Mykola Ridnyi, Ganna Kriventsova und Serhiy Popov sind die Namen der drei Personen die hinter der Künstlergruppe SOSka stehen. Mit ihren Kunstaktionen werfen sie ironische und kritische Blicke auf gesellschaftliche Normen. Eine wunderbar humorvoll und kritische Auseinandersetzung mit dem Prozess der Globalisierung ist den drei ukrainischen Künstlern mit ihrer aktuellen Videoarbeit „Barter“ gelungen.
Kunstausstellung an der Scheunenwand
Barter heißt auf amerikanisch soviel wie Tausch/Austausch und bezeichnet sämtliche Formen der geldlosen Zahlungssysteme. Dieser Tauschhandel wird mit den Bewohnern eines kleines Dorfes nahe der Stadt Kharkov in der Ukraine betrieben. Der von bäuerlichen Strukturen geprägte Ort ist Schauplatz dieses ungewöhnlichen Projektes. Drucke der Arbeiten von Cindy Sherman, Neo Rauch, Sam Taylor-Wood, Andy Warhol und anderen international bekannten Lieblingen des Kunstmarktes, wurden hier an Scheunenwänden ausgestellt und zum Tausch gegen Agrarerzeugnisse angeboten, wobei der Preis vom Käufer bestimmt wurde.
Naturalien statt Geld
In amüsanter Weise wird verdeutlicht, wie das ländliche Wertesystem den entwickelten Kapitalismus einfach ersetzt. So entschied sich eine alte Bauersfrau für ein Bild von Neo Rauch und bot einen Sack Kartoffeln dafür. Zwei Duzend Eier wechselten für einen Druck von Roy Lichtenstein den Besitzer. Sogar ein lebendiges Huhn („any chicken I can catch“) wurde gegen Kunst getauscht. Die Bilder waren bei den Dorfbewohnern gefragt, jedoch nur als Dekorationsgegenstand in den eigenen vier Wänden. Nach eigenem Bekunden hätte keiner der "Kunsttauscher" ein solches Bild an Freunde verschenkt. Dafür wurde der Wert als zu gering eingeschätzt.
Vor allem Subjektive Kriterien ausschlaggebend
Interessant sind auch die Auswahlkriterien der bäuerlichen Kunstkäufer. Die Befragungen nach den jeweiligen Tauschgeschäften zeigten, dass die Auswahl ausschließlich nach praktikablen und subjektiven Impulsen getroffen wurde. Antworten wie „das Model sieht aus wie meine Enkeltochter“ oder „der alte Mann auf dem Bild passt gut in das Schlafzimmer und außerdem erinnert er mich an meinen Großvater“ ließen diese Aussage entstehen und repräsentieren sinnbildlich die Funktion von Kunst im täglichen Leben.
Ausstellung auf der Viennafair 2009
Auf der Viennafair 2009 zeigte die Wiener Galerie Hubert Winter die Videoarbeit „Barter“ von der SOSka group erstmals in Österreich. Durch die erfrischende Art des Videos fühlten sich die Messebesucher veranlasst immer wieder an den Stand zurückzukehren und sich mehrmals diese amüsante Auseinandersetzung mit den Regeln des überspannten Kunstmarktes anzusehen. Bedauerlicherweise lässt sich das Video selber leider nicht "bartern", sondern muss mit echtem Geld bezahlt werden. Die Kunst-DVD der SOSka group, die in einer Auflage von 5 Stück erschienen ist, kostet 3.500,00 EUR. Schade! Wie reizvoll wäre doch der Gedanke, mit einer Kiste Tomaten, Obst oder einem halben Schwein in die Galerie zu gehen und mit einem Kunstwerk wieder herauszukommen.
