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Ein kleines Land im östlichen Himalaya hat mit seiner öffentlichen Aussage, man wolle sich nicht nur auf das Bruttoinlandsprodukt sondern mehr auf das Bruttonationalglück konzentrieren, viel Aufmerksamkeit in den Medien gefunden. Gerade in den Industrienationen, in denen materieller Reichtum nicht automatisch zu mehr Lebenszufriedenheit geführt hat, suchen zunehmend mehr Menschen nach etwas, das persönliches Glück und wirtschaftliche Sicherung miteinander verbindet.
Haben alte Wirtschaftsordnungen ausgedient?
Die kommunistische Planwirtschaft hat in den ehemaligen sozialistischen Staaten bereits ausgedient, viele osteuropäische Länder und China versuchen, zumindest ökonomisch an die Wirtschaftsordnung freie Marktwirtschaft anzuknüpfen. Auch die hat mit ihren kapitalistischen Auswüchsen massive Kratzer im Lack. Gerade nach der letzten, ganz großen Wirtschafts- und Finanzkrise wissen viele Normalbürger nicht mehr, wem sie ihr Geld noch anvertrauen können und wie sicher ihre Arbeitsplätze sind. Der soziale Gedanke scheint gerade in Volkswirtschaften mit ausgeprägtem Marktglauben nicht viel zu zählen. Die Soziale Marktwirtschaft, wie wir sie in Deutschland kennen, versucht zwar, einen Zwischenweg zu gehen und gibt jeden dritten erwirtschafteten Euro für soziale Zwecke aus. Doch um ein solch hohes Niveau halten zu können, ist auch die deutsche Wirtschaft auf ein jährliches Wachstum des Bruttoinlandsprodukts angewiesen.
Das Bruttonationalglück in Bhutan
Bruttonationalglück stellt nachhaltiges Wirtschaften und Mitmenschlichkeit ins Zentrum seiner Grundsätze. Die Vier Säulen des Bruttonationalglücks sind
- eine nachhaltige, sozio-ökonomische Entwicklung
- die Förderung einer nachhaltigen Umwelt mit speziellem Blick auf die Himalaya-Region
- Bewahrung der Kultur
- gute Regierungsführung
Einkommen, darüber ist man sich dabei einig, ist wichtig um grundlegende materielle Bedürfnissezu befriedigen. Gesundheit, Erziehung, die intellektuelle Fortentwicklung und der bewusste Umgang mit Zeit gehören aber ebenfalls dazu. Eine eigene Kommission wacht über die Einhaltung dieser Prinzipien. Sie prüft sämtliche Vorhaben des Landes auf Konformität mit diesen Gedanken und sorgt dafür, dass jeder Bürger ökonomisch am Leben teilhaben kann und in gleicher Weise Zugang hat zu Gesundheitswesen, Erziehungswesen, religiösem Leben.
Wirtschaftswachstum bis zur Wirtschaftskrise
Die letzte Wirtschaftskrise kam nicht aus dem Nichts. Besonnene Ökonomen warnten schon lange vor einem Kollaps des Finanzsystems. Zu überschaubar war der Trend hin zu immer mehr Luftnummern, die aus der Gier – aller Beteiligten - nach immer mehr materiellem Profit, immer mehr Wachstum, entstanden. Denn Geld ist nun einmal nicht unendlich vermehrbar. Wer den kleinen Wirtschaftskreislauf kennt, der die Basis für alle volkswirtschaftlichen Theorien ist, der weiß das. Im kleinen, dem statischen, Kreislauf, gibt es nur zwei Teilnehmer. Die Unternehmen (U) und die privaten Haushalte (HH). Zwischen diesen Sektoren fließen Geld und Güter hin und her. So stellen HH ihre Arbeitskraft zur Verfügung und erhalten Geld. Mit diesem Geld wiederum kaufen sie Güter bei den U. Im statischen Modell gibt es keine Entwicklung. Dynamik entsteht in der nächsten Stufe, wenn Banken, Staat und Ausland dazu kommen und gespart und investiert wird, man Steuern bezahlt und Transferleistungen des Staates entgegennimmt.
Nur- das Grundprinzip bleibt gleich. Ein HH kann nur maximal so viel Geld ausgeben, wie er verdient, ein U nur soviel einnehmen, wie man ihm gibt. Verdient der HH kein Geld, kriegt das U nichts an ihn verkauft. Kauft der HH nicht ein, kann das U keine Stellen schaffen. Der Geldstrom fließt zwar, vermehrt sich aber nicht auf wundersame Weise, wie das Aktienkurse oder Kredite vielleicht vorgaukeln mögen.
Wirtschaftswachstum und seine Kosten
Wirtschaftswachstum in den Industrienationen war also immer auch an andere Komponenten gekoppelt: Man hat sich der Ressourcen anderer Länder bedient, wie es beispielsweise in der Kolonialzeit der Fall war. Oder man hat Waren dort herstellen lassen, wo sie billiger produziert werden konnten, wie es immer mehr multinationale Unternehmen tun, wenn sie ganze Produktionsstätten schließen um sie woanders wieder aufzubauen.
Raubbau mit der Umwelt, Ausbeutung von menschlicher Arbeitskraft, sogar Kinderarbeit, mangelnde Sicherheitsstandards und einiges mehr sind die Währung, mit der dieser Fortschritt bezahlt wird. Zunächst einmal profitieren beide Seiten. Die Industrienationen bekommen billige Waren, in den Herstellerländern werden Arbeitsplätze und eine gewisse Infrastruktur geschaffen. Wer aber am Ende mehr profitiert, das kann durchaus kontrovers diskutiert werden. Vermutlich sind es nicht die ärmeren Länder. Sobald sich der Wohlstand dort mehrt, steigen auch die Preise für die volkswirtschaftlichen Produktionsfaktoren Boden, Arbeit, Kapital. Die Chose wird für den Auftraggeber unrentabel, er zieht womöglich ungerührt weiter ins nächste Land. Multinationale Firmenmultis haben, so kann durchaus vermutet werden, keinerlei Bindung an Standorte und Menschen.
Wirtschaft und Buddhismus
Es gibt aber nun eine neue Betrachtungssweise von Wirtschaftswachstum, die so ganz anders klingt. Im Buddhismus ist die Gier eines der drei Grundübel, die Menschen unglücklich macht. Ausgerechnet eines der ärmsten Länder der Welt, das buddhistische Königreich Bhutan, macht es nun den reichen Nationen vor, wie eine neue, mehr dem Menschen und der Umwelt entsprechende Wirtschaftsordnung aussehen kann. Nachhaltiger Reichtum, so die Devise, ist an Respekt vor Natur und anderen Lebewesen geknüpft. Spiritueller Reichtum entsteht, wenn ethische Werte Eingang in wirtschaftliche Überlegungen finden. Dafür hat man in Bhutan ein eigenes Wort geprägt, das Bruttonationalglück.
Müssen wir alle Buddhisten werden?
Eine Wirtschaftsform wie in Bhutan setzt eine gewisse Geisteshaltung voraus, die in Industrienationen nicht gegeben sein kann. Sie bietet aber Denkansätze, die einen Ausweg aus dem Dilemma der gescheiterten Wirtschaftssysteme weisen. Glaubt man dem Dalai Lama, braucht man dazu aber nicht unbedingt zuerst andere Politiker und muss auch nicht Buddhist sein. Vielmehr habe jeder Mensch Verantwortung für die Welt, indem er sich stets in jedem Moment dafür entscheiden kann, moralisch zu handeln. Eben auch wirtschaftlich moralisch. Wie das gehen kann, zeigt das Magazin Buddhismus aktuell.
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Quellen:
- Statistisches Bundesamt, Wiesbaden
- Glück als Ziel von Entwicklung. Interview mit dem Regierungschef von Bhutan Jigme Thinley, erschienen in "Buddhismus aktuell" Ausgabe 2/2010.
