
- Christian Knees bei der Bayern-Rundfahrt 2008 - Nils Bräutigam
Es klingt wie eine Schreckensnachricht für das Team Milram um den sportlichen Leiter Garry von Gerwen: Sein Team bekommt keine Starterlaubnis zur zweiten Veranstaltung der ProTour, der einwöchigen Rundfahrt Paris-Nizza. Die "Fahrt zur Sonne" findet ohne die deutsche Mannschaft statt, da nur die ersten 17 der aktuellen Weltrangliste und noch fünf weitere regionale Teams eingeladen werden. Auf Grund der (sagen wir mal) bescheidenen Ergebnisse der vergangenen Saison ist Milram auf die hinteren Ränge, genauer auf den 18. Platz, abgerutscht und muss um Einladungen bei den großen Rennen bangen.
Die große Macht der Veranstalter
Verantwortlich für diese Entscheidung ist der Veranstalter Amaury Sport Organisation (ASO) mit Sitz in Frankreich, dessen Macht im internationelen Radsportzirkus immense Höhen erreicht. Mit den Frühjahrsklassikern Paris-Roubaix, Lüttich-Bastogne-Lüttich sowie die Rundfahrten Dauphine Libere und natürlich der Tour de France haben die Mannen um Jean-Étienne Amaury ein hochkarätiges Portfolio zu bieten. Daher kann man es sich auch leisten, sich mit der UCI hinsichtlich der Genauigkeit der Doping-Proben anzulegen und die Französisische Anti-Doping Organisation (AFLD) von der Tour auszuladen, wie 2009 geschehen. Die UCI durfte im letzten Jahr wieder die Funktionen übernehmen, was als klug überdachter Schachzug des Organisators, des Tour-Direktors Christian Prudhomme, interpretiert werden kann. Das Muskelspiel zwischen Organisatoren, Weltradsportverband UCI und den Antidoping-Verantwortlichen soll in dieser Saison nun beigelegt werden, denn der Aufruhr der letzten Jahre hat dem Radsport viel mehr geschadet, als die Verfehlungen der Sportler.
Teamsterben geht weiter
Denn neben Milram kämpfen noch drei weitere Teams um ihr Fortbestehen und neue Geldgeber. Der Konzern Nordmilch aus Bremen hat ebenso angekündigt, sein Engagement zum Saisonende einzustellen, wie Saxo-Bank, Caisse d'Epargne und BBOX Bouygues Telecom. Studien belegen, dass ein Sponsoring in der obersten Liga des Radsport auch ökonomisch Sinn macht, allerdings bleibt zu zweifeln, ob Ausgaben im zweistelligen Millionenbereich mitten in der Finanzkrise den Angestellten und Kunden zu vermitteln sind. Anders als um Beispiel in der Fußball-Bundesliga (siehe Süddeutsche Zeitung) kann man im Profiradsport von einem Gewinn ausgehen, trotz aller negativen Schlagzeilen. Daran halten sich die sportlichen Leiter und glauben fest an einen Fortbestand ihrer Teams. Hinter den Kulissen machen freilich andere Gerüchte die Runde. Da gibt es die finanzstarken russischen und arabischen Investoren, die neben dem Fußball und der Formel 1 auch immer mehr Sportarten aus der zweiten Reihe bevorzugen.
Schaulaufen geht weiter
Vor den Teams und Fahrern liegt die der gerade in Australien mit der Tour Down Under begonnene Saison und damit ein Laufsteg, auf dem sie sich präsentieren können und müssen. Mehr denn je geht es um Siege und Platzierungen. Vor allem der anspruchsvolle Streckenverlauf der Tour de France lässt Hoffnungen auf medienwirksames Abschneiden zu. Ob es für Milram um die Kapitäne Linus Gerdemann und Gerald Ciolek auch 2011 in der ProTour weitergeht, wird sich in den nächsten Monaten zeigen. Am Ende sollen 25 Siege stehen, gibt Garry von Gerwen für das Team als Devise aus und die Beförderung von Bert Grabsch zum Sportdirektor hat für die Fahrer auch direkt Konsequenzen. " Die Fahrer mussten Essen kochen, Frühstück machen, Toilette putzen und Trainieren. Am Anfang war es furchtbar" beschreibt er die neue Art des Trainingslagers. Anstatt im 5-Sterne-Hotel jede Minute an das Training zu denken, sollen die Sportler so Abwechslung finden und lernen, Verantwortung zu tragen. Zeigen können sie bereits bei der Katar-Rundfahrt (7. Februar – 12. Februar 2010), denn in der warmen Sonne der arabischen halbinsel startet für Milram die erneute Hatz nach Erfolgen und Aufmerksamkeit.
