
- Cover - krug & schadenberg
Bettina Isabel Rocha, Jahrgang 1970, Agraringenieurin und Autorin lässt ihre vielseitigen Interessen gekonnt in ihre schreiberische Arbeit einfließen: Als leidenschaftliche Tänzerin und Musikliebhaberin mit deutscher Mutter und spanischem Vater durchdringt eine tiefe Naturverbundenheit die Seiten des Debütromans „Tango mit Inés“. Als Verfasserin von Reiseberichten versteht es Rocha, ihre Liebe zur spanischen Kultur mit landestypischen Atmosphären und städteeigene Stimmungen zu verbinden und in lebhaften Sprachbildern auferstehen zu lassen.
"Tango mit Inés" verknüpft Genres, Zeiten und Personen
„Tango mit Inés“ entwickelt sich aus mehreren Erzählsträngen, die unterschiedliche Zeiten, Personen und Genres miteinander vereinigen. Der Autorin ist es gelungen ihren Roman zwischen Liebesroman, historischer Erzählung, Kriminalgeschichte und Stadt-/Landbeschreibung zu einem stimmigen, bildreichen Ganzen zusammenzufügen. Durch alle Teile des Romans zieht sich leise die Frage, wie weit die Liebe Entfaltung und Freiheit einschränken darf, ohne Persönlichkeit und Träume zu zerstören.
Tango, Malerei, Familiengeschichte und Geheimnis in der Fremde
Elena, Tangolehrerin aus Buenos Aires verlässt ihren Alltag, ihr Land und ihre langjährige Partnerin, um das geheimnisvolle Leben ihrer verstorbenen Tante Marí zu rekonstruieren. Die Undurchsichtigkeit von Marís Biographie fesselt Elena seit ihrer Kindheit. Einzig zwei Skizzenhefte aus dem Nachlass Marís mit überwältigenden Bildentwürfen verbinden Elena mit ihrer Tante – weder die Familie gibt Informationen preis, noch ist es Elena gelungen, Bilder ihrer offensichtlich hochbegabten Verwandten in der Kunstszene Argentiniens aufzufinden. Gefesselt von der Undurchsichtigkeit und getrieben von der Frage, wieso kein einziges Gemälde, kein Strich und kein Nachruf das Talent der Malerin öffentlich bezeugen, begibt sich die Tangotänzerin nach Gran Canaria. In Las Palmas – der Stadt, in der sich Marí Anfang der 60er Jahre aufhielt – hofft Elena, die verwischten Spuren ihrer Tante aufnehmen zu können.
Sie trifft auf Inés. Die Deutsche aus Berlin mit spanischen Wurzeln sucht Abgeschiedenheit und Ruhe auf der Insel. Stattdessen findet sie Elena und in ihr eine Frau, die sie gleichzeitig anzieht und abstößt. Der erste „Tango mit Inés“ setzt eine fast magnetische Anziehung zwischen den zwei Frauen frei. Ungewollt beginnen sich ihre Lebenswege zu überschneiden. Schritt für Schritt eröffnet sich ihnen die verworrene Vergangenheit Marís und sie stoßen auf ein bewegendes Drama – auf eine Geschichte, die ihre Auflösung erst in der Gegenwart erfahren soll.
"Tango mit Inés" stellt die unausweichliche Frage nach der Zukunft
In Rückblenden enthüllt der Roman die berührende Geschichte Marís, einer talentierten jungen Malerin. Gefangen in einer aufreibenden Beziehung wird Marí zum Opfer ihrer Liebe, wird zur Schwachstelle in einer Abmachung, die Unbedingtheit verlangt.
Der Roman verbindet Gegenwart und Vergangenheit, Buenos Aires und Las Palmas, Elena und Inés. Am Ende: Eines Rätsels Lösung, neu geknüpfte Beziehungen und die große, unausweichliche Frage: Wie geht das Leben weiter?
Empfehlenswerte Lektüre für LiebhaberInnen spanischer Landschaft und Kultur, tragisch-geheimnisvoller Familiengeschichten und starker Frauenfiguren, die in einem Sog zwischen Anziehung und Ablehnung ihre Gefühle zueinander ausloten. Verbindendes Element: Der Tango, die Leidenschaft, das Geheimnis ...
Erscheinungsdatum: Ende Februar 2010
Bettina Isabel Rocha: Tango mit Ines. Verlag Krug & Schadenberg. 272 Seiten. 16,90 €, ISBN 978-3-930041-71-8
