
- Polizeiabsperrung wie im beliebten Tatort - Karl-Heinz Laube
Im Angesicht der vielen US-amerikanischen Serien, die auf den deutschen Zuschauermarkt strömen, ist die Frage nach den beliebtesten TV-Serien in Deutschland immer wieder spannend – könnte man meinen. Doch wenn man einen Blick auf die von meedia.de veröffentlichte Statistik wirft, wird deutlich, dass sich deutsche Produktionen keine Sorgen machen brauchen.
Meedia erforscht die Lieblings-Fernsehserien der Deutschen
Im Erhebungszeitraum vom 14. November 2009 bis zum 13. November 2010 wurde untersucht, wie viele Menschen durchschnittlich welche Serien schauen. Die Liste der Top 25 der beliebtesten Fernsehserien der Deutschen wird vom Tatort angeführt, gefolgt von Um Himmels Willen, Polizeiruf 101 und Tierärztin Dr. Mertens.
Vertreten sind auch Klassiker wie Das Traumschiff, Der Alte, Die Rosenheim-Cops und Der Landarzt. Erst auf Platz 19 findet sich die erste US-amerikanische Serie – CSI-Miami mit 4,12 Millionen Zuschauern durchschnittlich. Danach folgt Dr. House mit 4 Millionen Zuschauern durchschnittlich. Zum Vergleich: Tatort, unbestrittene Führungsposition, kommt auf 7,8 Millionen Zuschauer im Durchschnitt.
Tatort – beliebteste Kriminalserie mit Tradition
Die erste Folge der beliebtesten Fernsehserie der Deutschen flimmerte 1970 über die Bildschirme. Tatort ist eine Gemeinschaftsproduktion der neun ARD-Rundfunkanstalten, des ORF und des Schweizer Fernsehens. Die 90 Minuten dauernde Kriminalserie läuft immer Sonntags zur Hauptsendezeit um 20:15 Uhr im Ersten.
Am 29. November 1970 lief Taxi nach Leipzig, die erste Folge von nunmehr über 780 Episoden. Es existieren weitere 13 Zusatzfolgen. Sie sind österreichische Eigenproduktionen. In jeder Folge steht der jeweilige Ermittler im Vordergrund. Dadurch wechseln die Schauplätze regelmäßig von Berlin über Hamburg bis nach München und vielen weiteren Städten mehr. Grund sind die unterschiedlichen beteiligten Rundfunkanstalten.
Besonderheiten der Serie Tatort
Nicht nur die wechselnden Kriminalermittler und Schauplätze sind Besonderheiten der Serie. Sie sind nur ein Grund, warum sich der Tatort solcher Beliebtheit sicher sein kann. Die speziellen Akzente, die nicht jede Kriminalserie setzt, macht sie anders. Man begann vom Konzept des „gewöhnlichen“ Verbrechens abzurücken. Die kriminalistische Aufklärung kann kaum genug Stoff aufwerfen, um eine Serie über 40 Jahre lang am Leben zu erhalten. Somit gab man mehr Tiefe. Inhalte, die den Zuschauer zum Mitdenken anregen und einen Blick über ihren eigenen Horizont bieten.
1980 wurde mit Kommissar Schimanski ein Mann der Arbeiterklasse in die Serie eingeführt. Und damit begann die Thematisierung der Konflikte verschiedener Schichten. Auch die Teilung Deutschlands wurde nicht nur einmal Gegenstand. Schon in der ersten Folge, Taxi nach Leipzig, fand sich dieses gesellschaftliche Problem. 1976 in Transit ins Jenseits und 1999 in Unter Brüdern wurde es wieder aufgegriffen.
Seit einiger Zeit werden Einblicke in unterschiedlichste Milieus geboten. Milieus, die den durchschnittlichen Tatortzuschauer im alltäglichen Leben verborgen bleiben. So stehen auch die ermittelnden Kommissaren vor der Herausforderung, sich in die fremdartigen Milieus einzudenken.
Gegebene gesellschaftliche Tendenzen und Probleme aufgreifen, den Zuschauern Tiefe und Greifbarkeit bieten mit überzeugenden Schauspielern und spannenden Fällen – das scheint das Rezept einer erfolgreichen deutschen Fernsehserie zu sein. Ein Rezept, das dem Tatort auch in diesem JahrPlatz eins der beliebtesten deutschen Fernsehserien einbringen kann.
Bildquelle: Karl-Heinz Laube / pixelio.de
