
- Fujimoris "Zu hohes Teehaus" - www.flickr.com/Kenta Mabuchi
Die Architektur des Japaners Terunobu Fujimori lässt sich stilgeschichtlich nicht einordnen. Seine Arbeiten sind eine originelle moderne Interpretation uralter Bautraditionen.
Terunobu Fujimoris spätes Erwachen
Fujimori (geb. 1947) wuchs in einer ländlichen Gegend auf, arbeitete in seiner Jugend häufig im Wald. Er studierte zunächst Architekturdesign, wandte sich dann aber der Architekturgeschichte zu. Als Architekturprofessor in Tokio vermittelte er zwanzig Jahre lang Studenten sein Wissen. Sein bereits 1986 erschienenes Buch Adventures of an Architectural Detective war in Japan ein Bestseller. Doch erst mit 44 Jahren wurde Fujimori selbst als Architekt tätig.
Ausschlaggebend war die Anfrage seines Heimatdorfes, das ihn um einen Entwurf für ein kleines historisches Museum bat. Als Architekturhistoriker wollte er nichts imitieren, aber fand auch das Repertoire der zeitgenössischen Architektur nicht passend für diesen Bau. Das Jinchokan Moriya Historical Museum (1991) mit seinen Fußböden aus gestampftem Lehm und seiner Außenhaut aus Kastanienholz fand nicht nur große Anerkennung, Fujimori hatte auch seine Lust am Entwerfen dabei wiederentdeckt.
Seither ist seine Kreativität ungebremst. Seine Skizzenbücher sind voller Ideen. Und seine Bauten sind immer einzigartig.
Der Baustil des Terunobu Fujimori
Fujimoris Entwürfe und realisierte Gebäude passen in keine stilgeschichtliche Schublade. Sie fallen aus dem Rahmen, sind eigensinnig, asymmetrisch, schief.
Bislang hat Fujimori seine Entwürfe ausschließlich in Japan umgesetzt. Er arbeitet alleine, hat keinen Stab an Assistenten und auch kein Architekturbüro. Manchmal helfen ihm ehemalige Studenten. Wenn es um Projekte außerhalb Tokios geht, beschäftigt er auch mal einen Partnerarchitekten. Auf der Baustelle jedoch arbeitet er immer mit dem gleichen Team von fünf Freunden – keiner von ihnen ist Architekt.
Beim Betrachten seiner Werke spürt man den Spaß, den Fujimori an seiner Arbeit hat. Seine Gebäude strahlen Leichtigkeit aus, ihnen fehlt das Monumentale und Ernste, vielleicht weil Fujimori sich selbst nicht so ernst nimmt. Ist es gerade die Schönheit des Nicht-Perfekten, die seine Bauten so faszinierend macht?
Terunobu Fujimoris Bauwerke suchen die Verbindung zur Natur
Fujimori arbeitet viel mit Lehm und Holz, mit unbehandelten natürlichen Materialien. Eines seiner Markenzeichen sind Baumstämme, die seine Bauwerke durchstoßen und über dem Dach wieder zum Vorschein kommen. Trotzdem geht es Fujimori bei seinen Entwürfen nicht um den ökologischen Aspekt. Vielmehr sucht er die Verbindung zum Ursprünglichen, zum Archaischen. Die visuelle Wirkung steht für ihn dabei immer im Vordergrund.
Für seine Familie baute er das Tanpopo-Haus (1995). In die Holzfassade des Hauses sind Streifen eingelassen, aus denen Löwenzahn und Blumen wachsen; auch das Dach ist bewachsen. Shibamune, Dächer auf denen Gras wächst, ist eine alte japanische Tradition, die fast ausgestorben war und erst in jüngster Zeit in Verbindung mit ökologischem Bauen wieder Interesse gefunden hat.
Besonders faszinierend ist sein Takasugi-an („Zu hohes Teehaus“, 2004), das der Architekt/Professor für seine Teezeremonie nutzt. Das kleine Häuschen ist als Baumhaus konstruiert. Schwindelfrei sollten die Gäste der Teezeremonie allerdings schon sein, denn die Hütte ruht auf zwei sechs Meter hohen Kastanienbaumstämmen und ist über zwei Leitern zugänglich. Ein großes Fenster eröffnet den Blick über die Landschaft. Wie in alten Zeiten ist die Hütte innen nur grob verputzt und eine offene Feuerstelle dient zum Wasserkochen.
Weitere Projekte von Terunobu Fujimori
- Nira-Haus (1997): Auf dem schrägen Dach wachsen Porree-Stängel (japan. nira = Lauch)
- Futo-an Kobo (2001): Die Fassade wurde mit vernieteten Kupferplatten verkleidet.
- Nemunoki Children’s Museum of Art (2006): Ein Gebäude, das wie ein Pilz in die Landschaft ragt. Der Dachfirst ist mit Gras bepflanzt, die Kuppel des „Pilzes“ mit Kupferstreifen gedeckt.
- Yakisugi-Haus (2007): Die Fassade ist mit verkohlten Zedernbrettern verkleidet, eine alte japanische Technik, die das Holz gegen Regen und Verfall schützt. Bei der Gestaltung des Innenraumes hat sich Fujimori von den Höhlen von Lascaux in Frankreich inspirieren lassen.
- Beetle‘s House (2010): Film zum Projekt eines Teehauses im V&A Museum, London, zusammen mit Architekturstudenten.
Quellen:
- Hofmeister, Sandra: Visionen aus Japans Vorzeit, in: Architektur und Wohnen, 02/09, S. 133 ff.
- Artikel von Jaime Gross auf www.dwell.com
