The Beatles und Klaus Voormann: Das Cover von "Revolver"

The Beatles - c Apple Corps Ltd
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Die Beatles waren maßgeblich an der Etablierung des Albumcovers als Kunstform beteiligt. Klaus Voormanns schwarz-weißes "Revolver"-Cover war der Anfang.

In der Popmusik wurde seit den Sechziger Jahren dem Plattencover immer mehr Bedeutung beigemessen. Heutzutage, im Download-Zeitalter, scheint das Cover seinen früheren Stellenwert als Visitenkarte und visueller Kommentar verloren zu haben. Einen wichtigen Beitrag zur Etablierung des Plattencovers als Kunstform leisteten die Beatles.

Astrid Kirchher und Klaus Voormann beeinflussten die Beatles

Die Beatles entfernten sich bereits bei ihrem zweiten Album, „With The Beatles“ (1963), von der Norm: Als Cover verwendeten sie ein Foto, das ihre Hamburger Freundin Astrid Kirchherr von ihnen gemacht hatte. Kirchherrs Spezialität waren Porträts im Halbschatten, und so entstand das bekannte „With the Beatles“-Cover. Als berühmtestes Cover eines Beatlesalbums gilt wohl das "Gruppenfoto" von „Sgt. Pepper's Lonely Hearts Club Band“ (1967). Die Beatles, vor allem John Lennon und Paul McCartney, interessierten sich für allerlei Kunstrichtungen, auch für Malerei. Lennon hatte an der Kunsthochschule in Liverpool studiert und war ein begabter Zeichner und Maler. Als die Beatles als Teddy Boys herumliefen und in St. Pauli ihre Auftritte absolvierten, zählten mit Astrid Kirchherr und Klaus Voormann zwei Künstler und Beatniks zu ihrem Freundeskreis, was für die Band später noch sehr prägend sein sollte.

Klaus Voormann spielte bei Manfred Mann, Lou Reed und Harry Nilsson

Klaus Voormann war an der Gestaltung des Covers für „Revolver“ (1966) maßgeblich beteiligt. Später, in den Neunziger Jahren, entwarf er auch die drei Covers für die „Anthology“-Reihe. Voormann, ursprünglich alles andere als ein Musiker, brachte sich selbst das Gitarrespielen bei und spielte schließlich bei Manfred Mann Bass. Nach der Trennung der Beatles arbeitete er an Soloprojekten der einzelnen Beatles mit, mit Ausnahme von McCartney; die beiden traten erst 2002 gemeinsam auf, beim Gedenkkonzert für den verstorbenen George Harrison. Voormann war auch Sessionsmusiker für Lou Reed, Harry Nilsson und andere. Er war (und ist) ein enger Freund der Beatles, und daher schien es naheliegend, dass er die Gestaltung des „Revolver“-Covers übernahm.

Ein Grammy für Klaus Voormanns „Revolver“-Cover

Im Gegensatz zum bunten Swinging London und der aufkeimenden Hippie-Kultur besteht das Cover nur aus den Farben Schwarz und Weiß: eine Collage aus Fotofragmenten und unfertig anmutenden Zeichnungen der Köpfe der Beatles. Überhaupt scheint das gesamte Cover unvollendet, nicht fertig gemalt, und trotzdem erscheint es in sich stimmig. Erst bei genauerer Betrachtung entschleiern sich dem Beobachter die vielen, oft winzigen Details. Wie schon bei „Rubber Soul“, fehlt der Bandname auf dem Cover: Mittlerweile waren die Beatles so berühmt, dass sie darauf verzichteten und sich darauf verlassen konnten, dass allein das ungewöhnliche Design des Plattencovers zu einer Art Visitenkarte der Band geworden war. Zudem waren ohnehin fast eine Million Exemplare von den Fans bereits vorbestellt. Klaus Voormann erhielt für die Gestaltung des Covers ein Honorar von 50 Pfund; seine Arbeit wurde außerdem mit einem Grammy ausgezeichnet.

Inspiration von Aubrey Beardsley und Art Nouveau

John Lennons Schulfreund Pete Shotton erinnert sich: „Das Revolver-Cover war, so wie die Platte selber, eine surrealistische Montage. John, Paul and ich verbrachten einen Abend damit, uns durch einen riesigen Haufen Zeitungen und Magazine zu ackern, um Bilder der Beatles zu suchen. Wir schnitten die Gesichter aus und klebten sie alle zusammen. Das Ganze wurde dann später mit der Zeichnung von Klaus Voormann verknüpft”. Bei der Idee, wie das Cover aussehen sollte, wurden die Beatles von Aubrey Beardsley inspiriert, einem Künstler, dessen Werke im Sommer 1966 in London ausgestellt waren und der einen Stil vertrat, wie er zu der Zeit äußerst populär war (Art Nouveau).

Klaus Voormann versteckt am Cover von „Revolver“

Ähnlich wie ein Jahr später bei „Sgt. Pepper“, braucht der Betrachter einige Zeit, um alle Details des Covers zumindest visuell zu erfassen. An versteckten Botschaften mangelt es nicht, und erst in der Vergrößerung des Albums ist am rechten Rand zwischen Lennons und Harrisons Gesichtern ein kleines Foto von Klaus Voormann zu entdecken. Die Ideen, die wohlmöglich bereits hinter dem Cover von „Revolver“ gestanden haben, erschienen beim „Sgt. Pepper“-Cover dann organisiert, systematisiert und ausgereift; das Plattencover wurde erstmals zur Aussage und auch zu einer Interpretation und Illustration der Musik.

Quellen:

  • Elisabeth Vock: The Beatles: Revolver. Popmusik als inhaltliches Konzept. Diplomarbeit, Wien 2005
  • Keith Badman: The Beatles Off the Record. Outrageous Opinions and Unrehearsed Interviews. London 2000
  • Mike Evans: The Art of the Beatles. NY 1984

Elisabeth Vock - Geboren 1978 in Wien, wuchs ich am Land auf, zwischen Musikinstrumenten und Pferden. Bereits im Grundschulalter begann ich, Geschichten zu ...

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