„Grindhouse“, das waren in den 70er Jahren schäbige kleine Hinterhofkinos, die in erster Linie B- und C-Movies zeigten, oft gar als Double-Feature: Zwei Filme, ein Preis. Mit ihrem unter eben jenem Titel zusammengefassten Filmen „Planet Terror“ und „Death Proof“ schufen die Kultregisseure Robert Rodriguez und Quentin Tarantino 2007 eine Hommage an das untergegangene Schmuddelkino, die Filmfans erfreute und das Mainstream-Publikum vergrätzte. Sowohl in den USA als auch in Europa floppten beide Filme an den Kinokassen. Die DVD-Verkäufe laufen besser, nicht zuletzt aufgrund aufwändig produzierter Sammlereditionen. In den USA liefen beide Filme zusammen im Kino, in Europa starteten sie in etwas längeren Fassungen um einige Monate versetzt. Hauptsächlich dem Kultfaktor der Macher ist es wohl zu verdanken, dass ab dem 3. Juli auch hierzulande die Double-Feature-Fassung in die Kinos kommt, während beide Filme bereits 2007 liefen.
Planet Terror
Robert Rodriguez ist ein notorischer Vielfilmer, aber gerade seine Herangehensweise macht ihn dabei so sympathisch. Da er mittlerweile nur noch digital dreht, vorzugsweise auf HDCAMs von Sony, kann er die Drehzeit minimieren und in der Postproduktion dennoch ein Bild erschaffen, das mitunter an Perfektion grenzt. „Planet Terror“ steht in bester Tradition der Zombie- und Splatterfilme der 70er und nimmt seinen Charme, wie auch Tarantinos „Death Proof“ aus der Vielzahl an Zitaten und seinem tiefschwarzen Humor – ein Film, der sich zu keiner Sekunde selbst ernst nimmt. Es geht, kurz gefasst, um eine einbeinige GoGo-Tänzerin (Rose McGowan), den knallhart-sympathischen El Wray (Freddy Rodriguez) und den Koch J.T. (Jeff Fahey), die sich einer meuchelnden Zombie-Invasion entgegenstellen. Eine Nebenhandlung erzählt die untote Ehekrise des Ärztepaares Block (Josh Brolin und Marley Shelton) und von J.T.´s Bruder Sheriff Hague (ein überraschend jung gebliebener Michael Biehn in einer Paraderolle). Rodriguez-Fans kommen auf ihre Kosten, wenn plötzlich Carlos „El Mariachi“ Gallardo und Tom Savini auftauchen, oder auch Bruce Willis, der ohne Gage mal eben für zwei Drehtage anreiste und eine Rolle spielte, die Rodriguez noch während der Dreharbeiten schrieb. Ein hochkarätig besetztes Schlachtfest ohne Handlung, inszeniert von einem Regisseur, dessen kindliche Freude am Filmemachen sich auf den geneigten Zuschauer überträgt.
Death Proof
Eigentlich sollte Mickey Rourke die Rolle spielen, aber eine bessere Besetzung als Kurt Russel hätte Quentin Tarantino für seinen Stuntman Mike kaum finden können. Ein Film über harte Männer, schöne Frauen und schnelle ur-amerikanische Muscle Cars – näher am Klischee geht nicht. Und mehr Augenzwinkern, als Tarantino hier aufwendet, um nicht nur eine Hommage an Filme wie „Convoy“, „Gone In 60 Seconds“ oder „Fluchtpunkt San Francisco“ abzuliefern, sondern diese noch zu übertreffen, geht auch nicht. Tarantino erzählt dieselbe Story gleich zweimal. Beim ersten Mal werden süße Mädels vom irren Mike gejagt und in ihre Einzelteile zerlegt, beim zweiten Mal gerät Mike an die Falschen und muss selber bluten. Dass ganz nebenbei mehrmals Robert Frost zitiert wird, Stuntfrau Zoe Bell sich selber spielt, „Hostel“-Regisseur Eli Roth in einer Nebenrolle auftritt, ebenso wie der altgediente Haudegen Earl McGraw (der auch in „Planet Terror“ zu sehen ist) zeigt Tarantinos Detailverliebtheit und seinen Perfektionismus. Wenn er so was schon macht, dann kann er die Gelegenheit auch gleich nutzen, um das Roadmovie neu zu erfinden.
Grindhouse
Dass Tarantino selbst in beiden Filmen auch vor der Kamera steht war zu erwarten – Spaß macht es dennoch. Um dem B- und C-Kino gerecht zu werden, haben sowohl Rodriguez als auch Tarantino ihre Filme mit allerlei Filmfehlern, Artefakten, Rissen, Tonstörungen etc. versehen. Bei Rodriguez fehlt während einer pikanten Szene gleich eine ganze Rolle, bei Tarantino wird das Bild mal eben für einige Minuten schwarz-weiß. Die Platzierung dieser Elemente erfolgt dabei nicht willkürlich, sondern wird gezielt als Stilmittel eingesetzt. Die Komplettfassung von „Grindhouse“, die ab 3. Juli 2008 in den deutschen Kinos startet, enthält zudem einige Trailer zu Filmen, die es gar nicht gibt – abgesehen von „Machete“ mit Jeff Fahey und Danny Trejo. Die Idee fand Rodriguez dann doch so gut, dass er, da er ohnehin schon genügend Material zusammen hatte, innerhalb von gerade mal zwei Wochen einen kompletten Kinofilm draus gemacht hat. Genre? Exploitation, natürlich, was sonst. Kommt auch ins Kino, demnächst, gleich nach „Sin City 2“ und dem unzähligsten Teil von „Spy Kids“.
Kinofans und Nostalgiker kommen bei „Grindhouse“ voll auf ihre Kosten. Und allein aufgrund der zahllosen Zitate und Anspielungen kommt man um mehrmaliges Anschauen nicht herum, denn jedes Mal wird man Elemente entdecken, die einem vorher nicht aufgefallen sind.
Und weil’s so schön war finanzieren die Weinstein-Brüder den beiden Regisseuren gleich eine Fortsetzung von „Grindhouse“. Drehbeginn irgendwann 2009. Auch der wird an der Kinokasse ein Flop werden, das scheint sicher. Aber ist das wichtig? Ein Glück, dass solche Filme gedreht werden, und dass Liebhaber wie die Weinsteins mehr an dem interessiert sind, was sie auf der Leinwand sehen, als an dem, was übrig bleibt in Form tiefroter Zahlen.
