Es begann 1998 in einem hundertjährigen Fachwerkhaus, in einem Dorf, das Zollbrücke heißt: das Werden und Wachsen des Theaters am Rand. Drei Dutzend Zuschauer pro Vorstellung trieb die Neugier anfangs hierher, an den östlichen Rand Deutschlands, in eine spröde, ruhige Landschaft. Von Spielzeit zu Spielzeit stiegen die Besucherzahlen, sodass im Jahr 2006 der Bau eines neuen Hauses angebracht war. Eichenstämme tragen sein Dach, rechte Winkel fehlen, Sonne, Wind und Wetter spielen mit. Gut 200 Zuschauer fasst das Haus, wenn das Spiel draußen unter freiem Himmel nicht möglich ist.
Im 13. Jahr führen der Musiker Tobias Morgenstern und der Schauspieler Thomas Rühmann nun das Theater am Rand. Gerade in diesen Tagen des Hochwassers der Oder beweist es sich als Teil der Landschaft, zieht Besucher von weither in seinen urwüchsigen Bann. Morgenstern und Rühmann haben eine unverwechselbare Atmosphäre geschaffen und verwirklichen ihre Idee vom einfachen Theater, das so schwer zu machen ist, konsequent und unkonventionell.
Konzerte: Wolfgang Torkler und Bayon
So bringt in diesem Sommer Wolfgang Torkler am 11. Juli um 17.00 Uhr Tonkunst der stillen und nachhaltigen Art zu Gehör. Der Dresdner Pianist entwickelt in seinen Solo-Improvisationen ganz eigenwillige, teilweise bis auf das Minimum reduzierte Tonfolgen. Wer zuhört, für den schwingt die Luft zwischen den einzelnen Tönen mit; Torklers Melodik lässt beliebig Platz für Empfindungen und schweifende Gedanken. Im Theater am Rand gastierte er bereits mehrfach mit seiner Latin-Band, nun erstmals solo.
Musikalisch ebenso ungewöhnlich versprechen der 19. und 20. Juni zu werden. Einerseits gestalten Bernd Lange und die Gruppe Bayon am Sonnabend um 19.30 Uhr ein Wolfgang-Borchert-Programm; am Sonntag 17.00 Uhr gibt Bayon um Christoph Theusner und Sonny Thet ein Konzert mit dem Besten aus seiner fast 40-jährigen Schaffenszeit, bei dem Akkordeonist Tobias Morgenstern als Gast im eigenen Haus auftritt.
Jens-Uwe Bogadtke, mittlerweile Stammakteur im Randtheater, interpretiert am 27. Juni um 11.00 Uhr Lieder und Gedichte aus dem Leben Heinrich Heines (Klavier: Peter Schenderlein). Vorzumerken ist ebenfalls der 8. August 2010, wenn um 17.00 Uhr Uschi Brüning, Ernst-Ludwig Petrowsky und Wiglaf Droste ein Jazzprogramm darbieten: "Mainstream ist ein stehendes Gewässer". Der Song vom kleinen grünen Kaktus erklingt dann am 29. August, 16.00 Uhr, beim Auftritt der Five Gentlemen aus Leipzig, die auf ihre Art den Charme der Comedian Harmonists aufleben lassen.
"Die Entdeckung der Langsamkeit"
Aus dem Rand-Repertoire ragt "Die Entdeckung der Langsamkeit" heraus, eine detailgetreue Bearbeitung des Textes von Sten Nadolny, in der Thomas Rühmann erstaunliche mimische und sprachliche Qualitäten entwickelt. Der bekannte Fernsehschauspieler greift im Übrigen auch gern und wacker zur Gitarre, singt zum Beispiel Lieder des unvergessenen Gerhard Gundermann. Dessen Bodenständigkeit und unaufgeregte Direktheit, ja, sie passen sehr gut zum Ambiente dieses kleinen, schön unspektakulären Theaters.
