Tellington TTouch für Reptilien

Therapie für Schlangen, Echsen und Artverwandte

Tellington TTouch für Reptilien - Bartagame - © Jetti Kuhlemann / PIXELIO'
Tellington TTouch für Reptilien - Bartagame - © Jetti Kuhlemann / PIXELIO'
Linda Tellington-Jones entwickelte eine Methode, wie man auch Reptilien wirksam bei Verhaltensstörungen, Depressionen oder gesundheitlichen Problemen helfen kann.

Nach Erfahrung der Tiertherapeutin Linda Tellington-Jones sind Furcht und Schmerz bei Tieren die Wurzel für Lern- und Verhaltensprobleme. Es gibt vier Instinktreaktionen, mit denen sie auf Angst antworten. Das ist der Erstarrungsreflex, Flucht, Aggression oder Ohnmacht. Das gilt auch für Reptilien. Eine Schlange kann genauso unter Depression und Einsamkeit leiden, wie ein Mensch oder ein Tier mit Fell.

Auch Reptilien sind empfänglich für Berührungen

Viele Menschen schrecken vor Reptilien zurück, da sie ihnen fremd erscheinen. Doch genau genommen sind die Menschen die Fremden. Reptilien sind schon seit einer Ewigkeit auf der Erde und haben sich ihren Lebensbedingungen optimal angepasst. Schlangen, Eidechsen, Schildkröten oder Krokodile haben gleichfalls tiefe Empfindungen. Liebhaber von Reptilien wissen, wie viel Schönheit, Zartheit und Anmut in Begegnungen mit ihnen enthalten sind.

Linda Tellington-Jones entwickelte die Methode Tellington TTouch, die man auch bei Reptilien anwenden kann. Es handelt sich um sanfte Berührungskonzepte, mit denen man einen intensiven Zugang zum Tier bekommt. Man aktiviert durch berührende Bewegung auf dem Tierkörper in einer Art Massage die Zellfunktion und mobilisiert so die Nervenbahnen des Reptils. In angepassten Druckstärken wird in sanft kreisenden Bewegungen am Körper des Tieres der TTouch ausgeführt.

Durch lauschende Hände eine Verbindung schaffen

Man sollte sich vor Beginn einer Kontaktaufnahme mit TTouch ganz auf das Tier einlassen. Selbst in ausgeglichener und ruhiger Verfassung sein. Jeden überflüssigen Gedanken aus dem Kopf bannen und nur im Hier und Jetzt das Tier selbst wahrnehmen. Den verschiedenen Berührungsarten hat Linda Tellington-Jones und ihr Team Tiernamen gegeben, um sie sich besser einprägen zu können.

Beim Wolken-Leopard berührt die ganze Hand den Körper, mit den Fingerballen werden sanfte Kreise gedreht. Bei sensiblen Reptilien eignet sich die aufgelegte flache Hand gut für den wärmenden Kontakt. Die ersten Berührungen sollten nur schnell und ganz leicht sein, als einfache Kreisbewegung ausgeführt. Erst wenn das Tieren Vertrauen gewinnt, können ausgiebigere Sequenzen erfolgen.

TTouch für Reptilien hilft bei Verhaltensschwierigkeiten

Die TTouch Methode kann nicht nur körperliche Probleme beseitigen. Man ist damit auch in der Lage, das Verhalten und die Befindlichkeit positiv zu beeinflussen. Der TTouch Waschbär wird als winzige, gefühlvolle Bewegung für Reptilien empfohlen. Mit kleinstmöglichem Druck benutzt man die Fingerspitzen direkt hinter den Nägeln. Doch so individuell wie die einzelnen Tierpersönlichkeiten ist auch die speziell geeignete Komposition aus passenden Berührungen. Bei gefährlichen oder giftigen Reptilien benutzt man Hilfsmittel (Stock, lange Feder oder Gummistab), um TTouch auszuführen.

TTouch beinhaltet mehr als 14 verschiedene Berührungstechniken. Dazu kommt das Anheben des Bauches, um Darmbewegung und Atmung zu unterstützen. Den Rücken hebt man an, um die Wirbelsäulenstellung zu verändern und Beweglichkeit zu fördern. TTouch kann die tierärztliche Behandlung erleichtern, Furchtreaktionen mildern und die Genesung nach Erkrankung fördern. Auch ist es ein wirksames Mittel bei aggressivem Verhalten, Stress, Langeweile oder zur Beruhigung überaktiver Tiere.

Der TTouch an einer Python mit Atmungsproblemen

In ihrem Buch schildert Linda Tellington-Jones, wie sie mit einer Python arbeitete. Sie begann damit, die Python mit sehr leichten und schnellen kleinen Waschbär-TTouches etwa 1,5 Meter hinter dem Kopf zu berühren. Die Schlange reagierte sehr empfindlich und zuckte sofort mit ihrer Haut. Anschließend berührte sie die Python mit der flachen Hand (TTouch Liegender Leopard) und konzentrierte sich intensiv auf das Tier.

Sie hob den Bauch an, etwa zwei Zentimeter jeweils sechs Sekunden lang. Als Reaktion entrollte sich die Schlange zur vollen Länge und lag gerade wie ein Stock. Mehrere Assistenten stellten sich entlang der Schlange auf, hoben und senkten rhythmisch ihren Leib. Danach bearbeitete Tellington-Jones die Schlange mit flachen Kreisberührungen am ganzen Körper. So wurde das träge Atemsystem der Riesenschlange aktiviert. Die Python konnte so endlich wieder ihren ganzen Körper spüren, vom Kopf bis zum Schwanz. Nach dieser Behandlung hatte sich der gesundheitliche Zustand der Python deutlich verbessert.

TTouch hilft Echsen bei Unsicherheit und Verdauungsbeschwerden

Echsen mit schlechter Befindlichkeit können in eine Art Starre verfallen. Auch in Bezug auf solche Situationen beschreibt Linda Tellington-Jones, wie sie mit ganz sanften Berührungen und leichtem Bauchanheben erfolgreich helfen konnte. Bei großen Reptilien spürte sie immer wieder ein erstaunliches Maß an Feinfühligkeit und Empfänglichkeit. So behandelte sie einen großen Leguan, indem sie ihn über den ganzen Körper hinweg mit kleinen Kreisbewegungen sanft massierte.

Obwohl die Reptilienhaut oft hart und rau wirkt, ist sie doch für aktive Berührung, Wärme und intuitive Bewegung sehr empfänglich. Linda Tellington-Jones betont, wie sehr Reptilien menschliches Verständnis brauchen. Sie leben in Gefangenschaft in einer für sie völlig unnatürlichen Situation. Aggressivität kann entstehen, wenn der Lebensraum und die Kontaktmöglichkeiten zu sehr eingeschränkt sind. Oft brauchen sie nur mehr soziales Leben, um sich zu integrieren und wohl zu fühlen. Wer ihnen mit Respekt begegnet und sich ernsthaft um Verständnis und Zugang bemüht, wird mit ihnen eine erfüllende Tierbeziehung eingehen können.

Jeder Interessierte kann die richtige Anwendung von Methoden des Tellington TTouch erlernen. Nur sollte man die Möglichkeit von Grundlagenkursen bei Experten oder Fachliteratur nutzen, ehe man damit beginnt.

Quelle: Linda Tellington-Jones, Sybil Taylor, Der neue Weg im Umgang mit Tieren, Die Tellington TTouch Methode, 1993, Stuttgart, Franckh-Kosmos Verlag, ISBN 3-440-06627-4

Astrid Treumann, Astrid Treumann

Astrid Treumann - 1967 in Berlin geboren, habe ich dort als berufliche Grundlage Kunst und Germanistik studiert (Hochschulabschluss 1991). Meine berufliche ...

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