
- Earl Grey - Esther Koch
Um 1830 soll Earl Grey-Tee zum ersten Mal in England serviert worden sein. Woher hat dieses spezielle Aufgussgetränk seinen Namen und sein typisches Aroma?
Der Tee
Eine andere Bezeichnung für den Earl Grey Tee lautet "Der frühe Graue". Wenn man ihn im Morgengrauen trinkt, soll er die Nerven des Genießers für den grauen Alltag wappnen und denjenigen sogar vor dem frühen Ergrauen schützen.
Einst bestand die Grundlage des Earl Grey-Tees nur aus chinesischen Teesorten. Mittlerweile werden dafür aber auch indische Sorten verwendet, in erster Linie Darjeeling. Zur Auswahl steht nicht mehr nur schwarzer Earl Grey-Tee, sondern auch grüner und sogar eine Früchteteevariante und ein Rotbuschtee.
Darüber hinaus existiert die japanische Variante eines auch in Deutschland bekannten zerbrechlichen Schokoriegels in der Geschmacksrichtung "Earl Grey".
Das typische Earl Grey-Aroma
Unabhängig von der Herkunft des Tees ist das Aroma des Earl Grey das einer Pflanze namens Bergamotte (Citrus aurantium ssp. bergamia). Dabei handelt es sich um eine auch in der Heilkunde vielseitig einsetzbare Zitrusfrucht, deren Öl zur Aromatisierung des Tees verwendet wird. Leider kommt heute vielfach nur noch eine naturidentische (sprich: künstliche) Variante zum Einsatz. Daher wird empfohlen, wenn man guten, natürlichen Earl Grey haben möchte, den Weg in entsprechende Fachgeschäfte und die meistens damit verbundenen etwas höheren Preise nicht zu scheuen.
Die Aromatisierung des Tees wird mit dem Trommelverfahren vorgenommen, bei welchem der Tee in einer Mischtrommel mit dem Bergamotteöl überträufelt und dann vermischt wird.
Die Zubereitung
In eine vorgewärmte, ausreichend große Teekanne gebe man pro Tasse einen Teemesslöffel Teeblätter und übergieße sie mit kochendem Wasser. Eine Ziehzeit von ungefähr 3 Minuten sollte für die Entfaltung der Blätter nicht unterschritten, aber auch nicht zu lange überzogen werden, da der Tee sonst schnell sehr bitter schmeckt. Wer es bitterer mag, kann das natürlich ausprobieren.
Teebeutelpackungen liefern die Zubereitungsanleitung immer mit und sollten auch ruhig dahingehend konsultiert werden. Klassisch gehört in den Earl Grey etwas Zitrone. Man kann aber auch gerne zu Milch, Honig oder Kandiszucker greifen.
Der namensgebende Graf
Benannt wurde der aromatisierte Schwarztee nach Lord Charles Grey, 2. Earl Grey (1764-1845), der als Vertreter der Whigs von 1830 bis 1834 Premierminister von England war. Während seiner Amtszeit war Lord Grey für eine Reihe von Reformen und Reformentwürfen verantwortlich, darunter eine Anzahl Parlamentsreformen, Entwürfe zur Abschaffung des Sklavenhandels und ein Fabrikgesetz zur Arbeitszeitregelung für Kinder und Jugendliche. Außerdem schaffte er 1833 das letzte noch bestehende Handelsmonopol der im Jahre 1600 von Elisabeth I. gegründeten East India Company ab.
Die Schöpfungsgeschichten
Wem darf man aber für die eigentliche Kreation des Tees mit der Bezeichnung Earl Grey danken? Am populärsten ist die Anekdote, dass ein Transportschiff in einen Sturm geriet, in dessen Verlauf die Ladung durcheinanderstürzte und der Tee mit Bergamotteöl "verunreinigt" wurde. Anstatt die Ladung eigenmächtig zu vernichten, beschlossen die Verantwortlichen, Premierminister Grey entscheiden zu lassen. Diesen packte die Experimentierlust, er kostete von der Komposition und liebte sie.
Es gibt mehrere Erzählungen, in denen jemand, vielleicht Earl Grey persönlich, einem Chinesen, möglicherweise sogar einem Mandarin, das Leben rettete und als Dank dafür das Rezept erhielt. Oder schenkte jemand dem Lord während seiner Teestunde gar ein paar Zweige der Bergamottefrucht, worauf dieser einige Blätter aus Neugier in sein Getränk warf?
Die banalste Erklärung wäre die, dass bereits die Chinesen selber mit der Zugabe von Bergamotteöl dafür gesorgt haben, dass der Tee auf den üblichen monatelangen Transportwegen um die halbe Welt nicht verdarb.
Ein Earl Grey-Fan im Weltall
Sicherlich hat Earl Grey Tee unzählige Anhänger auf dem Globus. Aber auch in Literatur und Fernsehen wurden ihm Denkmäler in Form von fiktionalen Fans gesetzt, unter anderem in Romanen von Dan Brown ("Sakrileg") und Carl Sagan ("Contact"). Genannt sei hier nur der folgende, der das Getränk sogar im 24. Jahrhundert salonfähig erhält.
Nicht nur in der 79. Folge der Serie "Star Trek - The Next Generation", "Das Experiment (Remember Me, S04E05) steht Captain Jean-Luc Picard vor seinem Replikator und bittet um "tea, Earl Grey, hot". Es wird bei vielen Gelegenheiten deutlich, dass es sich dabei um sein Lieblingsgetränk handeln muss, wie Raktajino für Deep Space Nines Commander Benjamin Sisko oder "Kaffee! Schwarz!" für Voyagers Captain Kathryn Janeway. Diese Episode sei stellvertretend für alle anderen erwähnt, da sie chronologisch die erste in der synchronisierten Fassung ist, in der Picard tatsächlich "Tee, Earl Grey, heiß" bestellt.
