
- Texten in Netzwerken ist eine moderne Art der Arbeitsteilung - als Clickworker verdient man damit nebenher Geld - Alessandro Reginato
Die virtuelle Arbeitswelt boomt, während die richtigen Jobs immer rarer werden. Für vielreisende, notorisch klamme Abenteurer, Geisteswissenschaftler im Ruhestand oder Studenten bieten sich so genannte Mikrojobs, wie sie die Schreibjobbörse Clickworker vermittelt, an. Hier verdient ein Internetnutzer, der von zu Hause an seinem Computer digitale Aufträge absolviert, mit viel Fleiß ein kleines Nebeneinkommen. Wer davon leben will, muss allerdings rund um die Uhr ackern. Die Aufträge reichen von der Übersetzung über die Recherche bis zur Erstellung eigener Texte. Dabei sind oft SEO-Texte – also Texte mit Schlagwörtern, die per Google im Datendschungel des Internets auffindbar werden – gefragt. Die Themen dieser suchmaschinenoptimierten Texte können von der Schaumstoffmatratze bis zur Hotelbeschreibung reichen. Clickworker arbeiten die jeweils verfügbaren Aufträge ab, für die sie per Paypal ein Honorar ausgezahlt bekommen. Überwiesen wird ab einem Honorar von zehn Euro.
Clickworker müssen sich für ihre Jobs qualifizieren
Doch nicht jeder Auftrag kann von jedem erfüllt werden. Für viele Themen müssen sich Clickworker erst qualifizieren. Dazu werden kleinere Tests absolviert, die zwar nicht viel Zeit in Anspruch nehmen, aber auch nicht bezahlt werden. Nach jedem erledigten Auftrag wird die geleistete Arbeit durch einen Korrektor bewertet. Diese kann gut, durchschnittlich oder negativ ausfallen. Der aktuelle Wert setzt sich immer aus dem Schnitt der letzten 25 Bewertungen zusammen und entscheidet, wann und ob man für die nächsten Aufträge in Frage kommt. Je besser der Clickworker bewertet ist, umso mehr Aufträge werden ihm zugewiesen.
Das Prinzip der Arbeitsteilung heißt Crowdsourcing
Das Prinzip bei Clickworker nennt sich auf Neudeutsch Crowdsourcing. Das hat nichts mit Sauerkraut zu tun, sondern ist ein Kunstwort, dass sich aus dem englischen Crowd und Outsourcing zusammensetzt. Ein Unternehmer lässt eine Aufgabe nicht mehr von eigenen Mitarbeitern oder einem Dienstleister erledigen, sondern stellt sie der Öffentlichkeit zur Verfügung, damit sie eine große Gruppe lösen kann. Auch bei Clickworker besteht die Crowd aus einer großen Öffentlichkeit. Weltweit sind es 115.000 Mitarbeiter, die aus 155 Ländern wie USA, Deutschland, Spanien, England, Italien, Frankreich, Polen und den Niederlanden stammen. Am 9. August 2011 gab es für diese Clickworker insgesamt 80.406 Aufträge. Nach Angaben von Clickworker haben rund ein Drittel aller Mitarbeiter eine reguläre Arbeit und erstellen nur nebenbei Texte. Clickworker müssen mindestens 18 Jahre alt sein und einen Computer mit Internetanschluss haben. Außer Clickworker arbeiten auch andere Firmen wie CrowdFlower, Crowdsortium und Microtask nach dem Prinzip des Crowdsourcing.
Clickworker.com bietet ideale Jobs für Studenten
Diese bequeme Organisation des Zuverdienstes im Internet ist für allem für Studenten interessant. Etwa ein Viertel aller Clickworker studieren noch. Die drittgrößte Gruppe an Clickworkern bilden Freiberufler und Selbstständige. Das moderne Unternehmen ist, das versteht sich von selbst, auch in sozialen Netzwerken wie Facebook, MeinVZ oder Twitter vernetzt. Hier tauschen sich die Mitarbeiter über ihre Erfahrungen als Crowdworker aus und treten aus der Anonymität der Masse heraus.
Unternehmen können schnell große Datenmengen bearbeiten lassen
Für Unternehmen bietet sich das Portal an, wenn schnell Texte erstellt oder übersetzt werden müssen, die sonst viel zu viel Zeit in Anspruch nehmen würden. Die Website bei Clickworker ist so aufgebaut, dass sich sowohl Clickworker (also die Mitarbeiter) und die Kunden jederzeit einloggen können. Kunden stellen dann ihre Daten und Texte ein, die von Clickworker.com angenommen und bewertet werden. Dann wird den Kunden ein Preis vorgeschlagen, den sie akzeptieren oder ablehnen können. So können Unternehmen auch große Datenmengen in Kürze bewältigen. Geschäftsführer Wolfgang Kitza: „Wir teilen große Projekte in kleine Mikrojobs auf und verteilen die einzelnen Aufgaben an unseren Pool von qualifizierten Clickworkern. So können etwa auch bis zu 10.000 Texte in zwei Tagen oder 60.000 Adressen in drei Tagen recherchiert werden.“ Zu den Kunden zählen bei Clickworker weltweit agierende Firmen wie Paypal, Hotel.de AG, IDG Business Media oder Intra2net AG für die 15.000 Unternehmen recherchiert wurden.
Wie werden die Aufträge verteilt? Bekommen alle gleich viel ab?
Clickworker arbeiten in privater Abgeschiedenheit von ihrem eigenen Computer aus. Dabei sind sie zeitlich flexibel, denn die meisten Aufträge können jederzeit ausgeführt werden, so lange sie im System sind und zur Verfügung stehen. Es wird nur bezahlt, was an Texten erstellt oder übersetzt wurde. Die Website von Clickworker bietet dazu eine Standardbenutzeroberfläche, wo die Aufträge aufbereitet und für die Texter bereitgestellt werden. Hier arbeitet der Clickworker seine Jobs nach Belieben bei freier Zeiteinteilung auf Honorarbasis ab. Meist sind die einzelnen Jobs Teile eines komplexen Projektes, das aus Texten, Bildern oder Videos besteht und werden von mehreren Mitarbeitern bearbeitet.
So sehen die Aufträge bei Clickworker aus
Die Anzahl der Aufträge wird durch die Anzahl der Jobs auf der Internet-Plattform wiedergegeben. Muss beispielsweise ein Text erstellt werden, so gliedert sich die Aufgabe in der Regel in drei Jobs, die wiederum auf die jeweils qualifizierten Mitarbeiter verteilt werden. Dann gibt es einen Text-Erstellungs-Job, einen Korrektur-Job und einen Abnahme-Job. Damit die Qualität für die Auftraggeber und zahlenden Kunden garantiert wird, stellt die raffiniert programmierte Software sicher, dass die einzelnen Jobs von verschiedenen Clickworkern bearbeitet werden. Auf diese Weise kann kein Clickworker seinen eigenen Text Korrektur lesen. Das bedeutet aber auch für Jeden, dass unabhängig von der Qualifikation des Texters nur ein Drittel bis ein Viertel aller Jobs potenziell zur Bearbeitung zur Verfügung stehen. Darüber hinaus hängt die Anzahl der verfügbaren Aufträge von den Qualifikationen, Kenntnissen und Interessen ab. Deshalb sollten das Benutzerprofil und vor allem die Angaben zu den Sprachkenntnissen sorgfältig ausgefüllt und der konkrete Wissensstand in den Qualifizierungen nachgewiesen werden.
Clickworker ist eine deutsche Idee, die auch in den USA gut ankommt
Das von Geschäftsführer Wolfgang Kitza 2005 in Dortmund gegründete junge Unternehmen Clickworker.com wurde für seine innovative Geschäftsidee mehrfach ausgezeichnet. 2010 lief das Geschäft mit den Mikrojobs im Internet so richtig an und eroberte auch in den USA ein noch nicht genutztes Terrain. Die Hauptgeschäftsstelle wurde in San Francisco und eine weitere Filiale in New York eingerichtet. Durch die Kooperation mit Vertriebspartnern in Großbritannien und der Schweiz wurde der internationale Domain-Name Clickworker.com eingeführt. Wer sich bei clickworker in Deutschland einloggt, arbeitet automatisch mit der deutschsprachigen Plattform.
Quellen:
- Clickworker
- Humangrid
