Temporäre Kunsthalle Berlin

Vier Fassadenentwürfe und neun Ausstellungen in zwei Jahren

Kunsthalle Berlin - Foto: Uwe Spoering
Kunsthalle Berlin - Foto: Uwe Spoering
Die temporäre Kunsthalle auf dem Berliner Schlossplatz zeigt, wie Architektur auch mit einfachen Mitteln den Stadtraum prägen kann.

Die Diskussion um eine Kunsthalle in Berlin gibt es seit beinahe ewigen Zeiten. Die Kunstszene hat immer wieder beklagt, dass es in Berlin außerhalb des Hamburger Bahnhofs mit seinem beschränkten finanziellen Möglichkeiten keinen übergreifenden Ort für zeitgenössische Kunst gibt. Die Init Kunsthalle in einem ehemaligen Supermarkt an der Chausseestraße war in den Jahren 1998-2000 ein erster Versuch aus der Galerienszene heraus das Projekt zu realisieren.

Seit dem 30. Oktober 2008 darf man auf dem Berliner Schlossplatz, leider wieder nur temporär, eine Kunsthalle bewundern. Innerhalb von zwei Jahren wollen die Betreiber dort neun Ausstellungen und vier unterschiedliche Fassadengestaltungen zeigen. Träger des Projekt ist die Cube Kunsthalle GmbH. Private Sponsoren haben die Finanzierung übernommen.

Ein schlichter Schuhkarton

Der nun verwirklichte Entwurf „White Cube“ ist sehr schlicht ausgefallen. Es handelt sich um einen Kubus, der 56 Meter lang, 20 Meter breit und 11 Meter hoch ist. Verantwortlicher Architekt ist Adolf Krischanitz aus Österreich. Krischanitz hat sich bereits mit ähnlichen Bauten für die Kunst einen Namen gemacht, darunter die beiden Kunsthallen für den Karlsplatz in Wien oder das Museum Rietberg in Zürich.

Die Fassade der Halle ist Teil der Ausstellungsfläche und soll von Künstlern gestaltet werden. Zum Start hat der in Linz geborene Künstler Gerwald Rockenschaub den Cubus in ein leuchtendes Blau und Weiß gehüllt. Architektur und Kunst treten in eine perfekte Symbiose. Rockenschaub bleibt bei einfachen geometrischen Formen, wie sie der schlichte Bau vorgibt. Seine Fassaden-Gestaltung scheut nicht das Dekorative und wirkt in der öden riesigen Brachfläche im Herzen Berlins weit sichtbar als sinnlicher Kontrapunkt.

Bauen jenseits des Starkults

Die Architektur des „White Cube“ verbindet Einfachheit und Spontaneität mit sorgfältiger, konzentrierter Gestaltung. Die doppelte Axialsymmetrie und die Proportionen von 2:3 für den Ausstellungsraum und 1:2 für Höhe und Breite verweisen auf Ideal-Maße. Krischnitz hat sich für eine vorgefertigte Holzbauweise entschieden. Innen ist der Cubus mit Mineralwolle gefüllt, außen mit Faserzementplatten ausgesteift. Der Rohbau konnte innerhalb von drei Wochen fertig gestellt werden. Nach zwei Jahren möchten die Betreiber die Halle abbauen und in anderen europäischen Städten wieder aufbauen.

Erst kürzlich hat die Ausstellung „Modern Dwelling“ im New Yorker Museum of Modern Art die Geschichte der Fertigbauweise dokumentiert. Die Berliner Kunsthalle „White Cube“ knüpft an diese Architektur und deren Philosophie an. Flexible Bauweisen sind im zwanzigsten Jahrhundert konsequent weiter entwickelt worden. Die Moma-Ausstellung zeigte historische Beispiele, wie etwa die zerlegbaren Häuser des belgischen Architekten Jean Prouvé. Heute beziehen sich Architekten auf Prouvé beim Bau von Häusern in dem vom Hurrikan zerstörten New Orleans. Die Architekten müssen sich bescheiden und mit wenigen Mittel auskommen. Dieses einfache, pragmatische Bauen steht in starken Gegensatz zu den gigantischen Metropolen-Bauten der Stararchitekten.

Leider muss im Jahr 2010 muss auch die Berliner Kunsthalle „White Cube“ einen Bauwerk Platz machen, dass Leichtigkeit, Spontaneität und Schlichtheit vermissen lässt: das teilrekonstruierte Berliner Stadtschloss.

Peter Steinhauer, Christoph Steinhauer

Peter Steinhauer - Ich arbeite als freier Journalist in Berlin für Print und Internet. Studiert habe ich in Bonn und Köln die Fächer ...

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