Tee am Kilimandscharo

Plantage in Südtansania - Lothar Henke / PIXELIO
Plantage in Südtansania - Lothar Henke / PIXELIO
Tee vom Fuße des Kilimandscharo hat eine junge Geschichte, gilt nicht immer als Spitzenqualität, ist aber für Kenia ein bedeutender Wirtschaftsfaktor.

Vom Wundfieber und quälenden Erinnerungen gepeinigt, verlangte der Schriftsteller Harry Street nicht etwa nach einem Tee, sondern nach Whiskey. Doch 1936, als Hemingway die Erzählung „Schnee auf dem Kilimandscharo“ schrieb, gab es bereits Teeplantagen in Ostafrika, wenn auch erst seit einigen Jahren. Es waren die Engländer, welche die ersten Anpflanzungen in ihren Kolonien Tansania (damals Tanganjika) und vor allem Kenia angelegt haben.

Kenia - der größte Teeproduzent Afrikas

Alles fing ganz bescheiden an. Während die asiatischen Länder auf eine lange Teetradition zurückblicken konnten, brachte der Engländer G.W.L. Caine erst 1903 Teesamen aus Indien nach Kenia. Im kommerziellen Stil erfolgte die Produktion ab 1924. Es wurde und wird fast ausschließlich Schwarztee angebaut, der dem Assam ähnelt. Also ein kräftiger, würziger Tee mit leicht zitronigem Geschmack. Inzwischen ist Kenia zum größten Teeproduzenten Afrikas avanciert und sogar zum drittgrößten der Welt. Kenia ist das zweitgrößte Tee-Exportland nach Sri Lanka und das erste für Schwarztee weltweit.

Die Teeanbaugebiete in Kenia

Die Anbaugebiete befinden sich in fünf Distrikten: Kericho, Nandi, Limuru-Kiambu, Nyeri und Meru. Diese liegen östlich und westlich des Great Rift Valley, nördlich der Hauptstadt Nairobi, sowie im Westen des Landes an der Grenze zu Uganda und Tansania. In Kericho sollen sich die besten Teeplantagen befinden. Den ehemaligen Aktivitäten des Kilimandscharo ist es zu verdanken, dass der Anbau auf vulkanischem Boden erfolgt, auf einer Höhe von 1.500 bis 2.000 Metern. Das Klima ist tropisch mit einer hohen Luftfeuchtigkeit von 65 % bis 75 %. Diese Verhältnisse sind geradezu ideal, da lange, sonnige Tage die Pflanzen im Hochland mit Licht und Wärme versorgen und die abendlichen oder nächtlichen Regenschauer die ausreichende Feuchtigkeit bringen.

Kenias Wirtschaft in einigen Zahlen

70 % der Bevölkerung lebt von der Landwirtschaft und 25 % des Bruttoinlandsprodukts wird im Agrarbereich erwirtschaftet. Tee ist das wichtigste Exportgut, fast die gesamte selbst produzierte Menge wird ausgeführt und ist vor allem für Großbritannien, Pakistan, Ägypten und Afghanistan bestimmt. Für 2007 wird die Zahl der Teebauern mit 320.000 angegeben, wobei es sich fast ausschließlich um Familienbetriebe handelt. Die Gesamtarbeiterzahl in der Teebranche liegt bei ca. 3 Millionen. Ein anderer Wirtschaftszweig, der sich seit 2004 stetig entwickelt, ist der Tourismus.

Tansania

Das Nachbarland Tansania gilt als eines der ärmsten Länder der Erde. Hier wird gleichfalls Tee angebaut, wenn auch in einem weitaus geringeren Umfang, und nur ein sehr kleiner Anteil davon gelangt in den Export. Tee kam ebenso erst Anfang 20. Jahrhunderts ins Land, als Tansania noch zu Deutsch-Ostafrika gehörte. Nach 1918 begannen die englischen Kolonialherren, Teeplantagen anzulegen. Agrarwirtschaft ist noch heute in Tansania weitgehend Subsistenzwirtschaft. Ein Wirtschaftszweig, der als zunehmend erfolgreich angesehen wird, ist der Tourismus.

Das Verfahren der Teeherstellung

Der Tee wird in beiden Ländern vorwiegend nach der sogenannten CTC-Methode hergestellt. CTC steht für Crushing – Tearing – Curling, also Zerquetschen – Zerreißen – Rollen. Dieses Verfahren wurde 1931 von McKercher entwickelt. Die Vorteile liegen in einer schnelleren Fermentierung und nur einem Sieb- und Rollvorgang. Zeit wird gewonnen, allerdings auf Kosten des Aromas und somit der Qualität. Es entstehen broken teas und fannings. Der Tee wird meistens für Teebeutel verwandt, denen – nicht immer zu Recht – der Ruf minderer Qualität anhaftet.

Doch wie stets gibt es Ausnahmen. So wird inzwischen auf einigen Plantagen Schwarztee per Hand gepflückt und nach dem herkömmlichen Verfahren schonender hergestellt, sodass auch Blatttee gewonnen wird. Darüber hinaus betreibt die George Williamson Gesellschaft die Changoi Teeplantage, die 932 ha umfasst und auf einer Höhe von 1.700 bis 1.900 Metern liegt. Hier wird weißer Tee, der König der Tees, angebaut. Er wird unter dem Handelsnamen „Kenia Pai Mu Tan“ verkauft.

Deutschland als Importland für afrikanischen Tee

Afrika hat knapp 7% Anteil am deutschen Gesamtteeimport. Keine beeindruckende Zahl, denn darin enthalten sind auch die beliebten südafrikanischen Roibuschtees. Aus Kenia und Tansania kommen Tees, die nach der Handpflückung der herkömmlichen Methode unterzogen wurden, also vor allem Blatttees, die besseren Qualitäten. Schlägt man die Kataloge namhafter Teeversandhäuser auf oder besucht deren Homepage, ist meistens nur ein einziger Tee der Provenienzen Kenia oder Tansania aufgeführt, dann aber oftmals ein qualitativ guter oder sogar ein hochpreisiger weißer Tee, bei dem 100g der Kenia Silver Tips um die 25 Euro kosten können. Die Auswahl bleibt aber überschaubar. Afrikanischer Schwarztee hat aufgrund der hiesigen Qualitätsansprüche den deutschen Markt noch nicht erobert.

Besichtigung einer Teeplantage in Kenia

Eine ganz andere Möglichkeit, dem deutschen Verbraucher ostafrikanischen Tee schmackhaft zu machen, besteht in dem Angebot, eine solche Teeplantage zu besichtigen. Dies kann im Rahmen eines nachhaltigen Tourismus erfolgen. Wem die einzelnen Arbeitsschritte bei Anbau, Ernte und Verarbeitung vor Ort veranschaulicht werden, der kommt auch auf den Geschmack und bringt vor allem der Arbeit der Teebauern Achtung entgegen. Wem es ein bisschen aufwendig erscheint, für etwas so Kleines wie Tee nach Afrika zu reisen, der kann es ja mit etwas Größerem verbinden. Flora und Fauna haben einiges zu bieten und die bei Safaris herbeigesehnten big five sowie andere Wildtiere warten schon. Nach der Begegnung mit ihnen braucht man zur Verarbeitung der Eindrücke auf jeden Fall einen Tee.

Quellen:

Bildnachweis:

  1. Lothar Henke / pixelio.de
  2. Klaus-Michael Schneider
  3. Claus Bünnagel / pixelio.de
  4. Sieke-Marthe Hamann
Vera Carius, Sieke-Marthe Hamann

Vera Carius - Meine Geburtsstadt ist Hannover, dort wo man angeblich das beste Deutsch spricht. Nach dem Studium der Romanistik und Geschichte in ...

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