
- Te Araroa, einer der östlichsten Orte Neuseelands - FxReid
Neuseeland scheint wie geschaffen für ausgedehnte Wanderungen durch die vielschichtigen Landschaften, die die zwei neuseeländischen Hauptinseln zu einem beliebten Reiseziel für Naturfreunde machen. Lange schon gibt es über das ganze Land verteilt zahlreiche Wanderrouten von wenigen Stunden bis zu mehreren Wochen Wanderzeit, die auch in ihren Ansprüchen äußerst unterschiedlich sind. Für kurze Abstecher in den Regenwald ist meist keine besondere Ausrüstung nötig, doch die längeren Tracks im Zentrum der Nordinsel erfordern streckenweise mehr Vorbereitung. Wer es ganz genau wissen will, kann Neuseeland nun auf ganzer Länge durchwandern, zunächst 1.615 Kilometer vom Cape Reinga an der Nordspitze der Nordinsel bis nach Wellington an der Cook Straight. Dabei haben die Zuständigen des Te Araroa Trust eine Strecke gewählt, die zu 35 Prozent bereits bestehende Wandertracks einbezieht und dem ambitionierten Wanderer auf dem am 03. Dezember 2011 eröffneten Te Araroa unvergleichlich viel Neuseeland zeigen soll.
Der Startpunkt des Te Araroa am Cape Reinga bis zur Bay of Islands
Der offizielle Startpunkt des Te Araroa liegt bei den Koordinaten 34° 25′ 26″ Süd und 172° 40′ 39″ Ost an einem der nördlichsten Punkte Neuseelands, dem nur über holprige Sandpisten zu erreichenden Cape Reinga. In der Sprache der Maori bedeutet Reinga so viel wie Absprungsplatz und passt damit ganz gut zum Start von The Long Pathway, wie der Wanderweg auch genannt wird – auch wenn die Maori die Landspitze zwischen Tasmansee und Pazifischem Ozean als postmortalen Startpunkt in das mythische Hawaiki ansehen und nicht als Freizeitvergügen. Von hier geht es die Westküste hinab am Cape Maria van Diemen vorbei entlang der aussichtsreichen Küste und einer Menge Sandstrand. Denn Twilight und Kahokawa Beach sind nur die kleinen Vorboten dessen, was Neuseelands sandige Küsten so zu bieten haben. Nachdem die ersten 102 Kilometer des Ta Araroa tatsächlich einen Küstenwanderweg bilden, entfernt sich der Track bei der Ortschaft Ahipara von der Küstenlinie und führt über die Kaitaia-Awaroa-Road nach Osten in die Waldgebiete des zentralen Northlands, wo im nativem Regenwald der eine oder andere Kauri-Baumriese zu bestaunen ist. Bei Kilometer 214 ist mit Kerikeri die erste größere Stadt Northlands erreicht. Bei Kilometer 240 kommt wieder der Pazifik in Sicht, und zwar jener Teil, der die sanften Wellen der Bay of Islands formt. Im kleinen Fährhafen Opua ist vorgesehen, das historische und überaus sehenswerte Russel links liegen zu lassen und als erste Überfahrt des Te Araroa die Fähre über das Weikare Inlet zu nehmen.
Der Te Araroa von der Pazifikküste Northlands über Auckland nach Hamilton
Doch darf man nicht vergessen, dass der Te Araroa nicht zum Ziel hat, alle Sehenswürdigkeiten Neuseelands zu berücksichtigen, sondern das Land von Nord nach Süd zu queren. Über die buchtenreiche Pazifikküste Northlands geht es weiter entlang der sonnigen Urlaubsgebiete der Aucklander wie den Tauchrevieren der Tutukaka Coast, die abseits von Saison und Stränden durchaus einsames Wandern ermöglichen. Bei Kilometer 362 muss bei der nächsten regionalen Kleinstadt der Whangarei Harbour gequert werden, wonach es – meist nur abgelenkt durch Flussmündungen – immer weiter entlang von Küste und Strandabschnitten hinab in Richtung Auckland geht. Je näher man der größten Stadt Neuseelands kommt, desto enger rücken die Siedlungen zusammen, bis der Ta Araroa-Wanderer schließlich bei Kilometer 550 die unterschiedlichen Vororte Aucklands am Hauraki Gulf streift. Erst 110 Kilometer weiter südöstlich sind die weitläufigen Stadtteile Aucklands durchquert und erneut ein seenreiches Waldgebiet erreicht, aus dem man entlang der Ufer des Wikato Rivers in jene Ebenen nördlich von Hamilton gelangt, die von Landwirtschaft und Pferdezucht geprägt sind. Parallel zum State Highway 1 am gegenüberliegenden Flussufer geht es weiter nach Süden, bis die Universitätsstadt Hamilton bei Kilometer 757 in Sicht kommt – eine der wenigen neuseeländischen Metropolregionen ohne Meerblick.
In die Hügel von Waikato bis zu den Bergetappen am Lake Taupo
Am Ufer des Lake Rotoroa tut es der Wegverlauf dem Highway 23 gleich und knickt nach Westen ab – und entfernt sich damit endgültig vom Ort Te Araroa am Eastcape, der ursprünglich den Namen des Long Pathway trägt. Südlich von Hamilton wird die Landschaft des King Country allmählich hügeliger, der wildere Verlauf des Te Araroa passt sich zusehends den topografischen Gegebenheiten des Terrains an. Auch wenn der Track zwischendurch wie um Kilometer 910 dem Straßenverlauf folgt, sind doch die meisten der 300 Abschnitte Teil des Netzes von Wanderwegen und beschilderten Waldpfaden durch geschütztes Gebiet, die von Anwohnern und dem Te Araroa Trust instand gehalten werden – wofür die Regierung fast 4 Millionen NZ-Dollar zur Verfügung stellt. In den Hochwäldern sind die längsten einsamen Abschnitte durch die Berge zu meistern, bis jenseits des Lake Taupo ab Kilometer 1070 die Hänge um den Mt. Ngauruhoe über 1.500 Höhenmeter als erster alpiner Höhepunkt des Tracks durch den Tongariro National Park gelten können. Besonders auf diesem Abschnitt des Te Araroa ist auf das eigenartige Wetter Neuseelands zu achten, da nicht umsonst das einzige ausgewachsene Skigebiet der Nordinsel hier im Nationalpark liegt. Im Tal des Retaruke River geht es nach der Bergetappe zur Abwechslung mal für 12 Kilometer nach Norden – dann bricht der Track ab, um sich wieder nach Westen zu orientieren.
Auf dem Whanganui River an die Küste der Taranaki Bight und die Cook Straight
Entlang weiterer Flusstäler geht es bis zu einer Schleife des Whanganui Rivers, wo ab Kilometer 1192 per Flussfähre die Füße geschont werden können. Die stromreiche Hügellandschaft des Whanganui Rivers, die am Ufer einige DOC-Hütten als Übernachtungsmöglichkeit bietet, zieht sich bis zur Mündung an der Westküste bei der Stadt Wanganui, wo die Flussfahrt endet. Aus der Stadt mit der aufmunternden Victoria Avenue führt der Highway 3 nach Südwesten und stellt mit rund 60 Kilometern die vorerst längsten Bypass-Abschnitt des Te Araroa entlang einer Straße dar. Durch dichter besiedeltes Gebiet lässt man Orte wie Bulls, Bunnythorpe und Palmerston North hinter sich – Bulls übrigens eine Handvoll Straßen um den Highway, deren Bewohner die lokale Identität in Wortspielen kommunizieren. Auf Ex-Milchkannen-Mülltonnen steht ›Respons-i-Bull‹, und selbst die lokale christliche Gebetsanstalt spielt dankbar mit ›Forgive-a-Bull‹. Von Palmerston sind es lediglich wenige Kilometer bis in die waldigen Westhänge der Tararua Range, deren Durchwanderung nach rund 120 Kilometern bei Wikanae Beach erneut an der Tasmansee endet. Die letzten der 1.610 Gesamtkilometer des nördlichen Te Araroa folgen dem Highway 1 die Küste entlang bis in die Hauptstadt Wellington an der wilden Cook Straight.
Hier finden sich weitere Informationen zum Long Pathway auf der Südinsel sowie ausführliches Kartenmaterial des Te Araroa Trust
