auf Tanzfesten Habanera, Walzer Mazurka etc. Aus diesem Potpurri städtischer Musik, vermischt mit den Gesängen der Gauchos, entstand die Milonga. Als Milonga bezeichnet man heute ebenso eine bestimmte Tanzrichtung des Tangos (schnelle, kleine Schritte, die stets abwechselnd erfolgen) ebenso wie einen Ort, an dem Tango getanz wird. Etwa um 1880 begann man auch in Buenos Aires, zu dieser Musik zu tanzen. Später verlangsamte sich diese leichte, fröhliche Musik zum ernsteren Tango.
Etwa ab 1930 wurde im Tango canciòn die soziale Not und der Liebskummer besungen.
Instrumente des Tango argentino
Das anfängliche Instrumentarium der Orchester - Klavier, Flöte, Geige, später auch Bandoneon - gilt Historikern als Beleg dafür, dass der Tango nicht in den Randvierteln entstanden sein kann, denn dort begnügte man sich bekanntlich mit den sechs Saiten der Gitarre. Heute gilt das Bandoneon als das Instrument des Tango überhaupt.
Soziale Akzeptanz des Tango argentino
In den Hafenvierteln und Vorstädten, in einem Milieu von Arbeitslosigkeit, Kriminalität und Prostitution, wurde der Tango zum Ausdruck menschlicher Existenzangst und Einsamkeit.
Hierzu ein Text der Komponisten Enrique Santos Discepólo und Luis César Amadori:
Bandoneonseele:
" Es war deine Stimme, Bandoneon, deren Stöhnen mir den Schmerz über das Scheitern anvertraute; deine Stimme, die die Tiefe des dunklen und gnadenlosen Lebens und dessen ist, der zu fliegen träumte, aber seine Ilussion herumschleppt und sie beweint."
In der argentinischen Oberschicht galt der Tango, aufgrund seines Ursprungs in der Unterschicht und den Bordellen zunächst als Ausdruck menschlicher Verkommenheit und Verarmung. Erst seit Mitte der 80er Jahre hat der Tango in Buenos Aires sein Schattendasein verlassen und erfährt in allen Schichten eine große Akzeptanz. Gerade auch bei Jüngeren und vielen Tangotouristen ist er mittlerweile sehr beliebt.
Buenos Aires - die Hauptstadt des Tango argentino
Der Tango ist in der ganzen Stadt zu Hause. Von überall her sind seine Melodien zu vernehmen, aus Radios, alten Grammophons sowie dem Fernsehsender "Sólo Tango". Überall kann es passieren, dass man an einen Platz kommt, wo sich Straßenmusiker niedergelassen haben. Sie beginnen zu spielen, Paare beginnen, sich im Tanz zu wiegen. Einen Moment lang sind alle wie verzaubert, danach geht jeder wieder seiner Wege.
Es gibt unzählige Tangobars, die gegen 23 Uhr ihre Pforten öffnen. Eben so viele Tangolehrer dürfte es in Buenos Aires geben, die ihr Wissen an in- und vor allem ausländische Tangobegeisterte weitergeben.
Musikstile und Interpreten des Tangos
Hoch verehrt werden nach wie vor Sänger wie Carlos Gardel und Komponisten wie Osvaldo Pugliese, um nur zwei zu nennen. Ebenso verehrt, wenn auch nicht ganz unumstritten ist Astor Piazzola. Er gilt als Begründet des "Tango nuevo", des neuen Tango. In seinen Kompositionen verwebt er den Tango mit Komponenten klassischer Musik und dem Jazz.
Vor allem bei jüngeren Leuten beliebt, ist der "Electro Tango", in welchem Synthysizer-Elemente zum Tragen kommen.
Der Tango erobert Europa
Seit ca. 20 Jahren ist der Tango Argentino auch in Europa angekommen. In der Öffentlichkeit wahrgenommen wurde er vor allem durch große Tangoshows, wie zum Beispiel "Tango Argentino" von Juan Carlos Copes. Jedoch steht bei deren Tänzern vor allem Artistik im Vordergrund, was zu manchen Verwirrungen geführt hat. Zwar hat der Tango auch Show-Elemente, jedoch ist es vor allem ein Tanz, der nach innen gerichtet ist, ein Tanz für Zwei. Der Charakter des Tangos besteht aus der Erdverbundenheit, aus der Umarmung, die niemals gelöst werden sollte. Mittlerweile gibt es in fast jeder größeren (und oft auch einer kleineren) Stadt Deutschlands Milongas, dies es ermöglichen, an fast jedem Abend der Woche Tanzen zu gehen.
Es ist ebenso eine hervorragende Möglichkeit für Auswärtige, Anschluß zu finden und zu tanzen.
Auch Tango-Festivals gehören in größeren Städten zum alljährlichen Reportoire.
Finnischer Tango
Es klingt lustig, ist aber Tatsache: Gerade in Finnland erfreut sich der Tango großer Beliebtheit, vielleicht, weil die Finnen den sentimentalen, melancholischen Ton des Tangos bevorzugen. In der finnischen Stadt Seijänoki findet jedes Jahr ein Tango-Festival statt, auf welchem unter den besten Sängerinnen und Sängern ein Königspaar gewählt wird. Diese haben im Folgejahr dann in ganz Finnland freien Eintritt in alle Milongas.
Wie wird Tango Argentino getanzt?
Wie bereits erwähnt, hat diese Form des Tangos nichts mit dem herkömmlichen Standard-Tango zu tun. Zwar gibt es auch hier Schrittfolgen und Figuren, die vorgegeben sind, jedoch besteht dieser Tanz aus purer Improvisation.
Der Mann führt, die Frau folgt, dies ist nichts Besonderes. Jedoch weiß die Frau zu keinem Zeitpunkt, was als Nächstes kommt. Jedoch ist der Mann darauf angewiesen, dass die Frau seine Signale erkennt und umsetzt. Die Oberkörper bleiben stets aufrecht und einander zugewandt, die Hüfte und die Beine bleiben beweglich und führen Figuren aus.
Es gibt drei Arten des Tangos: Tango Vals (Walzertakt), Milonga (kleine, schnelle Schritte), und den Tango. Daneben gibt es auch noch den Canyenge, dieser hat jedoch vor allem mit einer veränderten Tanzaltung zu tun.
Suchtpotential!
Tangotanzen hat eindeutigen Suchtcharakter! Dies wird von vielen Tänzern bestätigt. Es zu erlernen, ist schwierig, dabei zu bleiben nicht jedermanns Sache.
Jedoch ist es durch die (meist) melancholische Musik, das (meist) plüschige Ambiente mit Parkett, Spiegeln und schweren Vorhängen und natürlich das (meist) sinnliche Tanzvergnügen eine Möglichkeit, zumindest für ein paar Stunden der Realität zu entfliehen.
