Tarantinos "Inglourious Basterds" im Kino

Kriegsfilm-Persiflage sorgt für Erwachsenen-Unterhaltung pur

Mit der Kriegsfilm-Persiflage "Inglourious Basterds" (unrühmliche Mistkerle) treibt Quentin Tarantino sein etabliertes Konzept von Kino-Unterhaltung auf die Spitze.

Keine Frage: Wer die originellen Kultfilme von Quentin Tarantino liebt, wird auch diesen Streifen mögen. Mit der Kriegsfilm-Persiflage "Inglourious Basterds" (zu dt.: unrühmliche Mistkerle) treibt Tarantino sein etabliertes Konzept von Kino-Unterhaltung auf die Spitze. Ein etwas anderer Film über gute Amerikaner, die im II. Weltkrieg die "bösen Deutschen" abschlachten – im wahrsten Sinne des Wortes. Dieses Rezept scheint simpel, ist es aber überhaupt nicht.

Tarantino-Film mit Überraschungen

Und das ist nur eine der positiven Überraschungen des neuen Tarantino-Films. Es gibt Gute wie Böse auf beiden Seiten, es werden Seitenhiebe in alle Richtungen verteilt, und nicht zuletzt befindet sich unter den titelgebenden "Bastarden" mindestens ein Deutscher, hier gespielt von Til Schweiger mit Grummelgesicht. Überraschung zwei ist, wie wenig darauf herumgeritten wird, dass eben nicht alles schwarz oder weiß ist: Wo in anderen Filmen Szenen oder Dialoge eingefügt werden, um zum Beispiel zu unterstreichen, dass nicht alle Deutschen auch Nazis waren, lässt Tarantino seine Geschichte einfach so passieren, wie sie eben passiert. Ohne erkennbare Agenda, ohne politisch-moralischen Zeigefinger. Und vor allem ohne Anspruch auf Wahrhaftigkeit.

Deutsche Schauspieler-Beletage

Tarantino hat nicht ohne Grund so viele deutsche Schauspieler besetzt. Neben Schweiger sind Diane Krüger, August Diehl, Michael Fassbender und Daniel Brühl prominent vertreten, dazu kommen vielerlei kleine Nebenrollen. Etwas schade ist, dass Gedeon Burkhard so wenig zu tun bekommt, denn auch er gehört zu den "Bastarden". Getragen wird der Plot weniger durch Brad Pitt als durch Christoph Waltz in der Rolle des Nazi-Oberst Hans Landa. Über seine genüssliche Darstellung eines derart fiesen Bösewichts wird noch geredet werden, wenn sich an den Rest des Films niemand mehr erinnern kann.

Pitt als Anführer hat dem wenig entgegen zusetzen, was aber vor allem an der Plattheit seiner Rolle liegt. Ein Südstaatler mit überzogenem Akzent – viel mehr Tiefe erreicht er nicht, da seine Figur sich ebenso wenig weiterentwickelt wie alle anderen. Pitt macht jedoch das Beste draus und sorgt vor allem mit seinen Versuchen, Italienisch zu sprechen, für den einen oder anderen Lacher.

Eli Roth überzeugt auf ganzer Linie

Diehl als sadistischer SS-Mann, Mélanie Laurent als rebellische Kinobetreiberin, und sogar "Hostel"-Regisseur Eli Roth überrascht positiv, indem er nicht negativ auffällt. Zu Hilfe kommt den Darstellern wohlgemerkt Tarantinos mutige Entscheidung, Deutsche wie Franzosen in ihrer Landessprache reden zu lassen. Das US-Publikum wird die ausladenden Untertitel vermutlich missmutig aufnehmen.

Dieser Film macht doppelt Spaß. Denn sobald die verschiedenen Sprachen hin und her wechseln – was übrigens gerne als Absage an jedwede Synchronfassung verstanden darf –, erhält das Projekt seinen ganzen Reiz. Dass die Dialoge so manches mal nicht an die von "Pulp fiction" heranreichen, darf nicht überraschen. Die immer wieder urkomischen Szene und Situationskomiken in diesem "amüsanten "Kriegsabenteuer" sind genug Salz in der Blutsuppe. Fazit: sehenswert.