
- Zertifiate schaffen Klarheit - Peter Klau
Ein neuer Teppich oder Teppichboden ist nicht nur ein exponierter Einrichtungsgegenstand, mit seiner großen Oberfläche hat er auch maßgeblichen Einfluss auf das Raumklima. Besonders Bodenbeläge besitzen ein besonders hohes Potenzial, die Innenraumluft zu belasten. Kein Wunder, dass immer mehr Menschen Wert darauf legen, dass bei der Herstellung ausschließlich Naturmaterialien wie Wolle, Kokos, Jute oder Bambus verarbeitet werden. Viele Hersteller haben die Zeichen der Zeit erkannt und bieten ihre Produkte naturbelassen und in ansprechendem, modernen Design an.
Für den Käufer ist es bei der Auswahl des Teppichs sehr wichtig, dass das verwendete Material umweltfreundlich hergestellt und von Schadstoffen unbelastet ist. Wer beim Einkauf nicht aufpasst, riskiert seine Gesundheit, etwa wenn die Ware nicht frei von unerwünschten Inhaltsstoffen ist. Doch wer kennt sich bei den mehr als 4.000 verschiedenen Farb-, Muster- und Verarbeitungsvarianten schon aus? An dieser Stelle kommen die Prüfsiegel und Zertifikate ins Spiel. Diese Qualitätszeichen auf der Rückseite sind für den Verbraucher ein nützliches Hilfsmittel. Die Zertifikate werden nach objektiven Mess- und Bewertungskriterien vergeben und kennzeichnen Teppiche, die aus schadstoffarmen Materialien hergestellt wurden. Zum Teil kennzeichnen sie auch Teppiche, die unter menschenwürdigen Bedingungen produziert wurden. Inzwischen gibt es sehr viele Zertifikate. Hier sind die wichtigsten Qualitätszeichen.
Teppichsiegel „Certificate of Quality“
Je mehr Sterne das Zertifikat der Europäischen Teppich Gemeinschaft (ETG) zeigt, umso höher ist die Qualität der angebotenen Ware zu beurteilen. Für die höchste Qualität gibt es fünf Sterne. Geprüft wird die Qualität von neutralen Instituten, über allem wacht der TÜV Rheinland. Die Teppiche müssen außerdem für die Gesundheit und Umwelt ohne Belastung sein, sonst gibt es kein Zertifikat. Piktogramme auf dem Zertifikat informieren den Käufer über die Einsatzgebiete und Belastbarkeit der Materialien. So erfährt man wichtige Detailinformationen, ob der Teppich zum Beispiel für Rollstühle geeignet ist, wie es um die Antistatik steht oder ob der Teppich auch bei einer Fußbodenheizung keine Probleme macht.
Teppichsiegel GoodWeave
Teppiche mit diesem Siegel stammen aus den Ländern Pakistan, Indien und Nepal. Bei einem Teppich mit diesem Siegel kann der Käufer sicher sein, dass das Produkt nur von erwachsenen Personen geknüpft wurde. Durch Zertifizierung soll langfristig ausbeuterische Kinderarbeit in der Teppichproduktion in Indien und Nepal abgeschafft werden. Von der Kinderarbeit befreite Kinder erhalten durch Bildungsprojekte neue Perspektiven. Durch die für das Siegel bezahlten Gebühren werden in den Herkunftsländern Kindertagesstätten und Reha-Zentren für ehemalige Kinderarbeiter errichtet und Schul- und Berufsprojekte unterstützt. Durch das GoodWeave-Siegel kommen die Teppichknüpfer außerdem in den Genuss von Gesundheits- und Impfprogrammen der Initative. Das Teppichsiegel GoodWeave ersetzt das frühere RugMark-Siegel für Teppiche aus Indien, Nepal und Pakistan. RugMark International (RMI) ist eine internationale Initiative gegen illegale Kinderarbeit in der Teppichindustrie.
DAAB – Für Allergiker geeignet
Besonders auf gesundheitliche Aspekte werden Bodenbeläge untersucht, die das Prüfsiegel des Deutschen Allergie- und Asthmabund (DAAB) erhalten wollen. Empfohlen werden nur Teppiche mit dem Siegel „Für Allergiker geeignet“. Hierbei kümmert sich der TÜV Nord um die Geruchsprüfung sowie einen Test der Materialien auf ihr Allergisierungspotenzial. Zusätzlich muss dem Boden vom Umweltlabor GUI ein bestimmtes Feinstaubbindevermögen attestiert werden.
Das GuT-Siegel
Dieses Siegel stammt von der Gemeinschaft umweltfreundlicher Teppichböden e.V. (GuT), einer Organisation von Teppichherstellern. Ein Teppich bekommt diese Auszeichnung nur nach einer umfangreichen Prüfung auf verschiedene Schadstoffe und Umweltbelastung. Die Untersuchungen werden von einem unabhängigen Prüfinstitut durchgeführt. Eine auf der Teppichrückseite angebrachte Prüfnummer bietet die Gewähr, dass der Teppich geprüft wurde und die Grenzwerte eingehalten wurden. Teppiche aus Naturfasern, wie Wolle, Sisal und Kokos, werden auf Pestizidrückstände getestet. Der Teppich muss außerdem im Gebrauch sicher und recylebar sein. Nur der Teppich, der alle Kriterien erfüllt, bekommt eine Prüfnummer.
Umweltzeichen „Blauer Engel“
Auch für Bodenbeläge gibt es das Zertifikat mit dem Blauen Engel. Es kennzeichnet gesundheitlich unbedenkliche und geruchsarme Teppiche, die aus schadstoffarmen Materialien hergestellt wurden. Den Engel bekommen außerdem nur Teppiche, die ohne die Arbeit von Kindern und Jugendlichen hergestellt wurden. Von den anerkannten Prüfinstituten werden nur textile Bodenbeläge ausgezeichnet, die besonders geringe Mengen organischer Verbindungen und Formaldehyd in die Innenraumluft ausgasen.
Zertifikat „LGA-schadstoffgeprüft“
Dieses Zertifikat wird von der LGA Qualitest GmbH der Landesgewerbeanstalt Bayern, einem unabhängigen Zertifizierungsinstitut vergeben. Nur Hersteller, die bei der Produktion der textilen Bodenbeläge strenge Kriterien hinsichtlich der Umweltbelastung und Schadstoffarmut einhalten, bekommen das Zertifikat. Nach einer Erstprüfung werden die Produkte als auch die Herstellung in einem jährlichen Rhythmus überprüft. Verstöße werden verfolgt und sogar sanktioniert.
Zertifikat „Pro Teppichboden“
Mit diesem Zertifikat wird nicht die Qualität der Teppiche beurteilt, sondern die Qualifikation des Händlers. Qualitätsorientierte Händler und Handwerker bekommen dieses Zertifikat von der Initiative „Pro Teppichboden“ für hochwertige Beratungs- und Serviceleistungen. Die Mitarbeiter werden regelmäßig geschult und können kompetent beraten. Der Händler selbst bietet ein umfangreiches Angebot an Ware, die mit „Certificate of Quality“ ausgezeichnet ist und übersichtlich und ansprechend präsentiert wird. Eine fachgerechte Verlegung der Ware ist ebenfalls gesichert. Bei Reklamationen kann die Hilfe eines neutralen Sachverständigen in Anspruch genommen werden. Die Einhaltung dieser Richtlinien kontrolliert der TÜV Rheinland und bestätigt diese mit dem TÜV-Siegel.
