Tenderlok Tw 53 für die Oberschlesische Schmalspurbahn

Front der Tw 53 vor dem Bahnhof Ratibor - Harald Rossa
Front der Tw 53 vor dem Bahnhof Ratibor - Harald Rossa
Mit der Tenderlok Tw 53 wurde die Leistungsfähigkeit der oberschlesischen Schmalspurbahnen ab 1953 wieder hergestellt.

Die polnische Dampflok Tw 53 wurde als Zugmaschine für das Netz der Oberschlesischen Schmalsputbahnen entworfen und gebaut. Dieses Schmalspurnetz mit einer ungewöhnlichen Spurbreite von 785 Millimetern, das sind 30 preußische Zoll, verband die Städte und die Industrieanlagen in Oberschlesien miteinander. Es hatte eine maximale Ausdehnung von rund 233 Kilometern Streckenlänge in der Obhut der polnischen Staatsbahn PKP. Dazu kamen etliche Kilometer in den Bergwerken, Stahlwerken und anderen Anlagen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg gehörte Oberschlesien ganz zu Polen. Doch lag das oberschlesische Industrierevier zunächst teilweise brach. Durch die Kämpfe am Ende des Zweiten Weltkriegs waren auch viele Verkehrsanlagen zerstört. Über rollendes Material verfügte die Oberschlesischen Schmalspurbahnen kaum. Von anderen Bahnen konnte kein Material beschafft werden, da hier eine ausgesprochen exotische Spurweite das verhinderte. Mit dem Wiederaufbau der Bergwerke und Stahlwerke stieg der Transportbedarf der Industrie rasch an. Neue Waggons und Lokomotiven mussten beschafft werden.

Entwicklung und Bau der Tw 53

Die Tw 53 ist eine Weiterentwicklung des Typs T 40. Das polnische Verkehrsministerium regte die Entwicklung der Maschine durch die Lokomotivfabrik in Chrznow an. Details der neuen Lok wurden von den Baureihen Tw 9, Tw 29 und Tw 47 übernommen. Neu war, dass nun die Baugruppen weitgehend geschweißt wurden und die Nietverbindung eine immer kleinere Rolle spielte. Das gilt auch für den rohrförmigen Kessel. Die Lok Tw 53 hat 5 angetriebene Achsen. Die Achsen 1, 3 und 5 sind feststehend, die Achsen 2 und 4 sind beweglich. So schafft die Lok Bogenfahrten mit einem Halbmesser von ganzen 35 Metern.

In den Jahren 1953 und 1954 wurden in Chrznow insgesamt 20 Lokomotiven des Typs Tw 53 gefertigt. 10 Exemplare gingen an die PKP und wurden auf den Strecken der oberschlesischen Schmalspurbahnen eingesetzt. Die anderen 10 Exemplare gingen an die Betreiber privater Anschlussbahnen.

Betrieb und Ausmusterung

Die Dampflokomotiven wurden in nach 1970 außer Dienst gestellt. Eine Ursache war, dass 1968 das südlich von Kraków (Krakau) gelegene Ausbesserungswerk ZNTK Nowy Sacz der PKP die Wartung und Revision von Dampflokomotiven einstellte. Sämtliche Schmalspurlokomotiven mussten von da an zur Revisionen in das Interlokwerk ZNTK in Pila (Schneidemühl) im Nordwesten von Polen überführt werden, wo für die 785 mm-Spur ein eigenes Gleis für Probefahrten angelegt wurde. Für die oberschlesische Bahn war dies sehr ungünstig. Denn die Kosten für den Transport der Dampfloks nach Pila waren enorm. Doch in Nowy Sacz waren wurden nur noch normalspurige und schmalspurige Dieselloks gewartet. So wurden wegen des starken Verschleißes der Dampfloks und wegen der Wartungssituation ab 1970 die Tw 53 durch die rumänische Diesellokomotiven L45H, mit der Bezeichnung Lxd2 bei der PKP, abgelöst. Dieser Prozess zog sich bis 1992 hin.

Verbleib der Tw 53

Von den einst 20 gebauten Loks der Baureihe wurden 5 Maschinen vor dem Schrottplatz gerettet:

  • Tw53-2560 wird in der Bahnausstellung in Chabówka gezeigt
  • Tw53-2561 steht in Bielsko-Biala
  • Tw53-2565 wird in der Ausstellung des Eisenbahnmuseum in Sochaczew gezeigt
  • Tw53-2566 ist derzeit in Rudy Raciborskie
  • Tw53-2570 „Halinka" genannt, steht als Denkmal vor dem Bahnhof Raciborz (Ratibor)

Die Daten der Tw 53 der PKP

  • Hersteller: Lokomotivfabrik in Chrznow
  • Bauzeit: 1953 und 1954
  • Spurweite: 785 Millimeter
  • Raddurchmesser: 800 Millimeter
  • Achsfolge: E
  • Einsatzgewicht 41,45 Tonnen
  • Leermasse: 32,3 Tonnen
  • Länge: 8.800 Millimeter
  • Breite: 2.800 Millimeter
  • Höhe: 3.050 Millimeter
  • Nennleistung: 400 PS
  • Höchstgeschwindigkeit 30 km/h
  • Kesseldruck:13 Bar
  • Heizfläche: 55,7 Quadratmeter
  • Überhitzerfläche: 22 Quadratmeter