Den Ätna erleben

Die atemberaubende Landschaft im Osten Siziliens erleben

Vollmond über dem Ätna - Sarah Essing
Vollmond über dem Ätna - Sarah Essing
Europas größter aktiver Vulkan ist eine Reise wert. Er ist der Mittelpunkt einer einzigartigen Kulturlandschaft, in der die Menschen gelernt haben, mit ihm zu leben.

"Mongibello" nennen die Sizilianer den Ätna liebevoll in ihrem arabisch-italienischen Dialekt: "Berg der Berge". Ein Name, der erkennen lässt, wie respektvoll Europas größter aktiver Vulkan in seiner Heimat behandelt wird. Das hat seinen guten Grund, denn seit die ersten Menschen den Fuß auf dieses einzigartige Eiland setzten, nährt der Ätna eine ganze Region.

Es ist die schwarze Erde, die den Ätna trotz seiner regelmäßigen Ausbrüche zu einem Segen für den Osten Siziliens werden lässt. An seinen Hängen wachsen und gedeihen Zitrusfrüchte, Trauben und Olivenbäume wie nirgendwo sonst. Der Wein aus den Trauben am Ätna ist weltberühmt, nur hier erhält er dieses einzigartige rauchige Aroma.

Einzigartige Aussichten vom Ätna

Einzigartig ist auch eine Fahrt über die schmalen Bergstraßen hinauf zum Rifugio Sapienza. Vorbei an grünen Gärten mit Zitronen-, Birnen- und Apfelbäumen schlängelt sich die Straße empor. An den sanften Hängen bis Zafferana Etnea und dann immer steiler, vorbei an üppigen Wäldern hinauf zu schwarzen Feldern aus Lavagestein - sichtbare Zeugnisse der zerstörerischen Kraft, die diesem Berg ebenfalls inne wohnt. Bis 1.935 Meter über dem Meeresspiegel lässt sich der Ätna befahren.

Höher hinauf geht es nur noch mit dem Lift oder zu Fuß, begleitet von ausgebildeten Wanderführern, ohne die kein Ätna-Tourist einen Schritt gehen darf. Nicht nur, weil der Ätna Naturschutzgebiet ist, sondern auch, weil jeder Sizilianer um die Gefährlichkeit des Vulkans weiß. Zwar ist es möglich, die Ausbrüche, wie im September 2008 live mitzuerleben, doch wird der Sensationshunger der Besucher streng überwacht. Allein und ohne Aufsicht können die Besucher hier jedoch die Aussicht genießen. Über die schwarzen Felder mit Vulkanasche hinweg reicht der Blick von Siziliens grünstem Garten, über die schillernden Blautöne des Ionischen Meeres bis zu den grünen Gipfeln der Peloritani-Berge. Bei klarer Sicht ist sogar das italienische Festland zu erkennen. Dann allerdings ist Vorsicht geboten, denn diese Sicht ist gleichzeitig ein Indiz für einen Wetterumschwung.

Catania - Die schwarze Tochter des sizilianischen Vulkans

Tief unten leuchtet das Dächergewirr der zahlreichen Orte, die sich von Catania bis Taormina die Küste entlang schmiegen. So wie der Ätna von allen Blickwinkeln entlang der Küste die Sicht beherrscht, so beherrschend ist von hier oben der Blick auf seine Tochter. Die "schwarze Tochter des Ätna" nennen die Catanier ihre Stadt selbst. Scherzbolde beziehen das auf den allgegenwärtigen Dreck der pulsierenden Hafen- und Industriestadt. Gemeint sind allerdings die Gebäude. Nach dem verheerenden Ausbruch von Catanias Hausberg 1669, als die Stadt nur ganz knapp einem ähnlichen Schicksal wie Pompeji entging, hat man ihre Paläste und Kirchen aus eben jenem schwarzen Gestein wiedererbaut, das ihr beinahe zum Verhängnis geworden wäre. "Melior de cinere surgo" - "Blühender stehe ich aus der Asche wieder auf" lautet seit 1768 daher nicht zu Unrecht das Motto der Stadt.

Catania ist nicht schön wie Syrakus oder elegant gealtert wie Palermo. Sie ist auch kein Klischee wie Taormina. In Catania wird gelebt und gearbeitet. Auf den breiten Straßen tobt der Verkehr und auf ihren weiten Plätzen wird debattiert, argumentiert und verhandelt - gern auch mal über höhere Löhne für die Angestellten der Müllabfuhr. In den Gassen der Pescheria, dem Fischmarkt, auf dem es auch alles andere für den alltäglichen Bedarf gibt, finden sich keine Souvenirstände, hier zählt nur der tägliche Bedarf. "Wo kommst du her? Willst du frischen Oktopus kaufen?" Die Catanier kommen sofort auf den Punkt. Im Gegensatz zu anderen Regionen auf der Insel erlebt man hier keine Zurückhaltung bei der Kontaktaufnahme. Mit einem Vulkan im Rücken, bleibt für Schüchternheit keine Zeit.

Catania - Eine Stadt zum Leben und Arbeiten

Eine nervöse Betriebsamkeit liegt über der Stadt. Selbst während der sonst üblichen südlichen Siesta sind ruhige Ecken in Catania nur schwer zu finden. Sogar die Restaurierungsarbeiten am Castello Ursino gehen in der Mittagshitze weiter. 1240 für Friedrich II. erbaut, stand es einst direkt am Meer und wachte über den Zugang zur Stadt. Heute steht es inmitten eines Häusermeeres und von den blauen Wellen des Ionischen Meeres ist weit und breit keine Spur. Auch hier war der Ätna am Werk. Bei seinem Ausbruch 1669 verschoben die auslaufenden Lavamassen die Küstenlinie gen Osten. Beim Umrunden des Kastells kann man heute noch die Lavamassen erkennen, die sich vor den Mauern auftürmen.

Gepflegt und gehegt werden in Catania deshalb nicht zuletzt vor allem die Kirchen. Vor allem der Dom Sant'Agata, der Stadtheiligen von Catania geweiht, und das gegenüberliegende Nonnenkloster, die mit ihren Kuppeln und prächtigen Barockfassaden den Domplatz beherrschen. Legenden zufolge konnten 1669 die Lavaströme nur aufgehalten werden, weil die Einwohner der Stadt den Lavaströmen mit Agatas Schleier entgegeneilten. Und die Catanier vergessen nicht.

Sarah Essing - Werdegang: Lehramtsstudium Deutsch und Geschichte in Bielefeld, Volontariat, Lokal-Redakteurin, Referendariat, ...

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