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Mit dem Begriff „Terms of Trade“ bezeichnet man die Verhältnisse unter denen ein Staat importiert und exportiert, also wieviel von seinen eigenen Güter er jeweils ins Ausland verkaufen muss, um bestimmte Importgüter einkaufen zu können. Beispielsweise ist die Menge an Baumwolle, die Burkina Faso ausführen muss, um mit dem Erlös einen Traktor einführen zu können, ein Teil der Terms of Trade dieses Landes. Dieser Begriff lässt sich aber auch sehr gut auf Privathaushalte anwenden, denn auch hier gibt es ein solches Verhältnis zwischen „Ausfuhr“ und „Einfuhr“. Der „Ausfuhrartikel“ eines normalen Haushaltes ist Arbeit, „Einfuhrartikel“ sind die vielerlei Konsumgüter und Dienstleistungen, die ein moderner Haushalt einkauft.
Die in den letzten Jahren sinkenden Reallöhne bedeuten einerseits eine allgemeine Verschlechterung der „Terms of Trade“ von Privathaushalten; andererseits sind dabei besonders diejenigen Haushalte betroffen, deren Angehörige über wenig an auf dem Arbeitsmarkt gefragten Qualifikationen verfügen. Das ist wiederum ein Parallele zu den Verhältnissen, unter denen Staaten mit schlechten Terms of Trade wirtschaften müssen: So wie ein gering qualifizierter Arbeiter – wenn er überhaupt eine Arbeitsstelle findet – aufgrund des geringeren Stundenlohnes länger für ein bestimmtes Konsumgut arbeiten muss als eine höher qualifizierte Kraft, müssen Staaten mit wenig Industrie mengenmäßig mehr Produkte für Importgüter hergeben, als solche, deren Industrie Güter herstellt, die auf dem Weltmarkt gefragt sind.
Verbesserung des Lebensstandards durch mehr Autarkie
In beiden Fällen liegt ein wichtiger Schlüssel zur Verbesserung des Lebensstandards darin, selbst mehr und/oder bessere Leistungen zu erbringen: Der Staat mit schlechten Terms of Trade sollte bestrebt sein, seine Industrie auszubauen und die Leute im Privathaushalt analog dazu daran arbeiten, ihre Fähigkeiten auszubauen und besser zu nutzen.
Man kann dabei im Prinzip zwei Wege gehen. Beide verlangen ein verbessertes Knowhow; jedoch wird man im einen Fall versuchen, mit diesem Knowhow gegen Geld für andere zu arbeiten, im anderen, damit direkt eigene Bedürfnisse zu decken: Der Staat kann entweder Industrien für den Export aufbauen oder solche, die für den Inlandsmarkt arbeiten; die Leute im privaten Haushalt können sich beruflich besser qualifizieren, um mehr zu verdienen oder lernen, Dinge des eigenen Bedarfs selbst herzustellen.
Natürlich sind in beiden Fällen auch sinnvolle Mischungen der beiden grundsätzlichen Vorgehensweisen möglich. In der Praxis wird man derzeit als Privatmann jedoch sehr oft besser beraten sein, wenn man lernt, Dinge selbst zu tun beziehungsweise herzustellen, die man bisher noch kauft. Berufliche Qualifikation ist eine sehr wünschenswerte Sache, aber derzeit ist es zum Beispiel nur sehr schwer möglich, als Arbeitsloser an eine Umschulung mit einem anerkannten Abschluss wie etwa einem Gesellenbrief zu kommen. Und wenn man das Glück hat, ist es noch immer eine ganz andere Sache, als frisch gebackene Fachkraft dann auch eine passende Arbeitsstelle zu finden. Mit der Selbstversorgung hingegen kann man unabhängig von anderen auf der Stelle beginnen.
Selbstversorgung: Bereicherung Dritter umgehen
Der eine Vorteil des Selbermachens und der Selbstversorgung besteht darin, dass man auf seinen Produkten nicht sitzenbleiben kann: Wer sich einen Schrank baut oder Tomaten anpflanzt, tut das, weil er einen Schrank braucht beziehungsweise er und seine Angehörigen Tomaten essen möchten. Gewissermaßen ist alles, was man für sich selbst herstellt bereits verkauft, denn man macht ja nichts, was man nicht haben möchte.
Die Selbstversorgung hat jedoch noch einen weiteren wichtigen Aspekt: Bei einem selbst hergestelltes Gut kommt einem die eigene Arbeit direkt zugute, ohne dass andere daran mit verdienen. Und das macht eine ganze Menge aus, was klar wird, wenn man bedenkt, wer von einer Arbeitsstunde, die man als abhängig Beschäftigter geleistet hat, alles profitiert, bis man das von dem Lohn dafür gekaufte in der Hand hält: Es sind ja nicht nur die Profite von Arbeitgeber, Herstellern und so weiter, sondern auch die Steuern, die an allen Gliedern dieser langen Kette anfallen, die man durch das Selbermachen elegant und vollkommen legal umgeht. Dass auf der Ebene der Weltwirtschaft die Globalisierung diese Kette vorsätzlich verlängert und im Grunde nichts anderes als ein Trick ist, Bereicherungsmöglichkeiten für zusätzliche Nutznießer an der Arbeit der einfachen Menschen zu schaffen, sei hier nur am Rande erwähnt, denn das Prinzip des kürzesten Weges vom Erzeuger zum Verbraucher gilt natürlich auch auf dieser Ebene.
Selbstversorgung soll sich lohnen
Wichtig bei der Selbstversorgung ist, sich zu überlegen, wo man anfängt. Ein Kriterium dafür ist, was man bereits kann oder leicht erlernen kann, das andere, wieviel man durch das Selbermachen einspart. Anders ausgedrückt: Man macht möglichst die Dinge selbst, bei denen man schlechte „Terms of Trade“ hat.
Ein typisches Beispiel dafür sind Autoreparaturen: Wenn man für eine Automechaniker-Stunde 50 Euro bezahlt und zwei Stunden benötigt um etwas zu tun, wofür ein Automechaniker eine Stunde braucht, hat man einen Netto-Stundenlohn von 25 Euro realisiert – und zwar steuerfrei. Ähnlich ist es bei vielen Handwerksleistungen. Die Anschaffung von Werkzeug und die Zeit, die man benötigt um sich schlau zu machen, ja selbst ein gewisses Lehrgeld, dass man am Anfang beim „Trial and Error“ bezahlt, amortisieren sich da sehr schnell.
Es ist aber auch wichtig, die eigenen Ressourcen schlau einzusetzen: Beispielsweise wird man zum Gemüseselbstanbau in der Regel nur eine begrenzte Fläche zur Verfügung haben. Darauf wird man dann nicht unbedingt Kartoffeln anbauen, die man billig kaufen kann, sondern möglichst Gemüsesorten, die im Handel teuer sind.
Zusammen und gemeinsam, nicht einsam und alleinsam
Natürlich werden sich die weitaus meisten Leute nur zu einem gewissen Teil selbst versorgen können. Um diesen Anteil zu erhöhen, kann man sich mit anderen Selbermachern zusammentun. Es gibt zu diesem Zweck bereits an vielen Orten sogenannte Tauschringe, in denen selbst gemachte Dinge und gegenseitige Hilfeleistung ausgetauscht werden. Bei den Treffen und der gegenseitigen Hilfeleistung kommt oft auch das Zwischenmenschliche wieder zu seinem Recht, das ja in Zeiten von aufgrund Rauchverbot und Geldmangel leeren Kneipen, Medienkonsum und Home Shopping arge Not leidet. Gleichzeitig leisten Tauschringe durch ihre lokalen Wirtschaftskreisläufe auch einen Beitrag zur Gegenbewegung zur Globalisierung, der Regionalisierung.
