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Tasmanien, grüner Insel-Garten Australiens

Fruchtbare Heimat von Beutelteufel, Schnabeltier & Nacktnasenwombat

Wallabies: Auch in Tazzy's gemäßigtem Klima daheim - FxReid
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Schon der Umriss der Insel im Südosten Australiens erinnert an ihren prominentesten Bewohner: Den Tasmanischen Teufel, neugieriges Beuteltier mit ganz eigenem Charakter.

Der erste Europäer, der die 68.400 Quadratkilometer kleine Insel vor der Südostspitze Australiens betrat, kam nicht als Tourist. Abel Tasman war geschäftlich unterwegs, als er 1642 im Auftrag der Niederländischen Ostindien-Kompanie erneut das Südmeer durchkreuzte, um die Eignung des bereits ansatzweise entdeckten Erdteils Terra Australis als Erweiterung des holländischen Handelsraumes zu prüfen. Doch da ihn ein neuer südlicher Kurs von Mauritius aus nach Osten führte, segelte er glatt an den achteinhalb Millionen km² Land vorbei, die er eigentlich erkunden sollte. Nicht erkennend, dass es sich um eine von Australien getrennte Insel handelte, benannte er seinen Fund Van-Diemens-Land, nach dem Generalgouverneur der niederländisch-ostindischen Kolonie Jakarta. Doch bekanntlich waren es schließlich die Briten, die Australien nachhaltig kolonialisierten und die ehemals mit der Landmasse verbundene Insel in Tasmania unbenannten.

Erdgeschichtlich einzigartige Evolution Tasmaniens in Isolation

Tasmanien kann als schwimmender Garten Australiens auf eine natürliche Entwicklung zurückblicken, die – mehr noch als beim großen Bruder im Norden – von der erdgeschichtlichen Isolation und den ursprünglichen Lebensformen des Urkontinents Gondwana geprägt wurde. In einem maritimen Klima, vergleichbar mit dem Neuseelands – durchschnittlich nur etwas kühler – haben sich von Regenwäldern über Moorlandschaften bis zu den vielfältigen Eukalyptuswäldern unterschiedliche Lebensräume formiert, die immer noch eine besonders reichhaltige Variation an Beuteltieren beherbergen. Dazu gehört der in Australien ausgerottete Beutelteufel, der durchaus auch in den Vororten der Städte auf Nahrungssuche geht, sowie verschiedene Känguru- und Wallaby-Arten, Quolls (Beutelmarder) und Wombats (Beutelbären). Ebenso vielfältig zeigt sich die endemische Vogelwelt Tasmaniens vom Papagei bis zum Emu, die Boden und Luftraum der Wälder rund um die zentrale Hochebene mit dem höchsten Punkt der Insel, dem 1.617 Meter hohen Mt. Ossa, bevölkert.

Mit der Spirit of Tasmania über die Bass-Straße nach Devonport

Die meisten touristischen Besucher Tasmaniens überqueren die 230 Kilometer der oft aufgewühlten Bass Straight von Melbourne nach Devonport auf der Spirit of Tasmania, Nachfolger jener Fähre namens Abel Tasman, die 1975 in Rendsburg vom Stapel lief. Die überschaubare Handelsstadt an der Mündung des Mersey River eignet sich mit seinen 23.000 Einwohnern bestens als beschauliche Basis für die Erkundung des nördlichen Küstenbogens, vom stürmischen Cape Grim im Westen bis zum geradezu familiären Zinnminen-Nest Derby im Osten. Die hügelige Küstenlinie vermittelt dem Neuankömmling bereits einen ersten, leuchtenden Eindruck vom allgegenwärtigen Grün der Insel, das sich besonders reichhaltig in der flauschig-grünen Nietta Gorge zwischen den Ausläufern der zentralen Hochebene zeigt. Neben der Schafs- und Milchviehzucht tragen übrigens viele Regionen der Insel mit subtropischen Farnwäldern, blühender Orchideenpracht, Lavendelfarmen oder den Mohnfeldern der Opiumgewinnung zur unvermuteten Fruchtbarkeit Tasmaniens bei.

Cradle Mountain, Lake St. Clair National Park und Tasmaniens einzigartige Tierwelt

Über die kleine Minensiedlung Waratah am gleichnamigen Wasserfall gelangt man Richtung Südosten in den Cradle Mountain National Park, eines der Schutzgebiete, die 45% der Inselfläche ausmachen. Für die durchaus anspruchsvolle Rundwanderung benötigt man rund eine Woche und eine gewisse Wetterfestigkeit, wird dafür aber mit beeindruckenden Ansichten dichten Regenwalds, malerischer Wasserfälle und rauer Heidelandschaften des UNESCO-Weltnaturerbes belohnt, auf das die Tasmanier zu Recht stolz sind. Zudem besteht die reelle Chance, neben den häufiger zu beobachtenden Beuteltieren auch Vertreter der kleinen, aber einzigartigen Prototheria-Familie in freier Wildbahn zu bestaunen: Platypus (Schnabeltier) und Echidna (Ameisenigel), beides eierlegende Säugetiere ohne Geschlecht, aber mit Kloaka. Nicht ganz so einzigartig wie die Tierwelt, doch ebenso sehenswürdig sind die gut erhaltenen Bauten im Kolonialstil wie das Bonney's Inn aus dem frühen 19. Jahrhundert, die unter anderem im zentral gelegenen Städtchen Deloraine am Meander River begutachtet werden können.

Tasman Highway und der wilde Osten bis zu Maria Island und ihrer grausamen Geschichte

Folgt man dem Tasman Highway von der zweitgrößten Stadt Launceston aus entlang dem längsten Strom der Insel namens South Esk River, so nähert man sich merklich der milden Ostküste, deren widersprüchlicher Mix aus finsterer Geschichte und sonnigem Urlaubsflair einen ganz eigenen Reiz entwickelt. St. Marys beispielsweise ist ein verschlafenes Fischerdorf und Dorado für Angler, bietet aber ebenso unvergessliche Ausblicke der Küste und des Elephant Pass sowie der Surfstrände im Norden. Weitere dörfliche Küstenorte wie Bicheno und Swansea bekräftigen mit weniger als 1.000 Einwohnern besonders den Eindruck, dass es den Großteil der Menschheit nie an diese abgelegenen Gestade verschlagen wird. Lässt man die Halbinsel des Freycinet Nationalparks unbeachtet hinter sich – was man besonders Freunden unberührter Küstenschönheit und ihrer tierischen Bewohner nicht empfehlen kann – bekommt man in Triabunna einen ersten Eindruck der grausamen Geschichte, die die frühen Jahre Australiens und ihrer Inseln wie der vorgelagerten Maria Island geprägt hat.

Vom der Gefängnisinsel zum Freiwild-Paradies im Naturschutzgebiet

Die Walfänger- und Garnisonsstadt Triabunna diente als Versorgungs-Stützpunkt der Gefängnisinsel, wo Sträflinge aus ganz Australien unter unmenschlichen Bedingungen verwahrt wurden – touristische Übernachtungen in den Haftgebäuden sind mittlerweile möglich. Auch Maria Island ist heute Naturschutzgebiet und vornehmlich von Wombats und Emus bewohnt. Als Touristenattraktion noch bekannter ist allerdings Port Arthur, von 1830 bis 1877 Haupt-Gefangenenlager auf der im Südosten anhängenden Tasman Peninsula. Der allerdings nur einseitig unüberwindbare Zugang zur Halbinsel bei Eaglehawk Neck sicherte die nach und nach zur größten Sträflings-Anstalt ganz Australiens anwachsende Siedlung, von der heute einige Bauten wie das eigentliche Gefängnisgebäude, die von Sträflingen errichtete Kathedrale sowie das Sägewerk der historischen Bush Mill besichtigt werden können. Vielmehr heimlicher denn unheimlicher Mittelpunkt des touristischen Angebotes ist aber wohl der Tasmanian Devil Park, wo man Fütterungen jener freilebenden Teufelstierchen beobachten kann, die neben ihrer Neugier und Angriffslust eben auch für ihren strengen Körpergeruch bekannt sind. Doch an den Küsten Tasmaniens regt sich immer auch etwas Wind, um damit durchaus leben zu können.

FxReid Ständiger Autor Australien&Ozeanien-Reisen, © FxReid

Felix Reid - Ständiger Autor im Ressort Australien- & Ozeanien-Reisen; Freier Autor für unterhaltsame Golfsport-Beiträge; Ghostwriter ...

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