Tenzo Gasthof - kulinarisches Kleinod im Mecklenburger Seenland

Der Tenzo Gasthof - Tenzo Gasthof
Der Tenzo Gasthof - Tenzo Gasthof
Der „Tenzo Gasthof" im Dörfchen Triepkendorf zwischen Fürstenberg und Feldberg ist ein kulinarischer Exot im Mecklenburger Niemandsland.

Was bewegt zwei Menschen, die lange Jahre in Berlin in der Gastronomie tätig waren, in einem kleinen mecklenburgischen Dorf ohne jede Infrastruktur eine alte Schule zu kaufen, unter erheblichem Investitionsaufwand umzubauen und einen Gasthof der besonderen Art darin zu eröffnen? Katarina Hering und Marcus Sapion haben das getan und fragt man sie warum, dann bekommt man sehr unspektakuläre Antworten. Der Wunsch auf dem Land zu leben, ein eigenes gastronomisches Projekt aufzuziehen, und dann kam eines zum anderen: Ein Immobilienobjekt, das die beiden gefühlsmäßig ansprach, die Möglichkeit einen Teil der Baukosten über eine EU-Förderung zu finanzieren, ein Baumeister, der in der Lage war die Ansprüche an Ökologie, Gemütlichkeit und Funktionalität der Bauherren umzusetzen und dabei gleichzeitig den Förderrichtlinien Rechnung zu tragen. So entstand mit großer Eigenleistung, der Hilfe vieler helfender Hände und unter den manchmal skeptischen Blicken der Triepkendorfer Ureinwohner, in äußerst knapper Bauzeit von August 2008 bis zur Eröffnung nach Pfingsten 2009 das Projekt „Tenzo Gasthof“.

„Tenzo Gasthof“ – der Name ist Programm

Der Tenzo ist im buddhistischen Kloster der Koch, der nicht nur für das körperliche, sondern auch für das seelische Gleichgewicht der Gemeinschaft zuständig ist. Schon in Berlin waren Hering und Sapion in buddhistisch geprägten Restaurants tätig. Danach war Sapion in einem Kloster in Japan für die Küche zuständig, was bedeutet, vom Anbau eigener Zutaten über den Einkauf bis zum fertigen Gericht auf dem Tisch der Klostergemeinschaft die Verantwortung für ein gedeihliches Miteinander zu tragen.

So war die Idee schnell geboren, das gemeinsame Projekt Tenzo zu nennen, was die beiden nach einigen Umwegen dann auch wagten. Schon ein Jahr nach der Eröffnung haben sich die Wirtsleute einen Namen gemacht, der Gäste aus dem weiten Umland und auch bis aus Berlin anlockt.

Die Hauptsache – Essen im „Tenzo Gasthof“

„Gut kochen ist das A und O!“ sagt Katarina Hering. Natürlich gab es anfangs ein paar Schwierigkeiten. Man kaufte vorsichtig ein und traute sich nicht, zusätzliches Personal einzustellen. So kam es im Sommer der ersten Saison schon einmal vor, dass Kunden lange zu warten hatten, wenn Sapion allein in der Küche werkelte und Hering mit einer Aushilfe die Urlaubermassen zu bedienen versuchte. Aber Qualität setzt sich durch, die Kunden kamen trotz der Wartezeiten, weil das Essen schmeckte und mit der Zeit wuchs auch die Erfahrung und der Mut, das Team zu verstärken. Inzwischen ernährt der Tenzo nicht nur seine Besitzer, die beiden können auch noch mehrere Mitarbeiter bezahlen. Hier hat die EU- Strukturförderung einmal wirklich Früchte getragen.

Bei den Zutaten ihrer Speisen setzen Hering/Sapion auf Qualität. Fast ausschließlich werden ökologische Produkte verarbeitet, Fisch und Fleisch stammen von regionalen Bioanbietern oder aus heimischen Seen und Wäldern. Daraus zaubern die beiden bodenständige Gerichte mit besonderem Flair. Aus eigener Erfahrung kann der Autor Dorsch und Zander auf Meeresspargel (Salicorn) und Wermuthsauce mit konfierten Tomaten, Bamberger Hörnchen und Gemüse empfehlen, Wildschweinbraten an Steinpilzen, hausgemachte Ravioli mit Ofengemüse oder ebenfalls saisonal mit Steinpilzen verfeinert. Alle Gerichte entfalten ihre eigene geschmackliche Note und sind mit vortrefflichen Soßen und Beilagen versehen. Salate der Saison, ausgefallene Vorspeisenideen und wechselnde Desserts vervollständigen das Angebot, das in der Getränkekarte würdige Begleiter findet. Von den Weinen kann der Autor, wiederum aus eigener Erfahrung, den spanischen Navarra, einen erstaunlich fruchtigen aber trockenen Rotwein, empfehlen, der mit 16 Euro für einen Biowein auch noch sehr preiswert ist.

Insgesamt lässt sich zum Preisniveau sagen, dass die Hauptgerichte von einigen Klassikern um die zehn bis zu ausgefalleneren Gerichten um die 20 Euro reichen, äußerst günstig also für die angebotene Qualität. So haben auch die Einheimischen ihren Frieden mit den mutigen Gastronomen gemacht und besuchen für Familienfeiern oder auch einen Stammtischbesuch das erste – und einzige – Haus am Platze. „Gut kochen – das isses!“ fasst Katarina Hering das Erfolgsgeheimnis zusammen.

Der „Tenzo Gasthof“ – das Haus

Das alte Triepkendorfer Schulgebäude wurde bei der Sanierung ökologisch mit Flachs gedämmt. Den Räumen wird mit Wandheizungen hinter Lehmputz zu einem besonders heimeligen Wohnklima verholfen. Im Zentrum des Gastraumes sorgt ein Lehmofen mit Wärmezügen für gemütliche Atmosphäre. Die restliche Wärme wird über eine moderne Pelletsheizung und Sonnenkollektoren erzeugt. So wurde das gesamte Gebäudeensemble erhalten und für die gastronomischen Anforderungen nutzbar gemacht. Das liebevoll gestaltete Interieur, mit Tischen etwa, die aus ausgebauten Bodendielen geschreinert wurden, zaubert die richtige Atmosphäre für die kulinarischen Angebote. Im oberen Stockwerk sind zwei Ferienwohnungen und zwei Doppelzimmer mit insgesamt 12 Gästebetten untergebracht.

Veranstaltungen wie Kunstausstellungen, Lesungen, Kochkurse oder Sylvester mit Livemusik runden das Angebot ab. Ihr Motto „Essen und Schlafen wie bei Freunden“ setzen Hering und Sapion in diesem Haus in zehn von zwölf Monaten um und bieten eine verlockende kulinarische Etappe bei einer Tour durch die Feldberger Seenlandschaft. Nur von Mitte Januar bis Mitte März ist der Tenzo geschlossen.

Rainer Hitzler , Rainer Hitzler

Rainer Hitzler - Wie so viele Autoren bin ich Autor aus Berufung, fast seit ich lesen und schreiben kann. Mittlerweile 50 Jahre alt kann ich somit auf ...

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