
- Hang over - Peter Lachnit
Ist es reiner Zufall, dass seit dem Wahljahr 1999, in dem Wolfgang Schüssel von der Österreichischen Volkspartei (ÖVP), die stimmenmäßig nur auf Platz drei gelandet wäre, von der zweitstärksten Partei FPÖ zum Kanzler gehievt wurde, es in Österreich drunter und drüber geht ? Eine Politikergeneration am Werk ist, deren persönliche Entwicklung ihr mehr am Herzen liegt als das Volk? Vor allem Politiker aus der FPÖ (Freiheitliche Partei Österreich) oder teilweise später BZÖ (Bündnis Zukunft Österreich) wollten mehr als nur Steigbügelhalter sein und vermischten ihr politisches Amt mit Eigeninteressen. Rein hypothetische Fragen oder doch vielleicht mehr?
Untersuchungsausschuss "Klärung von Korruptionsvorwürfen"
Der parlamentarische Untersuchungsausschuss zum Thema "Klärung von Korruptionsvorwürfen" hat jede Menge zu tun. Mehr als eine halbe Million Aktenseiten von Behörden und Ministerien warten auf ihre Durchsicht. Die von der Staatsanwaltschaft Wien bereitgestellten Akten haben für den Untersuchungsausschuss dabei vorrangige Priorität in Sachen "Telekom-Affäre". Zeitgleich mit dem Untersuchungsausschuss hat die Staatsanwaltschaft Wien auch zahlreichen Beschuldigten und weiteren Verfahrensbeteiligten Akteneinsicht gewährt. Das politisch heiße Material ist im U-Ausschuss als "geheim" eingestuft. es dürfen keine Fotografien oder Kopien angefertigt werden.
Telekom-Austria und Hubert Gorbach
Diverses Geld floss in den letzten Jahren bei der Telekom-Austria in Strömen. Um die Vormachtstellung des ehemaligen quasie Monopol - Telefonieanbieters Telekom zu sichern, wurde unter dem Infrastrukturminister Hubert Gorbach, zuerst Parteigänger der FPÖ und danach in das Lager des BZÖ übersiedelt - wie die politischen Winde eben wehen - die Universaldienstverordnung 2006 neu geregelt. Diese Novellierung der Universaldienstverordnung brachte der Telekom satte zehn Millionen Euro pro Jahr zusätzlich. Der Dank der Telekom an den inzwischen ausgeschiedenen Minister und Jungunternehmer Gorbach? Er bekam eine Sekretärin bezahlt und unter dem Titel "Gabriele K." wurden vierteljährlich 33.000 Euro abgewickelt. Der Geldfluss lief über die Firma Valora des Telekom-Lobbyisten Peter Hochegger.
Zentralfigur Peter Hochegger
Über den Lobbyisten Peter Hochegger scheint sich in Österreich alles zu drehen. Wie ein Marionettenspieler hält er seine Figuren an den Schnüren. Karl-Heinz Grasser, Walter Meischberger, Hubert Gorbach, die Liste ist wahrscheinlich endlos anzuführen. Im Jahr 2004 wurde der Börsenkurs der Telekom-Aktie manipuliert, um Boni in der Höhe von zehn Millionen Euro zu lukrieren. Der involvierte Broker Johann Wanovits ist bereits geständig. Wanovits wurde mit Geld entlohnt, das die Telekom über Public Relations Profi Hochegger aufgestellt hat. Die Telekom zahlte an Peter Hochegger für eine Studie, die sie zuvor selbst erstellte, bekam im Gegenzug einen Teil der Zahlung bar zurück und reichte dieses Geld dann an Wanovits weiter. Saure Wiesen trockenlegen, oder gegen Windmühlen ankämpfen? Der parlamentarische Untersuchungsausschuss hat in den nächsten Monaten viel zu tun.
Für alle in diesem Artikel genannten Personen gilt jegliche Unschuldsvermutung.
Quelle: News-Magazin 2/2012; APA
