Technologische Sensation auf der Alster

Das erste brennstoffzellenangetriebene Passagierschiff der Welt

Ein Konsortium auf Behörden und Firmen zeichnet für einen neuartigen Alster"dampfer" verantwortlich, der mit Wasserstoff angetrieben wird.

Eine technologische Sensation erwartet Bürger der Hansestadt und deren Touristen am 25. August 2008: Dann wird das erste brennstoffzellengetriebene Fahrgastschiff der Welt seinen Betrieb aufnehmen. Der Alsterdampfer „Zemship“ – Zero Emission Ship (Emissionsfreies Schiff) – ist für hundert Fahrgäste ausgelegt. Es soll jährlich unter anderem 70 000 Kilogramm Kohlendioxid und 40 Kilogramm Partikel ersparen.

Das von der Europäischen Union geförderte Projekt wird gemeinschaftlich getragen von der Alster Touristik, der Hamburger Hochbahn, der Hochschule für Angewandte Wissenschaften, der Behörde – so heißen hanseatisch zurückhaltend hier die Ministerien - für Stadtentwicklung und Umwelt und fünf deutschen und ausländischen Industrieunternehmen. Von den Kosten von 5,2 Millionen Euro trägt die EU 2,8 Millionen.

Neuartiger Antrieb

Gebaut wird das Schiff auf der Werft SSB Oortkaten in Hamburg. Der Entwurf des Schiffskörpers stanmt von der Alster-Touristik, während den Brennstoffzellen-Hybrid-Antrieb die Proton Motor Fuel Cell GmbH beisteuert. Das Schiff erhält zwei Brennstoffzellen ohne weitere Antriebsmaschinen.

Das Schiff ist 25,5 Meter lang und 2,63 Meter hoch. Das Dach ist absenkbar, damit es unter den niedrigen Brücken der Fleete zur Elbe kommen kann. Am Anleger Hellbrookstraße im Barmbeker Stichkanal auf dem Gelände der Hamburger Hochbahn entsteht eine Wasserstofftankstelle, die von der Firma Linde betrieben wird.

Das neue Antriebssystem zeichnet sich durch einen hohen Wirkungsgrad von bis zu fünfzig Prozent aus. Bei Verbrennungsmotoren liegt dieser im günstigsten Falle bei 38 Prozent. Die neuartige Technologie setzt die chemische Energie des Wasserstoffes unmittelbar in Elektrizität um. Die Geräuschemissionen sind deutlich geringer als bei einem Verbrennungsmotor, und auch die Vibrationen werden spürbar vermindert.

Wasserstoff ist unbegrenzt vorhanden

Wasseretoff ist unbegrenzt vorhanden und lässt sich mit jeder beliebigen Energie an jedem Ort der Welt aus Wasser herstellen. Bei dem Hamburger Projekt wird der Wasserstoff aus Erdgas im „Steam.Reforming-Verfahren“ gewonnen Das sei das derzeit kostengünstigste Verfahren, sagt die Alstertouristik. Die Tankstelleninfrastruktur wurde eigens auf maritime Anwendungen ausgelegt.

Die Brennstoffzellen produzieren erzeugen durch „kalte Verbrennung“ elektrische Energie. Wasserstoff und Sauerstoff verbinden sich zu Wasser. Eine hochfeine Membran trennt in der Brennstoffzelle die Wasserstoff- von der Sauerstoffseite. Diese Membran lässt die Protonen nur in Richtung der Sauerstoffseite durch. So entsteht in der Zelle elektrische Spannung, die auf den Antrieb übertragen werden muss.

Die Brennstoffzellen-Technologie eignet sich auch für den Antrieb anderer Fahrzeuge. Die Hamburger Hochbahn experimentiert mit derart betriebenen Omnibussen. Das Problem dieser Technologie ist bislang die verhältnismäßig geringe Reichweite. Für die gerade einmal 185 Hektar große und besonders umwelt-sensible Alster reicht es natürlich immer Schon für ein Flussschiff dürfte nach derzeitigem Kenntnisstand ein solcher Antrieb wohl kaum in Betracht kommen.

Horst Schinzel, Valentina Jermakova

Horst Schinzel - Ich bin seit mehr als fünfzig Jahren journalistisch und publizistisch tätig. In den Siebziger Jahren habe ich einen Kleinverlag ...

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