Tauschring – Fähigkeiten und Talente tauschen

Auf Tauschbörsen werden Leistungen und Flohmarktartikel gehandelt

Flohmarktartikel einfach auf Tauschbörsen handeln - Sigrid Stephenson
Flohmarktartikel einfach auf Tauschbörsen handeln - Sigrid Stephenson
In Tauschbörsen wird Geld gespart und Geselligkeit gewonnen. Was einer hat oder kann, braucht der andere. Abgerechnet wird mit Zeitkonten. Gelebte Nachbarschaftshilfe!

In vielen Orten gibt es sie schon – florierende Tauschringe. Und das nicht erst seit heute. In Zeiten der Wirtschaftskrise und knapper werdender finanzieller Mittel jedoch ist die uralte Rolle des Tauschhandels wieder hochmodern geworden. Wenn die Mitglieder nicht Nachbarn sind, so können sie doch bald zu Freunden werden. So entwickelt sich eine Art gelebter Nachbarschaftshilfe oder auch eine unkomplizierte Unterstützung unter Freunden.

In Tauschbörsen gibt es Fensterputzen gegen Hilfe bei Computerproblemen

In solchen Kreisen werden Fähigkeiten und Talente getauscht. Das eine Mitglied putzt gerne Fenster blitzeblank, das andere ist fit im Marmeladekochen, das dritte kennt sich mit Computerproblemen aus. Auch Waren im weitesten Sinne wechseln auf diese Art den Besitzer. Einer hat im Frühling Setzlinge für den Garten abzugeben, der andere löst seine Briefmarkensammlung auf.

Gnialer Tausch ohne direkte Gegenseitigkeit mit Nutzen für alle Mitglieder

Das Geniale an der Idee: Man tauscht nicht direkt gegeneinander, denn oft sucht der eine nicht unbedingt das, was der andere im Gegenzug zu bieten hätte. Vielleicht ist ein Engländer in der Runde, der mit Vergnügen – und mit einschlägigem Wissen – Nachhilfe in seiner Muttersprache anbietet. Mag sein, ein begabter Hobbyfotograf möchte auf der Hochzeit eines anderen Mitgliedes fotografieren. Auch Flohmarktartikel, also nicht mehr benötigte schöne Dinge, können gegen Minuten getauscht werden. Man nimmt und gibt und kann darauf vertrauen, dass die Rechnung am Ende wohl aufgehen wird.

Mit Regeln für Fairness im Tauschhandel sorgen

Ein kleines Problem gibt es allerdings schon: Börsenmitglieder müssen Schulden machen dürfen, denn da der Tausch nicht direkt ist, lässt sich das zu Anfang in der Regel nicht vermeiden. Die Mitglieder einigen sich auf eine Höchstanzahl von Minusstunden. Wer so ausgebufft ist, dass er Leistungen in Anspruch nimmt und dann den Kreis verlässt, ohne seinen Teil des Deals erfüllt zu haben, ist ausgesprochen unfair und widerspricht damit dem Tauschgedanken. Dem sollte durch feste Regeln vorgebeugt werden.

Geniales Bonussystem getauscht wird kreuz und quer

Wer etwas erwirbt, zahlt in Minuten. Eine Stunde ist eine Stunde, egal was in dieser Zeit füreinander getan wird. Dass ein ausgebildeter Fotograf im normalen Leben pro Stunde wahrscheinlich mehr verdient als ein Babysitter, ist in diesem Bonus-System nicht von Belang. Alle sind gleich.

Jedes Mitglied hat ein Zeitkonto, auf dass die Zeiteinheiten eingezahlt beziehungsweise von wo sie abgebucht werden können. Ein gerechte und überaus praktische Sache.

Was braucht man für eine florierende Tauschbörse oder zur Gründung eines Tauschrings?

  1. einen Raum für gelegentliche Treffen – denn wer sich persönlich kennen lernt, kommt auf Ideen, die er sonst gar nicht gehabt hätte. Im direkten Gespräche lassen sich Tauschgeschäfte oft erstaunlich schnell aushandeln
  2. eine Hompepage oder eine monatlich gedruckte kleine Zeitung mit Angeboten und Nachfragen
  3. eine Mitgliederliste mit Namen, Telefonnummern und eventuell Mailadressen
  4. ein Mitglied, das sich für die Organisation verantwortlich fühlt
  5. viele weitere Mitglieder, die am sozialen Austausch und an der Idee des Gebens und Nehmens ihre Freude haben
  6. Menschen, die Keller und Garagen leer räumen oder nicht geliebte Weihnachtsgeschenke los werden möchten und im privaten Kreis nicht Verkäufer auf Flohmärkten sein wollen, sondern faire Tauschpartner

Tauschtreffen im Wohnzimmer, im Garten oder in der Kneipe

Für die Treffen muss man nicht unbedingt das eigene Wohnzimmer zur Verfügung stellen, obwohl das bei einem relativ kleinen Kreis natürlich möglich ist. Oft gibt es in städtischen oder kirchlichen Einrichtungen Räume zu mieten oder man trifft sich zum Tauschring-Stammtisch in einer Gaststätte. Bei schönem Wetter kommt man möglicherweise im Garten eines Mitglieds zusammen und der Gartenbesitzer kann bei dieser ganz besonderen Gartenparty vielleicht gleich ein paar reife Himbeeren gegen ausgediente Schnittmusterhefte tauschen.

Wer auf den Geschmack gekommen ist und die Tauscherei einfach toll findet, kann sich auch im Internet umsehen – auf der Suche nach seriösen Tauschbörsen, zum Beispiel für Bücher und Filme.

Sigrid Ruth Stephenson, Sigrid Ruth Stephenson

Sigrid Stephenson - Als Zehnjährige begann ich, meiner kleinen Schwester aus dem Stegreif Geschichten zu erzählen. Etwas später setzte unser ...

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